Neue Webcams zeigen Brutgeschäft im Nistkasten an der Müllverbrennungsanlage
Direkter Blick ins Nest der Wanderfalken

Bielefeld (WB). Viel höher hinaus geht es in Bielefeld kaum: in 100 Metern Höhe liegt der Nistkasten für Wanderfalken, der an einem der Schornsteine der Müllverbrennungsanlage (MVA) befestigt ist. Dennoch lässt sich das Brutgeschäft der seltenen Vogelart dort nun genau beobachten. In dieser Saison hat die MVA erstmals zwei Webcams installiert, die alle 60 Sekunden neue Bilder liefern.

Dienstag, 05.03.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 19:06 Uhr
Seit Montag liegt das erste Ei in dem Schotterbett, mit dem das Nest ausgekleidet ist, zeigt diese Aufnahme der Webcam. Foto: Ulrike Bollrath/Interargem

Und die zeigen, dass es in diesem Jahr erneut Nachwuchs an dem luftigen Standort geben könnte. In dem Nest ist seit gestern das erste Ei zu erkennen. »Zwei Mitarbeiter der MVA-Werkstatt haben im Januar die Webcams installiert – so rechtzeitig, dass die Falken bei ihrem Wiedereinzug nicht gestört wurden«, bestätigt MVA-Sprecherin Birgit Jahnke auf Anfrage.

Die Idee, die Kameras anzubringen, sei durch das Interesse von Gästen der MVA entstanden. »Bei Führungen haben Besucher immer wieder mit Begeisterung die um die Schornsteine fliegenden Falken beobachtet«, so Jahnke.

Dass der Nistkasten an den Schornsteinen der MVA am Schelpmilser Weg angebracht wurde, geht auf eine Initiative des Naturschutzbundes (NABU) zurück. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, die bedrohte Vogelart wieder in der Region anzusiedeln. In Kooperation mit dem NABU hatten Auszubildende der MVA dann den Wanderfalken-Nistkasten gebaut und auf der obersten Arbeitsplattform an den drei Schornsteinen angebracht.

Heftiger Sturm beschädigte 2014 die Brutkiste

Und schon nach kurzer Zeit stieß die Behausung auf Interesse – allerdings zunächst bei einem Pärchen Turmfalken. Im Frühjahr 2006 ließ sich dann erstmals einen Wanderfalken-Pärchen dort nieder, »und im Mai des Jahres wurden dann auch drei Jungvögel beobachtet«, berichtet Birgit Jahnke.

Im folgenden Jahr konnten dann allerdings erneut Turmfalken den offensichtlich beliebten Brutplatz erobern, bis schließlich 2012 wieder Wanderfalken den Nistkasten in Beschlag nahmen. Mitglieder der »Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz NRW« des NABU entdeckten zwei gesunde weibliche Jungtiere, die untersucht und beringt wurden.

Einen Rückschlag gab es dann 2014: Ein heftiger Sturm beschädigte die Brutkiste so stark, dass sie abgebaut werden musste. Schon im Februar des Jahres installierten dann Techniker eine neu Nistmöglichkeit – dieses Mal mit Edelstahl ummantelt. »Schon während der Montage umkreisten Wanderfalken die Plattform, und als die Arbeiten beendet waren, inspizierten sie sofort die Kiste«, erzählt Birgit Jahnke.

Bis heute mehr als 20 Jungfalken großgezogen

Obwohl es 2014 keinen Nachwuchs gab, kehrt das Wanderfalkenpärchen seitdem in jedem Jahr zum Brüten zum Brüten zurück und hat bis heute mehr als 20 Jungfalken großgezogen, die allesamt durch den NABU beringt wurden.

Deshalb hoffen die Verantwortlichen der MVA, dass dies auch in diesem Jahr gelingt – vor allem, weil das Geschehen in dem Nest nun fast live und hautnah für alle Interessierten zu verfolgen ist. Zu sehen sind die Bilder der beiden Webcams hier.

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