Landesbetrieb soll Planung der Ortsumgehung Friedrichsdorf wieder aufnehmen
Straßen NRW hofft auf Konsens

Bielefeld/Gütersloh (WB). Schon 2010 hat sich die Politik in Bielefeld klar positioniert: Den Bau einer Ortsumgehung um Friedrichsdorf, die auch über Senner Gebiet verlaufen würde, lehnt sie ab. An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert, gleichwohl sieht man das Projekt in Gütersloh auf einem guten Weg.

Mittwoch, 06.03.2019, 15:00 Uhr
Die rote Linie zeigt die bisherige Trassenplanung für die Ortsumgehung Friedrichsdorf, die teilweise die Grenze zu Bielefeld überschreitet (gestrichelte gelbe Linie). Die Stadt Bielefeld ist somit direkt betroffen, lehnt die Planung bislang aber ab. WB-Grafik: Kathrin Fischer

Nachdem die Vorgängerregierung in Düsseldorf das Bauprojekt auf Eis gelegt hatte, weil die Kommunen Bielefeld und Gütersloh sich über die Realisierung nicht haben einigen können, setzte die neue Landesregierung die Ortsumgehung im Dezember »wieder auf Grün«, wie es Sven Johanning formuliert, Sprecher der Niederlassung OWL des Landesbetriebs Straßen NRW. Den Bewohnern Friedrichsdorfs, die genervt sind vom Straßenverkehr, der sich durch ihren Ort zwängt, macht dieser Beschluss Hoffnung. Der Gütersloher Landtagsabgeordnete Raphael Tigges (CDU) verkündete zuletzt: »Jetzt geht es voran. Im weiteren Planungsprozess wird die Verständigung darüber auch mit Bielefeld erfolgen.«

Kein neuer Sachstand

In Bielefeld allerdings sieht man für diesen Optimismus keinen Anlass und auch keinen Grund, dem Projekt in der bisherigen Planung zuzustimmen. »Es gibt keinen neuen Sachstand, der etwas an der bestehenden Beschlusslage ändern könnte«, sagt Frank Homann vom Bielefelder Amt für Verkehr.

Die Planung sieht bisher vor, auf Gütersloher Gebiet von der Avenwedder Straße aus eine neue Straße zu bauen, die südlich um Friedrichsdorf herumführt, nach Norden einschwenkt und kurz vor der Stadtgrenze zu Bielefeld an die dortige Buschkampstraße (Zubringer zur A 33) anknüpft (so genannte Südumgehung). Die Umgehungsstraße würde dann als Ostumgehung weiterführen und in die Friedrichsdorfer Straße in Windflöte einmünden. An zwei Stellen schneidet die Trasse dabei Bielefelder Gebiet im Stadtbezirk Senne.

Sennes Bezirksvertreter, auf deren Veto die Ablehnung der Stadt Bielefeld maßgeblich beruht, kritisieren an der Südumgehung unter anderem den Landschaftsverbrauch und den Verlust eines Waldstücks auf ihrem Gebiet, könnten sich aber mit diesem Teil der Planung wohl arrangieren, heißt es aus der Stadtverwaltung und der Politik. Die Umgehung müsste dann aber an der Buschkampstraße enden. Die Ostumgehung lehnen die Senner strikt ab, weil sie Lärm und Belastung an die Wohnbebauung in ihrem Ortsteil Windflöte herantragen würde. Bei der Stadt Bielefeld hält man diesen Teil der Straße aus planerischer Sicht ohnehin für überflüssig, weil dort nur wenig Verkehr fließen würde. In Senne befürchtet man zudem, dass sich an einer neuen Straße schnell auch neues Gewerbe ansiedeln würde – mit weiteren Belastungen und Flächenverbrauch.

Im Einvernehmen

Sven Johanning sieht eine Lösung, die die Bielefelder zur Zustimmung bewegen könnte, in einer geänderten Planung aus Gütersloh. Der Straßenverlauf solle dafür so verlegt werden, dass die Umgehung Bielefelder Territorium nicht mehr berührt. Eine Forderung, die auch Sennes Bezirksbürgermeister Gerhard Haupt (CDU) unterstützt. »Die Kommunen müssen hier ein Einvernehmen herstellen, damit wir weiter planen können«, sagt Sven Johanning im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Allerdings schränkt er ein: »Wir haben den politischen Auftrag des Landtags, noch in dieser Legislaturperiode, also bis 2022, die Planung für die Ortsumgehung wieder aufzunehmen. Was bedeutet, dass notfalls auch ohne Konsens zwischen den Kommunen eine Planung vorangetrieben wird. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens müsste die Bezirksregierung dann prüfen, ob sich Straßen NRW als Vorhabenträger über Beschlüsse und Bedenken aus Bielefeld hinwegsetzen dürfte. Notfalls könnte Bielefeld gegen eine nicht abgestimmte Planung klagen. Daher sei Straßen NRW als zuständige Planungsbehörde, sagt Johanning, sehr daran interessiert, »das im Einvernehmen zu machen«.

Neue Gutachten

Frank Homann glaubt denn auch, dass eine Planung ohne Zustimmung Bielefelds »zu nichts führen« werde, selbst wenn die Trasse außerhalb des Bielefelder Stadtgebietes verlaufen würde. Denn die Problemlage durch die Ostumgehung und die Belastung Windflötes bliebe bestehen. Und Bielefeld wäre als Nachbarkommune im Planfeststellungsverfahren ohnehin anzuhören.

Sven Johanning machte deutlich, dass es im Zuge der Planung Gutachten geben werde, die aufzeigen sollen, wo und in welchem Maße überhaupt eine zu hohe Verkehrsbelastung bestehe. Darin soll auch berücksichtigt werden, wie sich eine künftige Ortsumgehung Ummeln auf den Verkehr in Friedrichsdorf auswirkt.

Nach Einschätzung Frank Homanns wird eine neue Planung mit veränderter Trasse Jahre dauern, weil alle poltischen Gremien erneut damit zu befassen wären. Dazu kommt es möglicherweise gar nicht, denn in Gütersloh scheint es derzeit keinen Willen zu geben, eine konsensfähige Straße zu planen. »Änderungen der Linienführung fallen nicht in die Zuständigkeit der Stadt Gütersloh«, heißt es aus dem Rathaus auf Anfrage. Vielmehr sehe man Straßen NRW in der Pflicht, die Planung weiterzuführen.

Unterdessen gibt es in Frie­drichsdorf nicht nur Befürworter einer Umgehungsstraße. In der vergangenen Woche trafen sich gut 60 Mitglieder von Bürgerinitiativen aus Friedrichsdorf und Windflöte gegen die Umgehung auf der geplanten Trasse, um ein Zeichen gegen den Bau zu setzen. Sie beklagen den Verlust von 45 Hektar zumeist landwirtschaftlich genutzte Fläche. Den Sinn der neuen Straße stellen sie infrage und berufen sich auf einen Rückgang des Verkehrs im Ortszen­trum von Friedrichsdorf.

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