1200 Tonnen schweres Teilstück an neuem Platz in Bielefeld – mit Zeitraffer-Video
So rollt die Brücke in die Lücke

Bielefeld (WB). »Das war Bau live«, sagt Ramazan Dogan, Projektleiter bei der DB Netz AG. Zweieinhalb Stunden, nachdem sich der Schwertransporter mit dem 1200 Tonnen schweren Brückenteilstück aus Beton in Bewegung gesetzt hat , sitzt es in der Lücke. Dogan zieht eine positive Bilanz: »Alles hat geklappt wie vorgesehen. Es hat nur länger gedauert.«

Donnerstag, 20.12.2018, 04:02 Uhr aktualisiert: 20.12.2018, 07:10 Uhr
Der Schwertransporter befördert das 1200 Tonnen schwere Brückenteilstück aus Beton in die Lücke. Foto: Thomas F. Starke

Eigentlich waren nur gut 30 Minuten für die etwa 70-Meter-Distanz vorgesehen. Das neue Brückenteilstück für die marode Eisenbahnbrücke an der Schildescher Straße in Bielefeld war in den vergangenen Monaten auf einem Nachbargrundstück vorgebaut worden. Nun füllt es etwa zwei Drittel der alten Eisenbahn-Brückenkonstruktion, die zwischen 1847 und 1906 errichtet und in den vergangenen Monaten abgerissen worden war.

Gegen 9 Uhr heben die zwei sogenannten Schwertransport-Trailer zunächst den Fertigbau, 15 Meter lang und 12,40 Meter breit, von seinem provisorischen Fundament und transportieren ihn über eine eigens aufgeschüttete Baustraße, die mit Metallplatten abgedeckt ist, Richtung Lücke im Bahndamm.

192 Räder des 16-Achsers bewegen sich im Schneckentempo voran. Victor Wierda vom niederländischen Unternehmen Koninklijke Wagenborg B.V. steuert den Selbstfahrer mit Hilfe einer Konsole.

Stopp nach 15 Minuten

Nach 15 Minuten stoppt der Transport, Mitarbeiter der Heinrich Walter Bau GmbH schlagen den Holzverbau unter dem Beton weg. Wierda setzt seine Hebel erneut in Betrieb. Dann aber bleibt ein Bewehrungseisen in einem Spalt zwischen zwei Metallplatten hängen und verbiegt sich.

Polier Jens Böker lässt daraufhin alle Bewehrungseisen per Flex kürzen. Anschließend wird der sogenannte Verschubweg fortgesetzt, die Module fahren quasi selbstständig, schieben das Brückenteil, das wie die alte Rundbogenbrücke eine lichte Höhe von 4,70 Metern haben wird, an seinen Platz.

»Wir halten den März-Termin«

Das Komplizierteste, sagt ­Böker, sei der Abbau der alten Brücken gewesen. Zudem sei der Bau der Betonwände rechts und links von der künftigen Unterführung aufwändig gewesen. Deshalb habe sich der Einschub auch um wenige Wochen verschoben. Aber, da ist sich Böker sicher: »Wir halten den März-Termin.«

Dann soll der erste Bauabschnitt der drei Bahnbrücken, die in Bielefeld komplett erneuert werden, abgeschlossen sein. Der gesamte Zugverkehr der wichtigen Hauptstrecke zwischen dem Ruhrgebiet und Hannover soll zwischen dem 15. und 18. März von den Gleisen auf der Ostseite auf die auf der Westseite verlegt werden – und danach über die neuen Brückenteile fahren. Das bedeutet aber auch: 56 Stunden Stillstand auf dem Bielefelder Hauptbahnhof.

Auf der anderen Seite des Damms

Brücke an der Schildescher Straße verschoben

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Foto: Thomas F. Starke
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Während zwei der drei Brücken in Bielefeld konventionell vor Ort gebaut werden, habe man sich bei der Überführung an der Schildescher Straße für den Fertigbau auf benachbarten freien Grundstücken entschieden. Auch das letzte Brücken-Drittel entsteht vor Ort, allerdings auf der anderen Seite des Bahndamms. Es wiegt etwas mehr als die Hälfte des »Schüblings« von Mittwochh: 690 Tonnen.

Projektleiter Ramazan Dogan spricht von einem Kraftakt, der nur gelingen könne, wenn es Platz gebe für die Dimension des Ersatzbauwerks und »wenn alle Seiten mitspielen – von der Stadt bis zu den Anwohnern«. Eigentlich aber sei die Art des Brücken-Fertigbaus bei der Bahn ein bewährtes Verfahren. Trotzdem: Auch die zwei Dutzend Mitarbeiter der beteiligten Baufirmen, der Bahn und die Nachbarn verfolgen die Prozedur aufmerksam, machen Handyfotos und ­filmen.

Per Hubsteiger werden Mitarbeiter auf die Brücke gehoben; sie entfernen dort Schutzgeländer, unten werden selbst kleine Teile von der »Fahrspur« geräumt, muss noch Boden abgetragen werden. Der letzte Akt: Die Brücke wird heruntergelassen. Dogan: »Sie wird einbetoniert, ist aber auch selbst standsicher.«

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