Taekwondo: Songokus-Kämpfer Cem Ünlüsoy startet bei US Open in Las Vegas »Ich will was reißen«

Bielefeld (jm). Las Vegas Convention Center, Paradise Road: Dort beginnen heute die US Open im Taekwondo. Mittendrin: Cem Ünlüsoy (Songokus Bielefeld), Deutschlands Nummer eins in der Königsklasse +87 Kilogramm. Der 24-jährige Sportsoldat ist bei dem Spektakel in Nevada, das mit mehr als 2000 Aktiven zu den größten Turnieren auf dem Globus zählt, für das Wettkampfteam der Nordrhein-Westfälischen Taekwondo-Union (NWTU) gemeldet.

Im Anflug auf die Weltmeisterschaft: Taekwondo-Ass Cem Ünlüsoy, der bei den Turkish Open erst am Olympiasieger scheiterte, kämpft von heute an bei den US Open in Las Vegas im Schwergewicht.
Im Anflug auf die Weltmeisterschaft: Taekwondo-Ass Cem Ünlüsoy, der bei den Turkish Open erst am Olympiasieger scheiterte, kämpft von heute an bei den US Open in Las Vegas im Schwergewicht. Foto: Carsten Welzel

Cem Ünlüsoy (»Eine große Nummer. Ich will mich da beweisen«) ist gespannt, ober er seine vielversprechende Performance, die er kürzlich bei den 6. Turkish Open in Antalya ablieferte, toppen kann. Bei dem G1-Turnier im Ferienort war im Viertelfinale der amtierende Olympiasieger Radik Isaev (Aserbaidschan) Endstation. »Leider hat dessen Weste nicht so funktioniert. Ich hatte Treffer, doch die Weste hat einfach nicht ausgelöst. Sonst wäre der Sieg mein gewesen. Schade«, bedauerte Ünlüsoy den knappen Ausgang.

Jagd auf die Weltranglistenpunkte beginnt

Einerseits machte es ihn stolz, den Widersacher dermaßen geärgert zu haben. Das hat auch Chefbundestrainer Georg Streif so gewertet und die Entwicklung seines Schützlings gelobt. »Das hat mir ein gutes Gefühl geschenkt.« Andererseits war er aber auch traurig, dass der verdiente Lohn dafür ausblieb. »Sei’s drum. Der Run auf die Weltranglistenpunkte hat begonnen. Alle jagen danach, um für eine WM-Nominierung in Frage zu kommen.« So ist auch Ünlüsoys Terminkalender pickepackevoll. Am Mittwoch fliegt er aus Amerika zurück, um bei den Dutch Open in Eindhoven (9. März) und Belgian Open in Bommel (15. März) zu starten. Für die Deutschen Meisterschaften in Nürnberg (23. März) wird er wohl nicht melden – eine kurze Pause zum Auftanken ist ihm wichtiger. »Cem ist richtig gut drauf. Er will da auch keine Verletzung riskieren«, sagt Vater und Heimtrainer Ali Ünlüsoy. Die German Open in Hamburg, die der Bielefelder im vorigen Jahr in seiner Klasse gewinnen konnte, beschließen am 23. März den Reigen jener Wettbewerbe, die für eine WM-Nominierung herangezogen werden.

Trainingslager in Manchester

Im April absolviert die deutsche Nationalmannschaft noch ein Trainingslager im WM-Austragungsort Manchester. Da ist Streif abergläubisch. Denn schon 2017 hatte die Maßnahme dort gestochen, als sich Alexander Bachmann in Muju zum Weltmeister küren konnte. Cem Ünlüsoy will unbedingt bei der WM in der Manchester Arena (15. bis 19. Mai), Topturnier der Kategorie G12, dabei sein. Beseelt von einem starken Willen, blickt er zufrieden auf sein erstes Jahr in der neuen Gewichtklasse +87 Kilogramm zurück. Ausbeute: 17.625 Rankingpunkte. Das macht Cem Ünlüsoy stolz. »Ich habe mich gut hochgearbeitet und mir schon einen Namen in der Rangliste gemacht. Jetzt möchte ich was reißen und aufs Podium. Am liebsten natürlich auf die oberste Stufe. Dafür werde ich Vollgas geben!«

Nur 40 Athleten schaffen es zur Olympiade nach Tokio

Das Niveau im Taekwondo sei einfach unglaublich hoch, beteuert Georg Streif. Für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 qualifizieren sich lediglich 40 Athleten direkt über das olympische Ranking (Top fünf in der olympischen Gewichtsklasse). Bei der zurückliegenden WM in Muju waren knapp 1000 Athleten aus 178 Nationen am Start – da erscheint die Zahl 40 unglaublich klein. Alle anderen Athleten, die nicht unter den ersten Fünf sind, können sich über das jeweilige kontinentale Qualifikationsturnier (in Europa insgesamt 16 Athleten; die top Zwei jeder Gewichtsklasse) oder die Grand Slam Champions Serie (insgesamt acht Athleten) für Tokio qualifizieren. Eine enorme Auslese, die am Ende den Traum von Olympia für insgesamt 128 Athleten aus der Taekwondo-Welt wahr werden lässt.

Dafür wird Cem Ünlüsoy auch eine Prise Glück benötigen. Mehr als im Dezember 2018. Das Jahr hatte er in Rio de Janeiro beschlossen. Bei den Militär-Weltmeisterschaften konnte er bis ins Halbfinale vorstoßen, in dem er mit 5:13 gegen Rafail Aiukaev (Russische Förderation) chancenlos blieb. Den Kampf um Platz drei gegen Fraily Mora aus der Dominikanischen Republik verlor der 24-Jährige unglücklich mit 12:13.

Kommentare

vielen Dank für die Tolle Bericht.
Ich möchte mich auch hier bei Jörg ganz herzlichen bedanken für die jahrelang tolle zusammen Arbeit.
Schade dass mann nicht mehr bei WB über Sport lesen wird.
Alles gute.

1 Kommentare

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