Diebe nutzen Anonymität aus – Schäden in Millionenhöhe
Auf Diebestour im Krankenhaus

Bielefeld (dpa/WB/jmg). Es ist eine Schreckensvorstellung: Man liegt im Krankenhaus und wird dort auch noch bestohlen. Doch viele Kranke machen diese leidvolle Erfahrung. Können die Kliniken Abhilfe schaffen?

Montag, 04.03.2019, 03:00 Uhr
Begehrtes Diebesgut: medizinische Geräte. Foto: dpa

Ob Geldbörsen, Handys, Endoskopie-Geräte oder Topfpflanzen – in deutschen Krankenhäusern wird gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Langfinger nutzen die Anonymität in den oft ausgedehnten Gebäudekomplexen aus – und die Wehrlosigkeit von Patienten. Der jährliche Schaden geht in die Millionen. Die Krankenhäuser haben begrenzte Möglichkeiten, dem Unwesen Einhalt zu gebieten: Sie müssen den Spagat üben zwischen Offenheit für die Besucher der Kranken und deren Sicherheit. Der Patientenverband mahnt allerdings schärfere Eingangskontrollen an.

Zwar gibt es keine bundesweite Statistik, doch welches Ausmaß die Straftaten erreichen, zeigen Ländererhebungen. Die neuesten Zahlen sind aus dem Jahr 2017. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden zum Beispiel laut Landeskriminalamt (LKA) fast 6500 Diebstahlsfälle mit einem Schaden von 3,5 Millionen Euro in Krankenhäusern registriert. Ein Negativ-Rekord war im Jahr davor mit einem Schaden von 8,2 Millionen Euro erreicht worden, bei nur leicht höherer Fallzahl. Zum Vergleich: 2011 wurde infolge von 4715 Diebstählen ein Schaden von nahezu zwei Millionen angerichtet.

Einbruch in Rosenhöhe

In Bielefeld waren vor einigen Wochen Unbekannte ins städtische Klinikum Rosenhöhe eingebrochen. Dort wurden zwölf Endoskopie-Geräte gestohlen, wie Sprecher Axel Dittmar erklärt. Der Schaden soll im hohen fünftstel­ligen Bereich liegen.

Auch in hessischen Krankenhäusern kommt einiges abhanden: 2017 etwa neben Schmuck, Bekleidung und einem Regenschirm auch Tiefkühlkost und ein Brettspiel. Schaden: knapp 1,8 Millionen Euro. Die Aufklärungsquote bei den 1836 Fällen lag bei 16 Prozent. Auch ein Hund gehörte zum registrierten Diebesgut.

Die Krankenhäuser tun sich im Allgemeinen schwer gegenzusteuern. »Krankenhäuser sind große Komplexe mit unkontrolliertem Zugang«, sagt LKA-Sprecher Frank Scheulen aus Düsseldorf. Für Diebe sei es einfach, auf die Stationen zu kommen und Schubläden und Schränke in leeren Zimmern zu durchwühlen. Deshalb sollten Patienten zumindest vorhandene Schließfächer nutzen.

Pfleger sensibilisiert

Auch Pfleger seien inzwischen für die Problematik sensibilisiert, sagt Lothar Kratz, Sprecher der Krankenhausgesellschaft NRW. Es sei aber schwierig, den Überblick zu behalten. »Wir haben in NRW rund 4,6 Millionen Patienten jährlich in Krankenhäusern. Wenn jeder von ihnen auch von zwei oder drei Menschen Besuch bekommt, dann sind drei Viertel aller Bewohner NRWs einmal pro Jahr im Krankenhaus.«

Klinikum-Sprecher Axel Dittmar: »Wir empfehlen den Patienten, keine Wertsachen mit ins Krankenhaus zu bringen.« In einem großen Haus wie zum Beispiel dem Klinikum Mitte in Bielefeld könne man nicht alles immer im Blick haben. Die Stationen würden allerdings nach und nach mit Tresoren ausgestattet.

Der Allgemeine Patientenverband wünscht sich schärfere Kontrollen in den Eingangsbereichen von Kliniken. Dort müssten sich Besucher anmelden und sagen, wen sie auf welcher Station besuchen wollten und sich gegebenenfalls ausweisen. »Nicht jeder sollte direkt in eine Klinik hineinspazieren können«, sagt Verbandspräsident Christian Zimmermann. Mit elektronischer Datenverarbeitung lasse sich leicht abschätzen, ob der Besucher lautere Absichten habe.

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