Bielefelder Taxiunternehmer erklärt den »Stillen Alarm«
Was diese kleinen roten Lichter am Taxi bedeuten

Bielefeld (WB). Wenn diese kleinen roten Lichter blinken, dann wird’s brenzlig. Doch viele Taxi-Kunden dürften den sogenannten »Stillen Alarm« noch nicht kennen.

Montag, 04.02.2019, 04:01 Uhr aktualisiert: 04.02.2019, 07:22 Uhr
Bieta-Geschäftsführer Spyridon Athanasiou. Foto: Jan Gruhn

»Samstagsabends«, antwortet Spyridon Athanasiou (49). Dann herrsche in den Räumen der Bielefelder Funk-Taxi-Zentrale, kurz Bieta, an der Eckendorfer Straße Hochbetrieb. Dann wollen Kunden von A nach B, ohne selbst das Steuer in die Hand nehmen oder den Weg zur Haltestelle laufen zu müssen. Und das bis spät in die Nacht hinein. Nicht jede Begegnung ist dabei erfreulich. Drei bis vier Mal im Jahr komme es vor, dass einer seiner 450 Fahrer Opfer eines Überfalls werde, erklärt Athanasiou, Geschäftsführer der Bieta.

»Achtung, ich brauche Hilfe!«

Der erste Impuls: auf sich aufmerksam machen. Doch nicht immer ist das in einer Bedrohungssituation möglich. Deshalb, so erklärt es Athanasiou, kann der Fahrer unbemerkt vom Täter rote Blinklichter einschalten, die wenige Zentimeter neben dem Taxi-Schriftzug auf dem Dachzeichen sitzen. So wird für Außenstehende sichtbar: »Achtung, ich brauche Hilfe!«

»Die Polizei kennt dieses Signal«, sagt Athanasiou. »Wenn sie einen Wagen damit bemerken, rufen die Beamten in unserer Zen­trale an und fragen, was los ist.«

Doch auch in der Bevölkerung scheint sich das Wissen um die Bedeutung der Warnlichter zu verbreiten, wie Taxifahrer Stefan Wolff berichtet. Nach einer Pause ist er erst vor einem Jahr wieder als Fahrer eingestiegen – und kannte den Stillen Alarm noch nicht. »Ich hatte ihn aus Versehen angeschaltet«, erinnert er sich.

Da war er gerade an der Turnerstraße unterwegs. »Ein Passant hielt seinen Wagen direkt am Straßenrand an und kam zu mir«, sagt Wolff. »Er fragte, was los sei und ob er mir helfen könne.« Doch wie üblich bei Gefahrenlagen gilt auch hier: Lieber den Notruf wählen, als sich selbst in Gefahr bringen.

Weitere Alarmsysteme

Neben dem Stillen Alarm gibt es noch weitere Systeme, die Taxifahrer schützen sollen. Gesetzlich vorgeschrieben ist laut Athanasiou eine Diebstahlschutzanlage, die mit einem lautstarken Alarm abschreckend auf den Täter wirken soll. Zudem seien alle Bieta-Taxis mit einem Ortungssystem ausgestattet. Auch hier könne der Fahrer unbemerkt vom Angreifer ein Signal aussenden. Das werde dann sowohl an die Zentrale, als auch an die anderen Wagen gesendet. »So können wir erkennen, wo sich der Wagen befindet«, erklärt Athanasiou.

Die Sicherheitssysteme scheinen sich bezahlt zu machen: Nach Angaben des Taxi-Verbandes NRW sind die Zahlen der Überfälle oder Tätlichkeiten gegen Taxifahrer deutschlandweit in den vergangenen Jahren zurückgegangen. 247 Fälle seien für 2017 gemeldet worden, erklärt der stellvertretende Verbandschef Dennis Klusmeier aus Düsseldorf. »Aber 247 sind immer noch 247 zu viel«, legt der Vorstandsvorsitzende der Taxi-Düsseldorf eG nach.

Weniger Todesfälle

Die Zahl der Todesfälle sei ebenfalls zurückgegangen. Bis auf 2015 (ein Toter) seien seit 2012 keine Todesfälle bekannt geworden. Mit Blick auf die Zahlen der 1990er Jahre sei das eine gute Entwicklung. »1995 waren es noch zehn Todesfälle«, sagt Klusmeier – und zitiert dabei den Geschäftsbericht 2017/18 des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes BZP. Insgesamt wurden zwischen 1985 und 2017 laut Bericht 85 Taxifahrer »ermordet und über 10.700 bei Überfällen und Tätlichkeiten verletzt«.

Doch Bielefeld, so sagt es zumindest Athanasiou, sei ein verhältnismäßig ruhiges Pflaster. Und der gebürtige Grieche muss es wissen, er ist seit 27 Jahren im Geschäft.

Zur Bieta gehören 141 Fahrzeuge, 22 Mitarbeiter arbeiten in der Zentrale an der Eckendorfer Straße. An diesem Morgen ist allerdings nicht viel los, nur zwei Telefonplätze sind besetzt. Aber am Samstagabend, das weiß Athanasiou, wird es wieder ganz anders aussehen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6367777?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Krisenstab mietet Wohnsiedlung für positiv getestete Tönnies-Mitarbeiter an
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker