Bielefelder Künstler Heiner Meyer widmet sich tragbaren Statussymbolen – mit Video
Die »Must Haves« der Reichen und Schönen

Bielefeld (WB). Seit 1854, dem Jahr der Firmengründung in Paris, steht der Name Louis Vuitton für Luxus. Taschen und Koffer mit dem LV-Logo gelten immer noch als Statussymbole.

Mittwoch, 06.03.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 17:45 Uhr
Heiner Meyer zeigt in der Weißen Villa des Museums Huelsmann Ergebnisse seines 100-Koffer-Projektes. Foto: Bernhard Pierel

Tragbare Statussymbolen im Museum Huelsmann

1/10
  •  Tragbare  Statussymbolen im Museum Huelsmann
Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel

Dass sie gleichzeitig aber auch Markenfetische sein können, »Must Haves« der Reichen und Schönen – das zeigt die Ausstellung »Trunkmania« bis zum 19. Mai im Museum Huelsmann genauso wie die Verwendung der teuren Trageobjekte als Leinwand.

Der Bielefelder Künstler Heiner Meyer (65) hat vor drei Jahren ein 100-Koffer-Projekt gestartet. 77 der Label-Behältnisse sind bis zum 19. Mai in der Weißen Villa des Museums im Ravensberger Park ausgestellt – jedes davon ein Vintage-Modell mit Gebrauchsspuren und Geschichte. Heiner Meyer bemalte die Taschen und Koffer mit Zitaten der Kunstgeschichte von Andy Warhol bis Julian Schnabel, von Damien Hirst bis Walt Disney, von Picasso bis Keith Haring, von Andy Warhol bis Jean-Michel Basquiat.

Das erste Stück: Meyer übertrug Motive des Bildes »Immaterial« von 2013 auf eine – innen verklebte und so unbrauchbare – Louis-Vuitton-Tasche seiner Frau. Sein Düsseldorfer Galerist Burkhard Eikelmann griff die Idee auf und kaufte Behältnisse des Luxuslabels aus zweiter Hand auf. Die Preise für ein neues Exemplar sind gepfeffert: Ein Kosmetikkoffer von Louis Vuitton kostet um die 6000 Euro.

Heiner Meyer macht aus jedem Stück ein Unikat: Das eine zeigt »Hello Kitty«-Motive, das andere Popeye und Olivia, Bugs Bunny ist genauso vertreten wie etwa ein Porträt von Liz Taylor oder Speedy Gonzales. Meyer sagt, die Koffer seien von dem Unternehmen schon seit Gründertagen individualisiert worden. So habe der russische Zar einen Louis-Vuitton-Koffer nicht in der Standardfarbe Braun, sondern in Violett geordert und bekommen.

Die Luxus-Behältnisse sind mit ihren Messingbeschlägen höchst solide gebaut – und entsprechend schwer. Wer im 19. oder frühen 20. Jahrhundert verreiste, war reich und hatte Personal. Der Rollkoffer war noch nicht erfunden, tragen ließen sich viele der Gepäckstücke nur von mindestens zwei Bediensteten. Dafür ruhten Kleider oder Anzüge darin auch knitterfrei. Und obwohl das Eigengewicht des ein oder anderen Koffers das übersteigt, was Fluglinien heutzutage ihren Passagieren an Gepäck überhaupt zubilligen, hat Heiner Meyer zwei der Behältnisse so bemalt, als würde ihr Inhalt am Eingang zum Gate durchleuchtet.

Produkte aus dem Hause Louis Vuitton seien, so Meyer, keine Wegwerfprodukte, oft seien die Stücke von Generation zu Generation weitergegeben worden. Und er könne es verstehen, wenn der Kauf einer Handtasche für Glücksgefühle sorge: »Das kann ein unwiederholbares Erlebnis sein.«

Meyer gibt den Gepäckstücken ein zweites Leben.

In der Ausstellung zu sehen sind neben Handtaschen, Überseekoffern und anderem Reisegepäck auch Hutschachteln, Golftasche oder Tennisschlägerhülle der Luxusmarke aus Frankreich. Alle natürlich bemalt, »customized« (ein Serienprodukt bekommt einen eigenen Charakter). Die Stücke stehen in Vitrinen, hängen unter der Decke oder fahren im »gläsernen Aufzug« im Treppenhaus hinauf und hinunter. Die frechste Bemalung: das Prada- und das Hermes-Logo auf Louis-Vuitton-Taschen.

Ergänzt wird die Taschen-Revue durch collageartige Bilder, auf denen auch Louis-Vuitton-Gepäck auftaucht. Vor einem Kofferberg ist zum Beispiel Victoria Beckham in hausfraulicher Haltung mit Stickrahmen abgebildet: Sie stickt mit rotem Garn den Namen »David«, was sonst. Nicht alle Promis, die er male, seien begeistert vom Ergebnis, sagt Heiner Meyer, nennt als Beispiel Paris Hilton: »Sie war entsetzt über ihre Lippen im Bild, die praktisch nur aus Gloss bestehen.«

Meyer gibt den Gepäckstücken ein zweites Leben und hinterfragt den schönen Schein der Dinge. Nächste Station der Ausstellung: Düsseldorf. Premiere sollte aber auf jeden Fall in seiner Heimatstadt sein, so Meyer.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6451206?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Polizei: Keine Hoffnung mehr für vermisste 26-Jährige
Der Schluchtensteig: Hier war die Bad Lippspringerin wandern. Foto: Schluchtensteig Schwarzwald
Nachrichten-Ticker