Matze Knop stellt im Lokschuppen seinen eigenen Alternativstaat vor
Knittrig in Utopia

Bielefeld (WB). Irgendwo zwischen der Krawuttke-Bay, dem Mount Klopporest und dem Puerto de la Richie liegt Matze Knops sagenumworbenes Land. Dort gibt es nur zwei Brotsorten (»Das da!« und »Das daneben!«), keine einzige Autobahnbaustelle und statt einer Zwei-Klassen-Gesellschaft von privat und gesetzlich Versicherten ein Patientenglücksrad als Gesundheitssystem.

Dienstag, 05.03.2019, 20:00 Uhr
Schlagfertiger Verwandlungskünstler: Matze Knop im Lokschuppen Foto: Oliver Schwabe

»Es liegt einiges im Argen«, hat Matze Knop schon vor längerer Zeit festgestellt und Deutschland den Rücken gekehrt. Mit einem filmischen Intro über die Reise in sein persönliches Utopia – Matzeknopien – bereitete der Comedian die mehr als 300 Besucher bei seinem Auftritt im Lokschuppen auf das vor ihnen Liegende vor. Und das bestand zunächst aus einem Matze Knop, der in einer Jacke, die entweder ein »Glööckler Business Anzug« oder ein Kaminvorleger ist, mit Langhaarperücke und Bart als Reinhold-Messner-Doppelgänger die Bühne betritt.

Doch schnell verwandelt sich der 44-Jährige dank Schnellrasur zurück, schließlich braucht er noch genügend Spielfläche und Platz auf seinem Kopf für weitere Parodien. Die macht er mal live mit falsch herum aufgesetzter Jogi-Löw-Perücke, mal in Form von Einspielfilmchen, die ihn als Christiano Ronaldo in Turin, Donald Trump in einer Pressekonferenz oder als fiktiven Aussteiger Hartmut auf Gran Canaria zeigen.

»Willkommen in Matze­knopien«

Auch die Figur, die Matze Knop einst zu Bekanntheit verhalf, darf nicht fehlen im aktuellen Programm »Willkommen in Matze­knopien – Ich mach’s jetzt selbst«. Die Comedy-Figur »Supa Richie« glänzt zwar immer noch durch grammatikalische Gleichgültigkeit, ansonsten ist der Lack allerdings ab beim Proleten, der ein wenig in den 1990er Jahren stecken geblieben ist. Nicht nur die Figur ist in die Jahre gekommen, auch Matze Knop ist nicht mehr der Berufsjugendliche von einst. Herrlicherweise nimmt er diese Tatsache selbst aufs Korn, mit Hilfe eines eingespielten Kommentars von Per Mertesacker: »Matze Knop muss dringend in die Eistonne, dann sieht er auch nicht mehr so knittrig aus.«

Eventuell blüht Matze Knop bald aber von selbst auf, wenn er in seinem paradiesischen Inselstaat Matzeknopien zur Ruhe kommt. Denn in Deutschland ist es ihm zu unsicher, vor allem aufgrund der politischen Lage. »Der einzige, der noch geschlossen hinter Angela Merkel steht, ist der Berliner Flughafen«, erklärt der Comedian.

»Das beliebteste Auswanderungsland der Deutschen ist Österreich.«

Der allgemeinen Tendenz der Auswanderer wolle er sich trotzdem nicht anschließen: »Das beliebteste Auswanderungsland der Deutschen ist Österreich. Daran erkennst du wie groß das Leid da draußen sein muss, wenn man freiwillig Mettbrötchen gegen Blunzngröstel eintauscht.« Also musste zwingend die Gründung eines eigenen Staates erfolgen, fernab von Deutschland, wo inzwischen italienische Verhältnisse herrschen, wo das Wetter zu warm, die Politiker zu unfähig und der Fußball zu schlecht ist.

Apropos Fußball – kurz vor seinem Auftritt unternahm Matze Knop noch einen Abstecher zur Alm, schließlich ist dem gebürtigen Lippstädter (»Lippstadt ist im Prinzip wie Bielefeld. Nur ohne Menschen«) trotz seines neuen Wohnsitzes in Matzeknopien Ostwestfalen noch immer nah. Genau wie sein Publikum, das er zu dessen Begeisterung immer wieder gerne spontan insein Programm mit einbezieht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6447450?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Brandsatz vor Tönnies-Villa: Paar festgenommen
An dieser Zufahrt zum Anwesen der Familie Tönnies wurden die verdächtigen Gegenstände gefunden. Foto: Christian Althoff
Nachrichten-Ticker