Blutiger Ehestreit in der Bielefelder Innenstadt – Anklage zum Schwurgericht
Ehefrau den Schädel eingeschlagen

Bielefeld (WB). Ein blutiger Ehestreit eines jesidisch-irakischen Paares in der Bielefelder Innenstadt wird demnächst vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelt. Gegen den 53-jährigen Mann hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchten Totschlags erhoben. Er soll seiner Frau, einer fünffachen Mutter, den Schädel eingeschlagen haben.

Freitag, 01.02.2019, 04:00 Uhr
Symbolfoto Foto: dpa

Die 38-Jährige erlitt bei der Attacke lebensgefährliche Kopfverletzungen und gilt bis heute als nicht vernehmungsfähig. Die fünf gemeinsamen Kinder des Ehepaares im Alter von einem bis elf Jahren wurden vom städtischen Jugendamt in Obhut genommen und leben seit dem Kapitalverbrechen in Pflegefamilien.

Tatzeit, Motiv und Tatwaffe offenbar unklar

Bei den Ermittlungen nach der Bluttat vom 8. Oktober vergangenen Jahres in einem Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Herforder-/Walther-Rathenau-Straße sind offenbar wichtige Fragen offen geblieben. So scheinen weder die Tatzeit noch das Motiv oder die Tatwaffe bekannt zu sein. Selbst die wahre Identität des Angeklagten scheint unklar. Der zweimal verheiratete 53-Jährige war bei seiner ersten Ehe unter einem ganz anderen Namen den Bielefelder Behörden bekannt.

Gesichert scheint der ungefähre Tatablauf. So eskalierte am frühen Morgen des 8. Oktober in der gemeinsamen Wohnung ein Streit zwischen dem Angeklagten und seiner zweiten Ehefrau. Gegen 3 Uhr rief der 53-Jährige über Notruf 112 in der Feuerwehr-Leitstelle an. Er habe seine Frau getötet, sie könne nicht sprechen, berichtete der Mann am Telefon und verlangte Hilfe. Als Polizei und Rettungsdienst im Haus an der Ecke Herforder-/Walther-Rathenau-Straße eintrafen, lag die fünffache Mutter lebensgefährlich verletzt mit eingeschlagenem Schädel auf dem Ehebett. Nach Meinung der Rechtsmedizin könnte ein Hammer die Tatwaffe gewesen sein.

Ehemann ließ sich widerstandslos festnehmen

Der Ehemann ließ sich am frühen Morgen des 8. Oktober widerstandslos festnehmen und sitzt seitdem im Bielefelder Gefängnis in Untersuchungshaft. Der zur Tatzeit mit etwa zwei Promille schwer alkoholisierte 53-Jährige gab im Polizeiverhör an, sich an nichts erinnern zu können. Die älteren der fünf Kinder des Ehepaares wollten den Ermittlern einer Mordkommission zum blutigen Streit zwischen Vater und Mutter nichts sagen. Das Opfer, das unter anderem einen offenen Schädelbruch erlitt, ist weiterhin nicht vernehmungsfähig.

Der Bruder der 38-Jährigen gab der Kripo den Hinweis, dass die Bluttat offenbar der Höhepunkt einer seit langem geführten Auseinandersetzung zwischen den Eheleuten war. So soll der Angeklagte nach der Ankunft der Familie vor zwei bis drei Jahren in Deutschland seine Frau quasi für sein Eigentum gehalten, ihr den Kontakt zu ihren Angehörigen verboten und sie immer wieder unter Druck gesetzt haben. Bereits vergangenes Frühjahr habe die Polizei den Mann vorübergehend der Wohnung verwiesen, nachdem dieser die fünffache Mutter mit einem Messer bedroht haben soll, berichtete der Bruder. Ein Termin für den Schwurgerichtsprozess steht noch nicht fest.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6360423?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Aktivisten steigen Tönnies aufs Dach
Aktivisten vom „Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie” haben die Einfahrt der Firma Tönnies besetzt. Vier Aktivisten haben sich mit Fahrradschlössern um den Hals angekettet und sitzen vor den Transparenten. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker