Mehr Einbürgerungen – geringer Brexit-Effekt – lange Wartezeiten
Der deutsche Pass ist wieder stärker gefragt

Bielefeld (WB). Die Zahl der Einbürgerungen ist 2018 gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. 525 Bielefelder mit ausländischen Wurzeln bekamen einen deutschen Pass. Darunter waren auch 40 Briten. Aktuell müssen Einbürgerungswillige aber mehr als ein Jahr auf einen Beratungstermin warten.

Mittwoch, 06.03.2019, 04:00 Uhr
40 in Bielefeld lebende Briten wollten 2018 den deutschen Pass, 2017 waren es 43. Foto: dpa

Der Brexit und damit die steigende Zahl an britischen Staatsangehörigen, die sich einbürgern lassen wollen, spielen bei der Fallzahlensteigerung allerdings nur eine relativ untergeordnete Rolle, heißt es bei der Stadt. Insgesamt leben 662 Briten in Bielefeld, 43 hatten 2017 einen Einbürgerungsantrag gestellt, im vergangenen Jahr wollten 40 den deutschen Pass.

Briten auf dem dritten Platz

Die Briten kamen damit in der Einbürgerungsstatistik auf den dritten Platz. Den ersten Rang belegten erneut die Türken (103 Einbürgerungen, Vorjahr 75), gefolgt von den Irakern (55/48). An der vierten Stelle rangierten die Polen (26) vor den Griechen (20).

Das Interesse am deutschen Pass war tatsächlich deutlich höher. Die Einbürgerungsstelle im Rathaus berichtet von 1957 Anfragen im vergangenen Jahr, etwa genauso viele wie 2017.

Doch viele, die im Rathaus vorsprechen, erfüllen die Voraussetzungen nicht. Probleme bereitet häufig die Identitätsklärung, insbesondere bei Menschen, die als Flüchtlinge ins Land gekommen waren. Auch die wirtschaftliche Absicherung und der Nachweis von Deutschkenntnissen ist bei vielen Einbürgerungswilligen nicht gegeben. Acht Jahre muss im Land mindestens leben, wer Deutscher werden will, außerdem einen Einbürgerungstest machen. So bekommt am Ende nur etwa ein Viertel der Interessenten, die in der Einwanderungsstelle des städtischen Bürgeramtes anfragen, am Ende auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Zahl der Staaten, bei denen sich häufig Probleme und damit längere Bearbeitungszeiten bei der Einbürgerung ergeben, ist lang: Zu ihnen gehören Irak, Afghanistan, Aserbaidschan, Bangladesch, sehr viele afrikanische und mittelamerikanische Nationen. Alleine im Jahr 2017 kamen etwa 40 Prozent der Interessenten aus diesen Staaten. 2018 stellten sie bereits 45 Prozent der Einbürgerungsbewerber.

Wartezeiten über ein Jahr

Mit dem vorhandenen Personal (sechs Bedienstete) könne dem tatsächlichen Interesse an Einbürgerungen nicht mehr adäquat begegnet werden, so das städtische Bürgeramt. So müssen Interessenten inzwischen Wartezeiten von mehr als einem Jahr in Kauf nehmen, um einen Termin im Rathaus zu bekommen. Waren es Mitte 2016 noch fünf Monate, so betrug die Wartezeit im Herbst 2017 schon neun Monate. Im Januar warteten nach Angaben der Stadt 2053 Personen auf einen ersten Termin zur Beratung. Hinzu kommen die, deren Einbürgerungsverfahren bereits laufen.

Bei der Stadt rechnet man damit, dass die Zahl der Interessenten an einem deutschen Pass in den kommenden Jahren noch steigen wird. Denn mit 55.000 lebten 2018 so viele Ausländer wie nie in Bielefeld. Die Zahl sei in den vergangenen fünf Jahren damit um 35 Prozent gesteigen.

Umsonst ist die deutsche Staatsbürgerschaft übrigens nicht. Ein Erwachsner muss eine Gebühr von 255 Euro entrichten, für minderjährige Kinder fallen 51 Euro an.

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