Ökumenisches Netzwerk zieht Bilanz nach 25 Jahren – »Für uns ist das Seelsorge« – Feier am Sonntag
116 Flüchtlinge im Bielefelder Kirchenasyl

Bielefeld (WB). Eine Frau aus Somalia und ihre beiden Kinder, eine Nigerianerin, ein Türke und ein Eritreer leben derzeit im Kirchenasyl in Bielefeld. Es sind sechs von insgesamt 116 Flüchtlingen, die das ökumenische Netzwerk Kirchenasyl Bielefeld bislang betreut hat. An diesem Sonntag feiert das Netzwerk sein 25-jähriges Bestehen.

Samstag, 02.03.2019, 15:00 Uhr
Pfarrer Joachim Poggenklaß (rechts) gehört zu den Wegbereitern des Ökumenischen Netzwerks Kirchenasyl Bielefeld. Unterstützt wird er von Sozialpfarrer Matthias Blomeier. Foto: Stefan Biestmann

»Wir konnten durch das Kirchenasyl viele Menschen vor einer Abschiebung bewahren, die in Leid und Elend gemündet hätte«, sagt Joachim Poggenklaß, Pfarrer im Ruhestand und Initiator des Netzwerks. Denn in vielen Ländern drohe Flüchtlingen weiter Gewalt oder Obdachlosigkeit – oder sie würden zur Prostitution gezwungen.

Beim Kirchenasyl werden Flüchtlinge ohne legalen Aufenthaltsstatus von Kirchengemeinden zeitweise beherbergt. »Die Verweildauer der Flüchtlinge beträgt in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten«, berichtet Poggenklaß.

Ziel sei es, in Härtefällen eine drohende Abschiebung zu verhindern oder zumindest eine erneute Prüfung des Falles zu erreichen. »Wir prüfen bei jedem Flüchtling, ob bei einer Abschiebung eine Gefahr für Leib und Leben besteht«, betont Poggenklaß. Und so müssen viele der derzeit etwa zehn wöchentlichen telefonischen Anfragen für Kirchenasyl negativ beschieden werden.

»Das Kirchenasyl gewährt eine Atempause«

»Das Kirchenasyl gewährt eine Atempause, aber keinen rechtsfreien Raum«, betont der evangelische Sozialpfarrer Matthias Blomeier. »Jedes Kirchenasyl ist sorgfältig geprüft und verantwortlich abgewogen – und immer eine Einzelfallentscheidung.« Deswegen kritisieren er und Poggenklaß auch, dass die Innenministerkonferenz im Jahr 2018 die Bedingungen für das Kirchenasyl verschärft haben.

So kann die Überstellungsfrist von Flüchtlingen von sechs auf 18 Monate verlängert werden, wenn die Gemeinden bestimmte Vorgaben nicht einhalten. »Die Verschärfungen schmerzen uns«, sagt Blomeier. Er weist darauf hin, dass die Behörden über die Menschen im Kirchenasyl immer informiert seien und die Flüchtlinge über eine ladungsfähige Anschrift auch erreicht werden können.

Auch die Kritik daran, dass viele Gemeinden den Behörden nicht wie vereinbart ein Härtefall-Dossier zur Verfügung stellen, treffe auf Bielefeld nicht zu. »Wir erstellen in jedem Fall ein Härtefall-Dossier«, betont Poggenklaß. Auch wenn die Erfolgsaussichten für Härtefälle mittlerweile stark gesunken seien.

»Wir schöpfen alle Möglichkeiten des Rechtsstaats aus«

»Wir stellen nicht den Staat und seine Organe in Frage, sondern schöpfen alle Möglichkeiten des Rechtsstaats aus«, betont auch Blomeier. Etwa 530 Fälle von Kirchenasyl gebe es derzeit bundesweit – insgesamt 850 Menschen, darunter 190 Kinder.

Nicht alle Fälle von Kirchenasyl seien Erfolgsgeschichten, sagt auch Uwe Moggert-Seils, Sprecher des Kirchenkreises Bielefeld. So gab ein Mann aus Nigeria im Bielefelder Kirchenasyl vorzeitig auf. Aber es gebe auch viele schöne Erinnerungen. So brachte im Oktober 2018 eine Somalierin im Kirchenasyl ein Mädchen zur Welt. Andere Flüchtlinge fanden neue Perspektiven – zum Beispiel ein Somalier, der an diesem Wochenende über seine Zeit im Kirchenasyl berichtet. Denn das Ökumenische Netzwerk feiert an diesem Sonntag um 10.30 Uhr in der Matthäuskirche am Brodhagen mit einem Gottesdienst das 25-jährige Bestehen.

»Wir haben unser Netzwerk innerhalb der Kirche und nach außen immer weiter entwickelt«, bilanziert Pfarrer Poggenklaß. »Für uns ist das Seelsorge.«

Das Ökumenische Netzwerk in Zahlen

Kirchenasyl gibt es in Deutschland seit den 80er Jahren. In Bielefeld gründete sich Ende der 80er ein Arbeitskreis Flüchtlingshilfe. Aus diesem entstand schließlich am 26. Januar 1994 das »Ökumenische Netzwerk Bielefeld zum Schutz von Flüchtlingen« – zunächst mit acht Mitgliedsgemeinden.

Das Netzwerk ist im Sozialpfarramt des Evangelischen Kirchenkreises Bielefeld angesiedelt. Es finanziert sich aus Spenden, Kollekten sowie Mitgliedsbeiträgen der Gemeinden. Das Netzwerk arbeitet mit Initiativen wie dem Arbeitskreis Asyl, Amnesty International, Anwälten, Ärzten und Diakonischen Werken zusammen. Mehr als 20 Ehrenamtliche engagieren sich.

Dies sind die 32 Mitgliedsgemeinden und -gemeinschaften: Christengemeinschaft, Evangelisch-freikirchliche Gemeinde, evangelisch-methodistische Gemeinde, evangelische Studierendengemeinde der Uni, Diakonische Gemeinschaft Nazareth, Reformierte Gemeinde, Evangelische Jugend, katholische Gemeinde St. Johannes Baptist Schildesche sowie die evangelischen Gemeinden Altenhagen, Babenhausen, Bartholomäus, Brake, Dietrich-Bonhoeffer, Schildesche, Lydia, Heepen, Hoberge-Uerentrup, Jöllenbeck, Johannes, Lydia, Markus, Martini, Oldentrup, Petri, Schröttinghausen, Stieghorst-Hillegossen, Senne-Emmaus, Spenge, Theesen, Ubbedissen, Ummeln und Vilsendorf.

 

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