Am Standort Sportmühle könnte ein Vollsortimenter entstehen – Edeka ist interessiert
Mehr Platz für Einzelhandel in Ummeln

Bielefeld (WB). Die zentrale Einkaufsmeile in Ummeln ist aus Sicht der städtischen Planer zu klein, ein neues Areal für großflächigen Einzelhandel soll her: Dort, wo jetzt die Sportmühle steht, könnte demnach in Zukunft ein Edeka-Markt seine Tore öffnen.

Sonntag, 03.03.2019, 12:00 Uhr
Die Planer wollen den Standort der Sportmühle neben dem Lidl-Markt ins Zentrenkonzept für Ummeln aufnehmen, um dort großflächigen Einzelhandel zu ermöglichen. Brackwedes Bezirksvertretung hat dem bereits zugestimmt. Foto: Peter Bollig

Es zeige sich ein dringender Handlungsbedarf in Ummeln, sagen die Fachleute vom Planungsbüro Junker und Kruse, die das Einzelhandels- und Zentrenkonzept für ganz Bielefeld überarbeiten und über das am Donnerstagabend die Brackweder Bezirksvertreter für ihren Stadtbezirk abgestimmt haben.

Die Einkaufsmeile in Ummeln, in deren Einzugsbereich rund 6500 Menschen aus Ummeln und Holtkamp leben, schöpfe in der Warengruppe Nahrungs- und Genussmittel nur 20 Prozent der lokalen Kaufkraft ab. Damit habe es über den Nahbereich hinaus fast keine Versorgungsbedeutung. Im wesentlichen übernimmt der Lidl-Discountmarkt an der Kasseler Straße und der Markant an der Föhrenstraße diese Versorgungsfunktion, dazu kommen einige kleinere Läden wie eine Bäckerei und eine Fleischerei.

Der Markant sei als einziger Vollversorger eigentlich zu klein, habe aber keine Möglichkeit, sich auszudehnen. »Es fehlen Entwicklungsmöglichkeiten in Ummeln, und Vollsortimenter brauchen heute mehr Fläche«, sagten die Planer in der Sitzung. Potenzial sehen sie auch angesichts der erwarteten Verkehrsberuhigung im Zentrum nach dem Bau der geplanten Ortsumgehung.

»Wir haben nach wie vor Interesse an der Entwicklung eines Standortes«

In einem ersten Entwurf hatten sie als Standort für großflächigen Handel die Wiese im Dreieck zwischen Queller und Gütersloher Straße ins Auge gefasst, weil sie von vorhandenen Siedlungsbereichen fußläufig erreichbar sei und sich auf der gleichen Seite der Gütersloher Straße befinde wie die gewachsenen Strukturen des Ortskerns. Allerdings erwarteten die Fachleute auch »Restriktionen«, offenbar auch wegen des Flächenverbrauchs.

Den gibt es auf der jetzt stattdessen bevorzugten Fläche – direkt gegenüber auf der anderen Seite der Gütersloher Straße – nicht: Im aktuellen Entwurf erfasst das neue Zentrenkonzept jetzt das Grundstück der Sportmühle und des benachbarten Bowlingcenters als möglichen Standort eines neuen Vollsortimenters. Diese Idee geht auf einen Antrag der Handelsgesellschaft Edeka zurück, die damit ein Areal direkt neben dem bestehenden Lidl-Markt ins Spiel gebracht hat. Auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage bestätigte Edeka Rhein-Ruhr: »Wir haben nach wie vor Interesse an der Entwicklung eines Standortes im Bereich Kasseler/Gütersloher Straße«, man arbeite an der Weiterentwicklung. Nähere Details zu den Pläne wolle man derzeit nicht mitteilen.

Michael Rodschinka, Eigentümer des Grundstücks und der Sportmühle, sagte auf Anfrage, es sei nichts konkret geplant. Das Fitnessstudio mit Hallen für Tischtennis, Badminton und Squash werde weiter betrieben. Er bezeichnete die Planung der Stadt als »Absichtserklärung«, aus seiner Sicht werde sich auf Jahre hin am Standort nichts ändern.

Gehring-Bunte will erweitern

Brackwedes Politiker stimmten dem Zentrenkonzept mit Blick auf Ummeln ebenso zu wie einer Erweiterung in Quelle. Dort soll sich an der Carl-Severing-Straße der bestehende Aldi erweitern und ein Lidl in der Nähe der Kreuzung Café Sport neu ansiedeln können. Abschließend wird der Rat darüber entscheiden.

Dass das Areal der Sportmühle überplant wird anstelle der ursprünglich ins Auge gefassten Grünfläche gegenüber ist aus Plaßmanns Sicht »nachvollziehbar«: Wenn sich dort ein Vollsortimenter ansiedeln würde, entstünde ein durchgängiges Gebiet – nicht nur mit dem benachbarten Lidl, sondern mit dem neuen Betriebsgrundstück des Getränkeherstellers Gehring-Bunte.

Gehring-Bunte will auf dem Acker zwischen Kasseler Straße und A33 entlang der Gütersloher Straße einen zweiten Betriebsstandort mit Produktionsanlagen, Lagerhallen und Lagerflächen sowie Verwaltungsräume realisieren. Im Jahr 2015 hatte die Bielefelder Politik dazu einen Aufstellungsbeschluss gefasst, die Arbeiten am Bebauungsplan laufen noch.

Brackwedes Stadtpark bleibt für den Einzelhandel tabu

Auf heftige Kritik bei den Brackweder Bezirkspolitikern stieß der Vorschlag der Planer, den Brackweder Stadtpark samt Rollschuhbahn und Spielplatz zumindest in Teilen einer Bebauung mit einem Discounter oder Vollsortimenter zu opfern . Das Büro Junker und Kruse hatte dort Potenzial gesehen, eine neue Fläche anzubieten, nachdem der Rewe vor einigen Jahren seinen Standort an der Bodelschwinghstraße/Ecke Hauptstraße aufgegeben hatte. Dieser neue Standort könnte zugleich die Treppenstraße nach einigen Geschäftsschließungen wieder stärken – als Verbindung zwischen der Hauptstraße als Haupteinkaufsmeile und dem jetzigen Park.

Das Unverständnis von SPD-Fraktionschef Hans-Werner Plaßmann (»Da machen wir nicht mit«) und CDU-Chef Carsten Krumhöfner (»das ist erschütternd«) teilten die anderen Fraktionen. Für sie ist es unverständlich, dass ein Planer heutzutage überhaupt auf die Idee kommen könne, einen Park zugunsten einer Bebauung zu überplanen. Denkbar sei allenfalls eine Entwicklung auf dem benachbarten Marktplatz. Die Bezirksvertretung lehnte das Einzelhandels- und Zentrenkonzept hinsichtlich der Erweiterung auf den Stadtpark denn auch einstimmig ab.

 

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