Verband wirbt mit provokanten Sprüchen für Foto-Urlaub in NRW
»Wollüstig über Wipfeln«

Bielefeld/Berlin (WB). Für einen Quickie nach Nordrhein-Westfalen? Mit einer provokanten Werbekampagne voll sexueller Anspielungen will der Verband Tourismus NRW Aktivurlauber anlocken, die auf der Suche nach dem perfekten Foto für die Sozialen Medien sind.

Freitag, 08.03.2019, 11:00 Uhr
Die besten Motive für Instagram-Fotos – so inszeniert Tourismus NRW das Bundesland. Zu sehen sind unter anderem der Baumwipfelpfad Panarbora im Bergischen Land. Foto: Tourismus NRW e.V., Dominik Ketz

Unter dem Titel »One Night Stand – Deine Nacht in NRW« will der touristische Dachverband vor allem junge Touristen für einen Kurzurlaub begeistern. Im Rahmen der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) wurde das Projekt jetzt vorgestellt. »Bislang sind die Reaktionen gemischt«, sagte Sprecherin Julie Sengelhoff am Donnerstag. »Die Kampagne provoziert.« Und das solle sie auch ein Stück weit.

Fotoschauplätze

»Du willst mehr von mir, mehr von meiner Natürlichkeit, meinen verschlungenen Wegen und Kurven«, so wird zum Beispiel der Teutoburger Wald auf der Internetseite des Projektes beworben. Zu den Externsteinen heißt es: »Begib Dich auf meinen mystischen Pfad und beginne hier Dein romantisches Abenteuer mit mir.« Das Hermannsdenkmal wirbt beworben mit: »Imposant, standhaft und immer bereit – für eine gemeinsame Nacht, für ein Stelldichein.« Und das sind nur einige unter teils weitaus gewagteren Sätzen. »Es wird sicherlich nicht jedem gefallen«, sagte Sengelhoff.

Externsteine im Teutoburger Wald

Externsteine im Teutoburger Wald Foto: Tourismus NRW e.V.

Doch nicht nur so sollen vor allem junge Menschen auf NRW als Urlaubsland aufmerksam werden: Im Rahmen der Kampagne werden den Erholungssuchenden Fotoschauplätze empfohlen, die sich durch ungewöhnliche Perspektiven oder weniger bekannte Motive auszeichnen. »Wir wissen um den Trend, dass junge Leute ihre Reiseziele heute oftmals danach aussuchen, um das beste Foto zu bekommen«, sagte Sengelhoff. »Instagrammability« nennen das die Tourismusexperten. Abgeleitet vom Namen der Foto-Plattform Instagram bedeutet es soviel wie: die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bild online auf positive Reaktionen stößt. An Wahrzeichen wie dem Kölner Dom, dem Brandburger Tor oder dem Schloss Neuschwanstein kennt man dieses Phänomen bereits.

Kampagne wird von der EU gefördert

Wirklich neue Reiseziele werden in dieser digitalen Offensive allerdings nicht vorgestellt. »Im Kern geht es um bekannte Rad- und Wanderwege, die neu erzählt werden sollen«, erklärte Sprecherin Sengelhoff. »Wir kommen sozusagen durch die Hintertür.« Neben dem Teutoburger Wald und dem Hermannsweg mit dem Leitspruch »Romantisch unterm Sternenhimmel« rührt Tourismus NRW unter anderem die Werbetrommel fürs Bergische Land (»Wollüstig über Wipfeln«) oder das Münsterland (»Heimlich im Burgzimmer«). Die Kampagne wird den Angaben zufolge von der EU gefördert.

Mit ihrem digitalen Charakter entspricht sie den Eckpunkten der neuen Landestourismusstrategie, die NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) gestern zur ITB vorstellte. Damit soll der zuletzt vermeldete Wachstumsrekord bei Ankünften und Übernachtungen in NRW ausgebaut werden, wie das Ministerium mitteilte.

Inhaltlich soll der Tourismus unter anderem möglichst datengestützt gestaltet werden. Er soll vernetzter werden, mehr Innovation zulassen. »Denn der Tourismus hat große Ausstrahlungseffekte auf andere Branchen. Neue Allianzen, etwa mit der Digital-, der Kreativwirtschaft oder der Industrie, wollen wir ausbauen, um überall im Land ein innovationsfreundliches Klima zu erzeugen«, wird Pinkwart zitiert.

Weser-Radweg am beliebtesten

Der Weser-Radweg ist erstmals der beliebteste Radfernweg in Deutschland. Die Route vom Weserbergland bis zur Nordsee habe damit den Elbe-Radweg abgelöst, teilte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) gestern in Berlin mit. ADFC-Tourismusexpertin Louise Böhler: »Die Betreiber haben viel in die Wegequalität investiert, den Streckenverlauf optimiert und ihr Produkt intensiv vermarktet.« Nach Angaben der Infozentrale Weser-Radweg in Bremen sind die Vorteile der mehr als 500 Kilometer langen Strecke die gut befahrbaren Wege, die landschaftliche Vielfalt ohne nennenswerte Steigungen und die touristische Infrastruktur. Mehr als 100.000 Radler seien dort jährlich unterwegs. Die Neubewertung sei durch eine Befragung von Radtouristen ermittelt worden.

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