Lokale sollen in Bielefeld Sanitäranlagen öffentlich machen und erhalten Prämie
»Nette Toilette«: Resonanz der Wirte mangelhaft

Bielefeld (WB). Das Geld ist da, es fehlen aber die Gastronomen, die mitmachen wollen. So bringt Bernd Hellermann (Amt für Verkehr) auf den Punkt, wie es steht um die »Nette Toilette«.

Freitag, 01.03.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 12:50 Uhr
Kostenfrei nicht nur für Gäste: In Bielefeld haben sich bislang erst drei Gastronomen zum Mitmachen bereit erklärt. Foto: dpa

Die ist bundesweit eine Marke, rund 150 Städte machen mit, in Bielefeld allerdings hakt es. Ziel: das Netz öffentlich zu nutzender Toiletten enger zu knüpfen. Gaststätten sollen per Aufkleber signalisieren, dass Menschen ihre betriebseigenen Toiletten im Falle eines Falles nutzen können, ohne dass sie dazu gleichzeitig auch etwas konsumieren müssten.

Hotel- und Gaststättenverband und Seniorenrat haben Gastronomiebetriebe in der Innenstadt und in den Bezirken angesprochen, nach deren Bereitschaft gefragt, sich am Projekt »Nette Toilette« zu beteiligen. Nicht umsonst: Die Stadt als potenzieller Vertragspartner zahlt Gastronomiebetrieben, die mitmachen, 100 Euro pro Monat für die (zusätzliche) Reinigung. Bernd Hellermann: »60.000 Euro stehen im laufenden Haushaltsjahr zur Verfügung, 50 Lokale können sich also anschließen.«

Allerdings: Erst drei haben ihre Bereitschaft dazu erklärt. Zur Enttäuschung von Dr. Wolfgang Aubke, dem Vorsitzenden des Seniorenrates; auf Initiative des Gremiums wurde das Projekt, das es bereits ab 2009 unter dem Namen »Freundliche Toilette« gab, wiederbelebt.

Infrastruktur öffentlicher WCs

Die »Freundliche Toilette« als Gemeinschaftsaktion von Hotel- und Gaststättenverband und Stadt, zuletzt ausgestattet mit 14.000 Euro, wurde Ende 2013 eingestellt. Die Stadt stand unter Haushaltssicherung, freiwillige Leistungen wie die »Freundliche Toilette« hätten von der Bezirksregierung aufwändig genehmigt werden müssen.

Der Seniorenrat hat seit 2016 daran gearbeitet, eine Infrastruktur öffentlicher WCs aufzubauen. Jetzt, finanziell und politisch am Ziel, fehle die Resonanz der Gastronomen. Weder in der Innenstadt noch in den Stadtbezirken gebe es auch nur annähernd ausreichend öffentliche Toiletten, die kostenlos benutzt werden könnten.

Andreas Büscher, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, und Hauptgeschäftsführerin Regine Tönsing sind überzeugt, dass die allermeisten Gastronomen in Bielefeld bereit sind, ihre Sanitäranlagen auch von Passanten nutzen zu lassen, wissen aber auch, dass der ein oder andere sich einfach nicht traut, in die nächste Gaststätte zu gehen, um nur seinem Bedürfnis nachzukommen.

Beschilderung als Signal

Deshalb sei die Beschilderung »Nette Toilette« ein Signal, dass, so Büscher, »Menschen, die nett fragen, auch willkommen sind, ohne dass sie etwas bestellen«. Büscher und Tönsing sind zuversichtlich, dass sich weitere Gastronomen der »Netten Toilette« anschließen werden. Hellermann verspricht, dass die Stadt bei rechtlichen Fragen, die sich auftun könnten, mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. 150 deutsche Städte haben wie Bielefeld ein Nutzungsrecht an der Marke »Nette Toilette« (einmalig: 3000 Euro) erworben. Dafür gibt es nicht nur die Aufkleber, sondern auch eine App, die anzeigt, wo die nächste »Nette Toilette« ist, außerdem Infos online.

Aubke sieht in der Versorgung mit öffentlichen Toiletten eine Verpflichtung der Stadtgesellschaft. Er bedauert, dass es zum Beispiel keine ausreichende Beschilderung für Ortsfremde zu öffentlichen Toiletten, die kostenlos zu nutzen sind, gebe. Der Seniorenrat setze sich außerdem dafür ein, dass an den Endhaltestellen der Stadtbahnen beziehungsweise besucherstarken Umsteigepunkten öffentliche Toiletten eingerichtet werden. Aubke: »Das wäre im Prinzip einfach: wenn man nämlich die vorhandenen Betriebstoiletten für die Fahrer für die Allgemeinheit öffnen würde.«

Zerstörung am Kesselbrink

Aubke weiß auch, wie aufwändig und teuer der Betrieb öffentlicher Toiletten ist. So sei die am Johannisberg am Besucherinformationszentrum eine Woche nach Eröffnung komplett zerstört worden; die Instandsetzung kostete 30.000 Euro. Nachdem die öffentlichen Toiletten am Kesselbrink (»Grüner Würfel«) mutwillig verwüstet worden seien, habe die Stadt dort bis zu 70.000 Euro investieren müssen.

Regine Tönsing appelliert an Bielefelds Gastronomen, ihren Betrieb für die »Nette Toilette« zu melden. Sie wisse, dass die Wirte »serviceorientiert« seien. Bernd Hellermann betont, dass der Aufkleber »Nette Toilette« keinen »Freibrief« bedeute: »Der Gastronom hat in jedem Fall das Hausrecht, kann den Zugang zu seinen Sanitäranlagen auch verwehren.«

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