Die Brüder Peter und Hardy Rodermund helfen Straßenkindern in Brasilien
Nächstenliebe in Ummeln gelernt

Ummeln (WB). Ein Leben ohne Sorgen – das ist für die meisten Menschen in Brasilien eine Utopie. Dennoch hat sich das Hilfsprojekt Hakuna Matata (afrikanisch für »es gibt keine Schwierigkeiten«) genau das zur Aufgabe gemacht. Seit mehr als 25 Jahren engagiert es sich für Kinder und Jugendliche in Brasilien. Getragen wird das Projekt seit der ersten Stunde von zwei Brüdern aus Ummeln.

Donnerstag, 07.02.2019, 18:00 Uhr
Schule ist Pflicht für die Mädchen und Jungen, die ins Camp von Hakuna Matata kommen. Hardy Rodermund und sein Team sind auch für Nachhilfe zuständig. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist jedoch auch die Vermittlung von handwerklichen Fähigkeiten.

Während Hardy Rodermund in Ilheus etwa 1400 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt die jungen Brasilianer betreut, mit ihnen lernt und ihnen handwerkliches Rüstzeug beibringt, ist sein Bruder Peter Rodermund der Ansprechpartner in Deutschland und Vorsitzender des Vereins Deutschland-Brasilien-Hilfe (Debra). Er informiert regelmäßig die Spender, darunter viele Schulen, über Projekte und Fortschritte, stellt Spendenquittungen aus und verspricht: »Alle Spendengelder werden zu 100 Prozent zum Wohl der Straßenkinder eingesetzt.«

Peter (links) und Hardy Rodermund.

Peter (links) und Hardy Rodermund.

Dass das nicht selbstverständlich ist, damit hat das Brüderpaar eigene Erfahrungen gemacht. Als Hardy Rodermund vor 27 Jahren nach Brasilien ging und sich im Auftrag von Organisationen engagierte, konnte er sehen, dass in dem korrupten Land viel Geld die eigentlichen Adressaten gar nicht erreicht. Er gründete deshalb Hakuna Matata. 50 bis 60 Kinder werden dort betreut.

Mittlerweile kommen dorthin schon die Enkel der ersten Generation. Das Haus Hakuna Matata liegt im Elendsviertel. Die Kinder schlafen in ihrem Zuhause, haben jedoch in dem Camp eine feste Anlaufstelle. Sie erhalten Essen, Hilfe beim Lernen für die Schule und werden handwerklich angeleitet.

»Dort wird alles selbst gemacht«, erzählt Peter Rodermund, der einmal im Jahr nach Brasilien fährt, um seinen Bruder zu unterstützen. »Mauern ziehen, Elektroleitungen verlegen, Tischlerarbeiten oder Verputzen – alle Arbeiten werden selbst ausgeführt. So lernen die Kinder die Fertigkeiten und bekommen die Chance, sich einmal selbst zu ernähren«, berichtet Rodermund. Doch bis es soweit ist, ist der Schulbesuch Pflicht.

Pfarrer Franz Balsfulland war Vorbild

Die meisten Kinder kommen mit etwa sechs Jahren zu Hakuna Matata. Wenn sie 20 sind, können die meisten auf eigenen Beinen stehen. Dennoch bleiben viele dem Haus verbunden, bringen sich als Teamleiter ein und beschützen Hakuna Matata. »Ja, es hat auch schon bewaffnete Überfälle gegeben«, räumt Peter Rodermund ein. Doch wie kommt ein Brüderpaar aus Ummeln dazu, sich für brasilianische Straßenkinder zu engagieren? Hardy Rodermund lebt dort seit Jahrzehnten.

»Wir sind sehr geprägt durch die Kirchengemeinde St. Michael«, erzählt Peter Rodermund. Der damalige Pfarrer Franz Balsfulland habe sich intensiv um seine Jugendlichen gekümmert, gründete 1973 die Katholische Jugend St. Michael, die auch heute noch sehr aktiv ist. Gegen Widerstände aus Paderborn habe er Mädchen zu Messdienern gemacht, erinnert sich Peter Rodermund an den Kirchenmann, zu dem er bis zu dessen Tod im Jahr 2015 einen guten Kontakt pflegte. »Und wir machen das in Brasilien genau so, wie wir es von Franz gelernt haben«, betont er.

Jugendliche in Deutschland wollen gar nicht beschult werden

Doch zunächst studierten die beiden Brüder nach dem Abitur Maschinenbau. Während Peter Rodermund in die Wirtschaft ging, machte Bruder Hardy weiter, wurde katholischer Religionspädagoge und arbeitete einige Jahre in Münster als Lehrer. Er fuhr als Entwicklungshelfer nach Brasilien und kündigte schließlich bei der Bezirksregierung, um Hakuna Matata zu gründen.

»Die Jugendlichen hier in Deutschland wollen gar nicht beschult werden, während die Kinder in Brasilien händeringend nach Möglichkeiten suchen, sich eine Zukunft aufzubauen«, beschreibt Peter Rodermund die Beweggründe seines Bruders.

www.debra.de

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