Entscheidung fällt in Bielefeld im Juli
Jahnplatz: Politik fürchtet Zeitdruck

Bielefeld (WB). Der Zeitdruck wächst: Bis zum Sommer 2022 muss die Neugestaltung des Jahnplatzes abgeschlossen sein. Das bedeutet: Bis zur Sommerpause im Juli müssen »verbindliche Vorplanungen« beschlossen sein, um die Ausbauplanungen vergeben zu können. Hält sich die Stadt nicht an das enge Zeitkorsett, gehen die 15 Millionen Euro Fördergelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unwiderruflich verloren.

Donnerstag, 31.01.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 31.01.2019, 15:32 Uhr
So oder ähnlich könnte der neue Jahnplatz laut Vorstudie des Büros Bockermann Fricke aussehen.

Dirk Vahrson, stellvertretender Leiter des Amtes für Verkehr, erläuterte dem Stadtentwicklungsausschuss, dass die europaweite Ausschreibung dreigeteilt sei: in die Verkehrsanlagenplanung, die Freiraumplanung und die sogenannte Objektplanung – vor allem die Dächer für die Bushaltestellen.

Die Grundlage der Planung für den neuen Jahnplatz sei zum einen der Verkehrsversuch mit den Eckpunkten Abbindung des Niederwalls, je einer Fahrspur für Autos pro Richtung und einer Umweltspur für Busse und Radfahrer sowie die Vorstudie des Büros Bockermann Fricke aus dem vergangenen Jahr (»Kopenhagener Modell«). Darauf basierend werde amtsintern eine Vorzugsvariante erarbeitet, die die Politik eben spätestens Anfang Juli beschließen soll, um den künftigen Planern eine verbindliche Vorplanung an die Hand geben zu können. Und natürlich könnten die Politiker da mitreden und mitbestimmen.

»Autoverkehr reduzieren«

Teilen der Politik geht der Zeitdruck schon jetzt gehörig gegen den Strich. Ralf Nettelstroth (CDU) ist der Ansicht, dass es nicht sein könne, dass »der, der die Subventionen gibt, auch der Entscheider ist«. Bernd Vollmer (Die Linke) kritisiert die »unbefriedigende Radwegeführung« der Vorstudie, die »unzureichende Dimensionierung der Haltestellen« und sagte: »Ich verzichte lieber auf die 15 Millionen und bekomme dann auf lange Sicht eine vernünftige Planung.« Martin Schmelz (Bürgernähe) wünschte sich eine »interfraktionelle Arbeitsgruppe«.

Hans-Jürgen Franz (SPD) vermisste alternative Vorschläge, »anders als versprochen«. Jens Julkowski-Keppler (Grüne) machte noch einmal klar, was seine Partei will: »Angebote schaffen, die den Autoverkehr reduzieren. Wir wollen keine Verlagerung der Verkehrsströme, wir wollen weniger Autoverkehr.« Er erwarte vom neuen Jahnplatz eine »Qualitätssteigerung für die Innenstadt, die ein Ort werden könne, an dem man sich gerne aufhält. Und das ist auch im Interesse des Einzelhandels.«

Beigeordneter Gregor Moss sagte den Politikern »uneingeschränktes Mitbestimmungsrecht« zu, betonte aber ausdrücklich: »Wir können nicht bei null anfangen, das ist nicht zu schaffen.« Wenn alles, was bisher geleistet worden sei, in Frage gestellt werde, »dann geben Sie die Fördermillionen doch einfach zurück«. Er appellierte an die Politiker, den »eingeschlagenen Weg nicht zu verlassen und weiter zu marschieren«. Schon allein durch den Verkehrsversuch habe sich die Aufenthaltsqualität auf dem Jahnplatz verbessert, es sei einfacher als früher in alle Richtungen zu überqueren. Moss wies darauf hin, dass bei den Planungen auch der geplante Radschnellweg zwischen Herford und Gütersloh, der durch Bielefeld führe, eine Rolle spiele.

Nadelöhr Bushaltestelle

Er forderte die Politik dazu auf, »zur Vernunft zu kommen und mit dem Autoverkehr behutsam umzugehen«. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass der Ursprung für den Verkehrsversuch Jahnplatz in der Überschreitung der Schadstoffgrenzwerte liege. Man müsse handeln, um Fahrverbote zu verhindern.

Dirk Vahrson stellt sich vor, die Vorzugsvariante im April als erste Lesung vorzustellen und dann zu sehen, »worauf man sich verständigen kann«. Komplizierteste Stelle auf dem Jahnplatz sei der Abschnitt zwischen den Bushaltestellen: »Ein Nadelöhr. Dort müssen alle vom Fußgänger bis zum Bus in beide Richtungen passieren können.« Möglich sei, aus der Umweltspur des Verkehrsversuches, erlaubt für Busse und Radfahrer, eine reine Busspur mit Haltepunkten zu machen und die Radler auf eigenen Wegen zu führen.

Moss nennt als weitere schwierige Punkte die Abgänge zur Stadtbahn und die Leitungen im Untergrund. Die liegen alle oberhalb der Decke des Jahnplatz-Forums und damit nicht wirklich tief im Untergrund. Ins Erdreich gehen müsse man auch, um die Fundamente für neue Haltestellendächer zu setzen und die Entwässerungsleitungen neu zu führen.

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