Die MVA in Bielefeld investiert 50 Millionen in Verbrennungsanlage
Schlammfrage ist geklärt

Bielefeld (WB). »Das ist ein Meilenstein«, sagt Rainer Müller, Geschäftsführer von Stadtwerken und Müllverbrennungsanlage (MVA). Er meint das Einreichen des Genehmigungsantrags zum Bau einer Klärschlamm-Verbrennungsanlage auf dem MVA-Gelände in der kommenden Woche.

Sonntag, 03.03.2019, 13:20 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 13:42 Uhr
Rainer Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke und der MVA, steht vor dem Areal, auf dem die Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage errichtet werden soll, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Foto: Bernhard Pierel

Müller rechnet mit einer Entscheidung der Bezirksregierung in diesem Jahr. Gebaut und damit rund 50 Millionen Euro investiert – würde aber erst dann, wenn die Klärschlamm-Kooperation OWL den Auftrag erteile. In dem Verbund haben sich 70 Städte, Gemeinden und kommunale Betriebe zusammengeschlossen.

Anlass für die Gründung der Kooperation: die Suche nach einer Lösung für die Klärschlammverwertung. Der Einsatz der Klärwerke-Rückstände als Dünger in der Landwirtschaft ist ab 2030 untersagt, um die Böden nicht mit Rückständen etwa aus Arzneimitteln oder Metallen zu belasten. Für das Mitverbrennen in Kohlekraftwerken gebe es immer weniger Kapazitäten, weil diese nach und nach stillgelegt würden, sagt Müller.

Deutschlandweit 30 Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen

Die Zukunft: die MVA mit der künftigen Klärschlammverbrennung. Das in der Animation zu sehende rechte Gebäude hat eine Höhe von 20 Metern. ­

Die Zukunft: die MVA mit der künftigen Klärschlammverbrennung. Das in der Animation zu sehende rechte Gebäude hat eine Höhe von 20 Metern. ­ Foto: Interargem

Deutschlandweit gebe es 30 Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen mit einer Kapazität von 600.000 Tonnen Trockenschlamm, aber keine in Ostwestfalen-Lippe. Weite Transporte wolle man vermeiden, stattdessen die Entsorgungssicherheit in der Region gewährleisten.

Die geplante Anlage könne bis zu 35.000 Tonnen getrockneten Klärschlamm entsorgen (Anliefermenge: 140.000 Tonnen, zu 25 Prozent vorentwässert). In OWL würden etwa 48.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr (Trockensubstanz) anfallen. Müller sagt, dass 30 zusätzliche Lkw-Transporte pro Tag anfielen. Heute fahren die MVA 200 Lkw täglich an.

Rauchgasreinigung

Das Besondere an dem Projekt: dass dafür die Reserven der achtstufigen Rauchgasreinigung genutzt werden können. Das hätten mehrere Gutachten bestätigt. Müller: »Genutzt wird vorhandene Infrastruktur, eingesetzt wird erprobte Technik«. Durch die Klärschlammverbrennung werde zudem zusätzliche Energie erzeugt und ins Netz eingespeist (Fernwärme, Strom). Bei Entsorgungskosten von rund 80 Euro pro Tonne Klärschlamm müssten, davon ist Müller überzeugt, die kommunalen Abwassergebühren nicht erhöht werden.

Die sogenannte Änderungsgenehmigung der MVA sehe Öffentlichkeitsbeteiligung mit Erörterungstermin vor. Die Pläne würden im April und Mai ausgelegt, einen Bürgerdialog in Baumheide und Heepen werde es ebenfalls geben. (Infos online unter www.interargem.de). Müller: »Wir wollen sagen, was wir vorhaben.«

Das neue Gebäude würde 20 Meter hoch. Bauzeit: 2020 bis 2023. Ein Recycling der Rückstände, der Monoasche, wäre ebenfalls denkbar: mit einer Anlage auf den heutigen Parkplätzen.

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