Schwägerin beschreibt Klaus O. als kontaktscheu – Auch die frühere Freundin sagt aus Giftbrote: Angeklagter »ein komischer Kauz«

Bielefeld (WB). Als »kontaktscheu«, »oberflächlich« und »komischen Kauz« hat am Donnerstag eine Frau ihren Schwager Klaus O. beschrieben. Der ist wegen versuchten Mordes in drei Fällen vor dem Landgericht Bielefeld angeklagt und schweigt beharrlich. Der 57-Jährige soll die Pausenbrote mehrere Arbeitskollegen vergiftet haben.

Von Wolfgang Wotke
Mit einem blauen Aktendeckel hat sich der 57-jährige Klaus O. im Gerichtssaal vor den Kameras geschützt. Neben ihm stehen seine Verteidiger Christina Peterhanwahr und Henning Jansen.
Mit einem blauen Aktendeckel hat sich der 57-jährige Klaus O. im Gerichtssaal vor den Kameras geschützt. Neben ihm stehen seine Verteidiger Christina Peterhanwahr und Henning Jansen. Foto: Wolfgang Wotke/Archiv

Um mehr über die Lebensumstände und über den Menschen Klaus O. etwas zu erfahren, hatte der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann auch dessen Geschwister geladen. Sein Bruder (60) und auch seine Schwester (68) nutzten jedoch ihr Aussageverweigerungsrecht. Allerdings gestatteten sie dem Gericht, ihre im Mai und Juni noch nicht öffentlich gemachten polizeilichen Aussagen im Laufe des Verfahrens zu verwenden.

Die 39-jährige Schwägerin berichtete, das sie ein herzliches Verhältnis zu ihrer Schwester (41), der Ehefrau des Angeklagten, habe. Klaus O. hingegen kenne sie kaum, obwohl er seit 15 Jahren mit der 41-Jährigen verheiratet sei und mit ihm zwei Kinder (3 und 12) habe. »Die haben sich bei einem Tanzkurs kennengelernt, und bei der Hochzeit war niemand von seiner Familie anwesend. Nur ein alter Schulfreund.«

Ansonsten habe sie mit dem Angeklagten nur kurze, oberflächliche Gespräche geführt. »Der war sehr verschlossen. Wenn ich meine Schwester besucht habe, war er nie da. Meine Eltern sind ihm aus dem Weg gegangen.« Kurz vor der Hochzeit sei es zu einem Streit zwischen ihm und ihren Eltern gekommen. »Er hatte ihnen vorgeworfen, ihre Kinder zu sehr behütet zu haben.«

Aggressiv sei er niemals gewesen

Etwas aufgeregt zeigte sich eine frühere Freundin von O. im Zeugenstand. Die 54-jährige Rechtsanwaltsfachangestellte, die in Schloß Holte-Stukenbrock lebt, war mit dem Angeklagten von 1983 bis 1992 fest liiert. »Seit 27 Jahren sitze ich heute zum ersten Mal wieder mit ihm in einem Raum«, sagte sie.

Mit 17 Jahren habe sie O. kennengelernt. Damals sei er ihr auf Anhieb sympathisch gewesen. »Ich hatte am Anfang den Eindruck, dass er intelligent ist, weil er eine gute Ausdrucksweise hatte. Ich konnte mich mit ihm ganz normal unterhalten, denn er war auch ein guter Zuhörer.« Klaus O. habe zu jener Zeit bereits beim Armaturenhersteller Ari in Schloß Holte-Stukenbrock gearbeitet. Sie wisse, dass er früher seinen Wehrdienst verweigert und in einem Altenheim gearbeitet hat. Danach sei er zu seiner alten Arbeitsstelle zurückgekehrt. Aggressiv sei er niemals gewesen, Alkohol oder Drogen seien kein Thema gewesen. »Der hat literweise Cola getrunken.«

Während der Beziehung sei sie eine Zeit lang zu ihm gezogen. »Er wohnte noch bei seinen Eltern, die später verstorben sind.« Sein Vater sei ein netter Mann gewesen, mit dem sie sich gut verstanden habe. »Doch seine Mutter war schwierig. Sie führte ständig Selbstgespräche und war psychisch krank.« Mitte 1992 habe sie die Beziehung dann beendet. »Sie war einfach eingeschlafen. Ich wollte nicht mehr.« Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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