Bielefelds Innenstadt ist aus Sicht ihrer Besucher attraktiver geworden
Feste und Lokale beflügeln den Handel

Bielefeld (WB). Die Bielefelder Innenstadt hat aus Sicht ihrer Besucher an Attraktivität weiter zugelegt. Vor allem die Erreichbarkeit, das Gastronomieangebot und Veranstaltungen beflügeln das Einkaufsvergnügen. Beim Angebot an Parkplätzen hapert’s allerdings.

Freitag, 08.02.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 09:02 Uhr
In einer aktuellen Umfrage zur Attraktivität geben Passanten der Bielefelder Innenstadt gute Noten. Foto: Bernhard Pierel/Archiv

Im Durchschnitt vergaben die Befragten die Schulnote 2,7 in puncto Attraktivität. Zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage »Vitale Innenstädte«, die das Institut für Handelsforschung aus Köln in 116 Städten durchgeführt hat. Industrie- und Handelskammer (IHK), Handelsverband OWL und Bielefeld Marketing, die die Befragung unter 453 Passanten in Bielefeld organisiert hatten, legten am Donnerstag die Ergebnisse vor. Demnach konnte das Oberzentrum die Bewertung nach den Befragungen von 2016 (Note 2,8) und 2014 (2,9) weiter aufpolieren.

»Bielefeld ist die Einkaufsstadt der Bielefelder und der Ostwestfalen«, sagt Harald Grefe, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, und spricht von einem »Trend, der Hoffnung macht«. Denn die Umfrage ist für die Akteure von Handel und Marketing vor allem angesichts der Konkurrenz aus dem Internet von Bedeutung. Denn immerhin 24,1 Prozent der an drei Tagen im September 2018 Befragten stellten klar, dass sie verstärkt online kaufen und daher seltener in die Innenstadt kommen. Allerdings machten vor zwei Jahren noch 28,7 Prozent diese Aussage. Somit ist die Zahl derjenigen gestiegen, die gar nicht oder gelegentlich online shoppen und die Innenstadt daher unverändert oft besuchen.

Grefe räumt allerdings ein, dass vergleichbare Städte im Durchschnitt die Attraktivitätsnote 2,5 erhalten haben. Dabei reiht sich Bielefeld ein in die Vergleichsgruppe von Städten zwischen 200.000 und 500.000 Einwohner, zu denen unter anderem Aachen, Chemnitz, Magdeburg, Mönchengladbach und Rostock gehören. Es ist vor allem dieser Vergleich, der die Umfrage aussagekräftig macht, findet Martin Knabenreich, Chef der Bielefeld Marketing. Bielefeld habe also noch Verbesserungsbedarf, sagt Grefe.

Was macht Bielefeld also attraktiv? Und was fehlt?

Sortiment

Mit Blick aufs Angebot in den Läden geben die Käufer gute Noten für Kosmetik- und Drogeriewaren, Uhren und Schmuck, Optiker, Bekleidung, Bücher und Schuhe. Weniger zufrieden sind sie mit dem Angebot an Lebensmitteln. Allerdings legten Bielefelds Händler bei der Benotung in allen Sparten zu oder erreichten zumindest die Umfragewerte von 2016. Gleichwohl lag Bielefeld nur im Angebot von Kosmetik- und Drogeriewaren, Uhren und Schmuck sowie dem Angebot der Optiker besser als der Durchschnitt der vergleichbaren Städte.

Erreichbarkeit

Bielefelds Einkaufsmeile punktet vor allem mit der guten Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Note 1,8). Aber auch die Anreise mit dem Auto wird mit 2,5 als gut bewertet. Nur wer am Ende in der City parken will, muss länger suchen: 3,0 gab’s für das Parkplatzangebot – eine der schlechtesten Bewertungen für die Bielefelder. Harald Grefe weiß: »Verkehr ist in Bielefeld politisch ein sensibles Thema.« Der Umfragewert für den ÖPNV sei gut, die Erreichbarkeit mit dem Auto wurde vor zwei Jahren aber noch besser bewertet als 2018. Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes, appelliert daher: »Die Innenstadt muss erreichbar bleiben.« Denn fast 30 Prozent des 2,1 Milliarden Euro großen Umsatzes kommt von Kunden aus dem Umland.

Laut Umfrage kommen 37 Prozent der Besucher mit dem ÖPNV, genauso viele mit dem Auto (2018 jeweils etwas weniger als 2016). Per Rad sind es 8,2 Prozent, 17,8 Prozent sind Fußgänger. Diese beiden Gruppen legten zuletzt zu.

Gastronomie

Die Möglichkeit, den Einkauf mit einem Besuch in der Gastronomie verbinden zu können, belohnen die Befragten mit der Note 2,0 (2016: 2,1). Und das, sagt Martin Knabenreich, »ist etwas, das der Onlinehandel nicht bieten kann«. Grefe bezeichnet die Gastronomie denn auch als eine der Stärken Bielefelds.

Lebendige Innenstadt

Was den Einkauf vor Ort vom Online-Shopping abhebt, sind eine lebendige Innenstadt, Veranstaltungen, die den Menschen – über das Angebot des Handels hinaus – einen Anlass geben, die Innenstadt zu besuchen. Bielefeld bekommt für dieses Angebot an Unterhaltung die Note 2,2. Martin Knabenreich sieht die Arbeit des Stadtmarketings damit bestätigt. Es sei relevant, Erlebnisse zu schaffen.

Wichtiges Standbein seien dabei auch die Sonntagsöffnungen, die durch die neue Verordnung bedroht sind. Thomas Kunz sieht die Landesregierung gefordert, die Vorschriften neu zu formulieren und eine klarerer Rechtslage für Veranstalter und Kommunen zu schaffen, die schwer sehen könnten, wann und wo Sonntagsöffnungen erlaubt werden können.

Die Ergebnisse der Umfrage für Bielefeld sind online bei der IHK abrufbar.

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