Bürgerforum Schildesche ruft neues Projekt des Bürgerforums Schildesche ins Leben
Nachbarn helfen Nachbarn

Bielefeld (WB). Die Katze füttern, gemeinsam zum Einkaufen fahren, das Handy oder den Computer erklären, sich zum Plausch auf einen Kaffee treffen – Hilfe und Gemeinschaft, die in manchen Nachbarschaften ganz von allein funktioniert, erleben immer weniger Menschen, da sie allein wohnen und nur wenig soziale Kontakte haben. Deshalb hat das Bürgerforum Schildesche ein neues Angebot »Nachbarn helfen Nachbarn« ins Leben gerufen, das seit dem Start im November gut angelaufen ist.

Mittwoch, 06.02.2019, 20:30 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 11:08 Uhr
Sonja Heckmann vom AWO-Quartiersbüro (2. von links) und die ehrenamtlichen Nachbarschaftshelfer (von links) Gerlint Dröge, Heidrun Krüger, Udo Ostmann und Willy Hammerschlag suchen weitere Beteiligte für das Projekt »Nachbarn helfen Nachbarn«. Foto: Hendrik Uffmann

Bislang haben sich 15 hilfsbereite Ehrenamtliche aus dem Umfeld des Wohncafés im Seniorenwohnen an der Ecke Am Pfarracker/Liethstück zusammengefunden, die andere Menschen unterstützen möchten. Und etwa zehn Bewohner des Quartiers haben bislang Hilfebedarf angemeldet.

In diesem Netzwerk läuft die Aktion bereits, wie Udo Ostmann, einer der Ehrenamtlichen, der auch im Bürgerforum aktiv ist, erklärt. »Es gibt zum Beispiel ein älteres Ehepaar, das es nicht mehr schafft, die Getränkekisten aus dem Auto in die Wohnung zu tragen. Das übernehmen wir nun jeden Samstag um 15 Uhr«, sagt der 67-Jährige. Heidrun Krüger fährt regelmäßig Menschen, die nicht so mobil sind, zum Arzt oder zum Friedhof oder besucht sie, um gemeinsam Gesellschaftsspiele zu spielen. Und Gerlint Dröge hat die Koordination übernommen – sie ist telefonisch erreichbar und bringt Helfer und Hilfsbedürftige zusammen.

Entstanden ist die Aktion aus dem Bürgerforum Schildesche

Entstanden ist die Aktion »Nachbarn helfen Nachbarn« aus dem Bürgerforum Schildesche heraus, das sich vor knapp zwei Jahren auf Initiative von Arbeiterwohlfahrt und Stadt in dem Quartierscafé gegründet hat. Die Federführung liegt bei Sonja Heckmann (AWO) vom Quartiersbüro Schildesche.

Sie koordiniert nun auch das Nachbarschafts-Projekt. »Es ist gut, wenn es für die Ehrenamtlichen einen professionellen Ansprechpartner gibt«, sagt Bernadette Bueren von der Altenhilfeplanung der Stadt Bielefeld. Hintergrund sei, so Sonja Heckmann, dass es immer mehr Menschen gebe, die allein lebten und durchs Raster fallen und damit keinen Anspruch auf hauptamtliche Unterstützung hätten – im Alltag aber dennoch Hilfe benötigten.

Im Oktober des vergangenen Jahres verteilte das Bürgerforum deshalb 105 Fragebögen im Viertel rund um das Quartierscafé. Daraufhin meldeten sich 15 Ehrenamtliche und vier Hilfsbedürftige, deren Zahl seit dem aber angestiegen ist. »Oft ist es schwerer, um Hilfe zu bitten, als diese anzubieten«, sagt Bernadette Bueren.

Unabhängig von Alter, Herkunft, Nationalität und Religion

Dabei gehe es jedoch häufig auch um Vertrauen, sagt Helfer Udo Ostmann. »Vor allem Senioren sind verunsichert, weil es in den Medien immer wieder Meldungen über Betrüger gibt, die sich zum Beispiel als Stadtwerke-Mitarbeiter oder sogar als Polizisten ausgeben.«

Mund-zu-Mund-Propaganda und der persönliche Kontakt seien deshalb oft gut und wichtig, hat Gerlint Dröge erfahren. So gibt es in dem Haus in der Straße Am Balgenstück, in dem sie wohnt, nun schon zwei Bewohner, die Hilfe in Anspruch nehmen.

Mitmachen und auch Unterstützung erhalten kann jeder, betont Udo Ostmann, unabhängig von Alter, Herkunft, Nationalität und Religion. Und auch für die Helfer sei der Einsatz oft wertvoll, sagt Heidrun Krüger: »Gebraucht zu werden, ist ein gutes Gefühl. Und man bekommt auch unheimlich viel zurück.« Und irgendwann kommt man vielleicht selbst in die Situation, Hilfe zu benötigen, geben Udo Ostmann und Heidrun Krüger zu bedenken.

Darüber hinaus könne die Nachbarschaftshilfe auch tiefergehende Probleme aufdecken, schildert Ostmann am Beispiel eines älteren Herren, in dessen Wohnung es viele Missstände gibt, um die dieser sich aber allein kaum kümmern könne. In solchen Fällen gebe es dann den Kontakt auch zu professionellen Stellen, sagt Sonja Heckmann.

Wer sich über das Nachbarschaftsprojekt informieren möchte, seine Hilfe anbieten oder um Unterstützung bitten möchte, kann sich an Sonja Heckmann wenden unter Telefon 0521/3294962 oder per E-Mail an s.heckmann@awo-bielefeld.de.

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