Umfrage macht Mangel an Gewerbeflächen in Bielefeld deutlich – unzufrieden mit Digitalisierung
Jede achte Firma könnte abwandern

Bielefeld (WB). 13 Prozent der Unternehmen in Bielefeld tragen sich mit Abwanderungsabsichten, wenn es keine Erweiterungsmöglichkeiten gibt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der städtischen Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Wege.

Freitag, 08.03.2019, 04:00 Uhr
Bielefelds Unternehmen sind mit ihrem Standort eigentlich ganz zufrieden. Was ihnen aber fehlt, sind Erweiterungsmöglichkeiten. Allein die von der Wege befragten Firmen haben einen Bedarf von 21,4 Hektar angemeldet. Foto: dpa

Die Resultate stellte Wege-Chef und Planungsdezernent Gregor Moss gestern im Hauptausschuss des Rates vor. Dabei wurde auch klar, dass Bielefelds Betriebe mit ihrem Standort eigentlich einigermaßen zufrieden sind. Auf einer Skala von eins bis fünf wurde der Wirtschaftsstandort von den befragten Betrieben mit 2,3 bewertet.

Besonders zufrieden zeigten sich die Unternehmen mit der guten Verkehrsanbindung und Erreichbarkeit, den Einkaufsmöglichkeiten, der medizinischen Versorgung und der Nähe zum Kunden. Vor allem unzufrieden sind sie mit dem Gewerbesteuerhebesatz, der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und Gewerbeimmobilien, der Breitbandversorgung und der Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Die beiden letztgenannten Standortfaktoren seien für die Unternehmen die wichtigsten.

Im Herbst 2018 waren von der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung (Gefak) 1700 Bielefelder Betriebe angeschrieben worden. 322 der Unternehmen mit insgesamt 19.114 Beschäftigten, das sind 19 Prozent und damit mehr als erwartet, haben geantwortet. Das Ergebnis gelte damit als repräsentativ.

»Die Verfügbarkeit ist das Problem.«

Die Zahlen zeigten, dass die Politik dringend die Grundlagen für mehr Gewerbeflächen schaffen müsste, sagte Dorothea Becker (Bielefelder Mitte). In der Unternehmensbefragung hatte jedes dritte Unternehmen einen konkreten Flächenbedarf für den Zeitraum bis 2020 angeben. Dieser Bedarf wurde von vielen sogar konkret benannt, summiert sich auf 21,4 Hektar Grundstücks- und etwa 62.000 Quadratmeter Gebäudefläche. »Hier zeichnet sich ein Entwicklungshemmnis für den Wirtschaftsstandort ab, das den positiven betrieblichen Entwicklungsplänen, insbesondere den geplanten Erweiterungen und Personalneueinstellungen, entgegenwirkt«, fassen die Gefak-Experten das Ergebnis zusammen.

Und so kommt auch die Zahl zustande, dass jedes achte Unternehmen einen kompletten Standortwechsel oder eine teilweise Verlagerung nach außerhalb von Bielefeld erwägt. Die allermeisten wollen aber »in der Region« bleiben. Georg Fortmeier (SPD) sagte, die Flächenproblematik sei seit langem bekannt. »Die Verfügbarkeit ist das Problem.«

Wichtigster Standortfaktor aus Sicht der Unternehmen sind Breitbandversorgung und Internetanbindung. Doch zufrieden sind sie mit dem Angebot in Bielefeld nicht. Das zeigt der schwache Durchschnittswert von 3,21. »In den Gewerbegebieten herrscht da Not«, sagte Moss. Aus seiner Sicht unverständlich sei, dass weiße Flecken am Stadtrand von Bund und Land gefördert würden, nicht aber den Ausbau in Gewerbegebieten.

43 Prozent kennen die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Wege nicht

Für ihr eigenes Unternehmen prognostizieren die Betriebe grundsätzlich eine positive Entwicklung in den kommenden drei Jahren. Fast 75 Prozent wollen neue Beschäftigte einstellen, 57 Prozent neue Dienstleistungen und Produkte einführen und 46 Prozent ihren Standort modernisieren. Ein zunehmendes Problem sei aber der Fachkräftemangel. Mehr als 80 Prozent erwarten hier Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen für gelernte Arbeitskräfte im gewerblich-technischen Bereich, fast 70 Prozent glauben, nicht mehr alle Stellen für Hochschulabsolventen angemessen besetzen zu können.

Gefragt wurden die Unternehmen auch danach, wie sie die Leistungen der Wege bewerten. Rund 80 Prozent, die die Angebote kennen und schon einmal genutzt haben, sind mit der Wege »sehr gut« oder »gut« zufrieden. Allerdings: 43 Prozent kennen die Wege nicht.

Das Besondere an der Umfrage: Sie lief nicht anonym ab, um gezielt auf Anliegen der Betriebe reagieren zu können. Alle Unternehmensvertreter, die geantwortet haben, sind am 10. April 2019 zum Treffen »Wirtschaft live« ins Rathaus eingeladen. Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) will dann mit ihnen über die Ergebnisse der Umfrage diskutieren.

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