Galerie mit Kultstatus: Vor 25 Jahren gründete Marion Dueball den Kunstraum Rampe
Dompteurin, Grand Dame, Netzwerkerin

Bielefeld (WB). Ihre langjährige Zeit im Schuldienst hat Marion Dueball als Galeristin längst übertroffen: Am Sonntag, 10. März, begeht die 71-Jährige mit ihrem Kunstraum »Die Rampe« das 25-jährige Jubiläum. Gefeiert wird ein Vierteljahrhundert privater Kunstförderung und -vermittlung.

Donnerstag, 07.03.2019, 19:00 Uhr
Marion Dueball in ihrer Galerie. Der Fußboden ist von unverwechselbarem Charme. Foto: Bernhard Pierel

Vorgezeichnet war ihr dieser Weg nicht. Als Lehrerin für die Grund- und Hauptschule absolvierte die gebürtige Bielefelderin später ein Ergänzungsstudium für das Lehramt an Sonderschulen. Zuletzt arbeitete sie als Sprachheiltherapeutin für das Gesundheitsamt Gütersloh. 1990 ließ sie sich beurlauben. »Ich brauchte eine Auszeit und wollte mich neu orientieren«, erzählt Dueball.

1994 kam ihr der Zufall zu Hilfe. Dueball organisierte mit großem Erfolg eine Benefizausstellung für den schwer erkrankten Bielefelder Künstler Peter »Pedda« Borowoski. Sie fand in den leer stehenden Räumen der ehemaligen Landeszentralbank statt. Hinten war eine Rampe angebaut, eine bauliche Besonderheit, die dem Kunstprojekt später seinen unverwechselbaren Namen gab. »Mit dem Wort Rampe lässt sich zweierlei assoziieren. Einerseits, jemanden ins Rampenlicht setzen, andererseits Auschwitz«, gibt Marion Dueball zu bedenken. Gleichwohl: das Kind hatte seinen Namen weg, und der besteht nach wie vor.

Die Rampe hält Hinterhof

Heute heißt es: »Die Rampe hält Hinterhof«, wenn Marion Dueball fünf bis sechsmal im Jahr zur Ausstellungseröffnung bittet. Nach vier Jahren Ausstellungstätigkeit an wechselnden Orten wurde die Rampe 1998 sesshaft, zog in die ehemaligen, in einem Hinterhof gelegenen Räume einer Wäscherei und Färberei in der Neustädter Straße 9. Die Räume sind einzigartig für eine Galerie. Fenster fehlen dem Ausstellungsraum, dafür kommt das Licht von oben. Unverwechselbaren Charme verleiht ein alter, rot-weiß karierter Linoleumfußboden. Ein Relikt aus alten Wäschereizeiten, das Kultstatus genießt und sich immer wieder erstaunlich gut den wechselnden Kunstobjekten anpasst.

»Von Anfang an stand die junge, wenig etablierte und regionale Kunst verschiedener Sparten im Vordergrund«, sagt Marion Dueball. Männliche und weibliche Künstler hielten sich die Waage. Immer war die Rampe auch ein Forum des Austausches, eine Kontaktbörse, ein Ort, an dem auch Lesungen und Konzerte stattfanden.

15 Mal stellte Marion Dueball die Rampe für sechs bis acht Wochen als Sommeratelier auf Zeit zur Verfügung. Künstlerinnen und Künstler zogen mit Sack und Pack ein und arbeiteten in der Ruhe und Abgeschiedenheit des Gastateliers an ihren Projekten. Zu offiziellen Besuchszeiten konnten Interessierte den Kunstschaffenden bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen sowie über einen längeren Zeitraum den »work in progress« mitverfolgen.

»Ich hatte Glück, finanziell abgesichert zu sein.«

Traditionell am Totensonntag versammelt die Galeristin eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern um sich, die in einer Gruppenausstellung ihre Werke präsentieren. Solch eine gemischte Gruppe kreativer Geister unter einen Hut zu kriegen, kommt manchmal einem Sack-Flöhe-Hüten gleich. »Es gibt Tage, da komme ich mir vor wie ein Dompteur. Das ist wie damals in der Schule«, sagt Dueball mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Bereut habe sie es nie, ihre Schullaufbahn an den Nagel gehängt und sich statt dessen der Förderung der Kunst gewidmet zu haben, betont die Galeristin. Leben konnte sie davon indes nie. »Ich hatte das Glück, finanziell abgesichert zu sein. Die Rampe trägt sich so gerade eben selbst«, berichtet sie.

Bestätigung für ihr Tun erhielt sie nicht nur von Seiten der Künstler – mit vielen ist sie über die Jahre befreundet – und Ausstellungsbesucher. Besonders erfreut war Marion Dueball, als der Emons Verlag 2017 auf sie zukam und die Rampe als besonderen Ort in dem Buch »111 Orte in Bielefeld, die man gesehen haben muss«, vorstellte.

Werke zum Thema »tierisch gut«

Zum 25-Jährigen hat sich die Galeristin von den 25 Künstlern, mit denen sie und die Rampe seit Jahren verbunden ist, Werke zum Thema »tierisch gut« gewünscht. »Das Thema Tier liegt gerade im Trend«, sagt sie. Geliefert wurde prompt: Ein Zoo künstlerischer Raritäten wie etwa die große Bronze »Porco Cane« (Schweinehund) von Christian Stiesch. Oder eine Wandinstallation aus schwarzen Papierschnitten mit dem Namen »Ein Tag Fliegen« von Kristine Wedgwood-Benn.

Von Gisbert Lange sind Aquarelle in Lebensgröße von gefährdeten Arten zu sehen. Und Alexandra Sonntag zitiert gar die Kunstgeschichte, wenn sie Velasquez’ Infantin Margareta Teresa in einer feinen Bleistiftzeichnung als »Squirell barockque« (Barock-Eichhörnchen) präsentiert.

Eröffnet wird die Ausstellung an diesem Sonntag um 17.30 Uhr. Dann heißt es wieder wie seit 25 Jahren: Die Rampe hält Hinterhof .

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