Nach Bruch in der BfB-Fraktion: außerordentliche Mitgliederversammlung am Samstag Ludwig will Kandidat bleiben

Bielefeld (WB). Das ganz große Beben in der Bürgergemeinschaft für Bielefeld (BfB) ist ausgeblieben. Trotz des Austritts von vier Ratsmitgliedern will Rainer Ludwig Oberbürgermeisterkandidat der Wählergemeinschaft bleiben. Vorerst.

Von Hans-Heinrich Sellmann
BfB-Vorsitzender Dietmar Krämer (rechts) und der designierte OB-Kandidat Rainer Ludwig müssen über die Zukunft der Wählergemeinschaft beraten.
BfB-Vorsitzender Dietmar Krämer (rechts) und der designierte OB-Kandidat Rainer Ludwig müssen über die Zukunft der Wählergemeinschaft beraten. Foto: Oliver Schwabe

Der 71-Jährige macht das weitere Vorgehen von mehreren Faktoren abhängig. Zunächst sollen am kommenden Samstag, 9. Februar, in einer nicht-öffentlichen Mitgliederversammlung die aktuellen Entwicklungen beraten werden. »Danach werde ich ganz genau beobachten, was läuft«, sagte Ludwig am Freitag und meinte damit nichts anderes als die Entscheidung der CDU, welchen Kandidaten sie eventuell gemeinsam mit der FDP für die Kommunalwahl 2020 ins Rennen schickt.

»Wenn diese Person das politische Know-How mitbringt und auch möchte, würde ich Gespräche führen, wie auf Sachebene zusammengearbeitet werden könnte.«

»Das sind egoistische Überlegungen«

Das Thema sei aber »obsolet«, wenn es nicht zu einer Änderung des Wahlrechts kommt und es auch im nächsten Jahr bei einer Stichwahl des Oberbürgermeisters bleibt. »Dann heißt der Kandidat Ludwig«, sagte der frühere Rathausdezernent. Denn Wählergemeinschaften wie die BfB, die nicht auf prominente Unterstützung aus Berlin oder Düsseldorf zählen könnten, bräuchten während des Wahlkampfes ein Gesicht.

Das hatten die bisherigen BfB-Ratsmitglieder Dorothea Becker, Barbara Pape, Renate Dedering und Thomas Rüscher zuletzt massiv in Frage gestellt und sich für einen gemeinsamen Kandidaten einer bürgerlichen Allianz stark gemacht. Nur so, und schon gar nicht mit einem eigenen Kandidaten Ludwig, sei ein Politikwechsel in Bielefeld möglich. Weil das aber weder mit Rainer Ludwig noch mit dem BfB-Vorsitzenden Dietmar Krämer umzusetzen sei, sind die vier Ratsmitglieder und Fraktionsgeschäftsführer Markus Schönberner, wie berichtet, aus der Wählergemeinschaft ausgetreten und haben die neue Rathaus-Fraktion »Bielefelder Mitte« gegründet.

Diesen Schritt verurteilte Dietmar Krämer am Freitag scharf: »Die ehemaligen Mitglieder sagen, dass sie sich das gut überlegt hätten. Ja, sie haben sich gut überlegt, wie sie der BfB den größtmöglichen Schaden zufügen können. Und zwar unter Beibehaltung ihrer Bezüge.« Das habe nichts mit Politik zu tun. »Das sind egoistische Überlegungen, und das ist verantwortungslos gegenüber Wählern, Mitgliedern und Mandatsträgern«, wetterte Krämer weiter.

»Die BfB ist kein billiger Erfüllungsgehilfe der CDU«

Der Vorsitzende sprach von einer großen persönlichen Enttäuschung. Gemeinsam mit Dorothea Becker hatte er für den 12. Oktober vergangenen Jahres zu einer Klausurtagung geladen, während der auch ein Stimmungsbild für einen eigenen OB-Kandidaten eingeholt worden sei.

Wie alle anderen Anwesenden hätte sich Thomas Rüscher dafür ausgesprochen, Becker, Pape und Dedering seien nicht erschienen. Hinterher habe es einen mehrheitlichen Vorstandsbeschluss (gegen die Stimmen von Becker und Dedering) für eine (vom früheren Vorsitzenden Friedhelm Bolte vorgeschlagene) Kandidatur von Rainer Ludwig gegeben. »Und damit haben wir das zu verfolgen und umzusetzen, bis am Ende die Mitgliederversammlung darüber abstimmt«, erklärte Krämer.

Austritt und Abspaltung bezeichnete Rainer Ludwig als »gezielten politischen Tiefschlag«. Er fühle sich wie ein am Boden liegender Boxer, der vom Ringrichter angezählt wird: »Aber der bestimmt nicht, ob ich wieder aufstehe.« Er nehme zur Kenntnis, dass sich die Gruppe der Gegner geoutet habe. »Allerdings muss ich mich dafür entschuldigen, dass das Ansehen der Bielefelder Politik Schaden genommen hat.«

Seine Kandidatur sei zum jetzigen Stand des Verfahrens demokratisch legitimiert. Es gebe keinen Grund aufzugeben. In Unkenntnis der wichtigen Fakten (CDU-Kandidat, Stichwahl) sei die Unterstützung eines gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten nichts anderes, als die Katze im Sack zu kaufen. »Die BfB ist kein billiger Erfüllungsgehilfe der CDU«, sagte Ludwig. Ihre Wähler würden nicht automatisch einen Unions-Kandidaten unterstützen. Und zur Wahrheit gehöre auch, dass es die Bielefelder CDU seit der Abwahl von Eberhard David nicht geschafft habe, einen neuen Kopf aufzubauen.

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