Kommunikationstraining gegen ausländerfeindliche Sprüche
Wie Stammtischparolen pariert werden können

Bielefeld (WB). Kaum ein Thema wird in Deutschland und Europa aktuell so emotional ausgetragen wie Flucht und Migration. Obgleich weniger Flüchtlinge als noch 2015 und 2016 nach Deutschland kommen, wird die Debatte zunehmend kontrovers geführt.

Montag, 19.11.2018, 12:00 Uhr
Auf vielen Emotionen und wenig Faktenwissen beruhen Parolen, die am Stammtisch zum Besten gegeben werden. Foto: dpa

Rechtspopulisten schüren Ängste und tragen zur Mythenbildung bei. Die Fraktion der »Gutmenschen« hält dagegen und spricht von Chancen und einer bunten Gesellschaft. Analytisch-faktisches Vorgehen ist eher zur Ausnahme geworden.

Wohl jeder sah sich schon einmal mit ausländerfeindlichen Stammtischparolen oder Schlagworten wie »Wir können nicht die ganze Welt aufnehmen!« konfrontiert. Wie soll, wie kann man damit umgehen? Das erfuhren am Samstag etwa 40 Teilnehmer eines Workshops und Kommunikationstrainings. Kostenlos angeboten wurde die Veranstaltung von der »Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung«.

Schlagfertig und klug

Referent Dr. Andreas Fisch, Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsethik im Sozialinstitut Kommende Dortmund, setzte sich in seinem interaktiven Vortrag zunächst mit der aktuellen Flüchtlingspolitik sowie rechtspopulistischer Legendenbildung auseinander.

Beim folgenden Kommunikationstraining erfuhren die Teilnehmer – Haupt- und Ehrenamtliche der Flüchtlingshilfe sowie Privatpersonen – wie sie schlagfertig und klug auf konkrete ausländerfeindliche Äußerungen reagieren können. Der Rat des Experten gegen pauschale Aburteilungen: »Erzähl eine Geschichte.« Von dem Einzelschicksal eines Flüchtlings zu erzählen, sei wirkungsvoller, als mit Analysen und Fakten aufzuwarten, so der Referent. Hilfreich sei es auch, positive Beispiele von gelungener Integration aufzuführen. Etwa der Erfolg eines TV-Stars mit Migrationshintergrund.

Fragen stellen

Generell gelte es, diskriminierende Aussagen zu hinterfragen. »Wie kommst du zu deiner Aussage?«, »Wer ist mit ›die‹ gemeint?«, »Hast du schon mal mit einem Flüchtling gesprochen?« oder »Was macht dich so misstrauisch?« können Fragen sein, die einen Dialog in Gang setzen.

Jedoch sei der Tonfall entscheidend. Andreas Fisch: »Der Ton macht die Musik. Wertschätzung ist das Einzige, das ein Gespräch ermöglicht.« Vorausgesetzt, es geht dem Sprücheklopfer um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema.

Problem: Demagoge

Das sei bei Demagogen indes nicht der Fall. Andreas Fisch: »Das ist eine andere Kategorie. Sie wollen keinen Austausch. Die muss man stoppen.« Drei Schritte sieht er dafür vor. Zunächst sollte man die Parole wiederholen, dann klarstellen, dass sie den eigenen Wertekonsens und den der Gesprächsrunde sprenge und schließlich denjenigen bitten, sich an bestehende Gesprächsregeln zu halten oder die Gesprächsrunde zu verlassen. Nur so könne man Demagogen angemessen Grenzen setzen.

Dr. Andreas Fisch war als Migrationsexperte Gastredner im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Er war Berater des Deutschen Caritasverbandes zu Fragen illegaler Migration und hat diverse Lehraufträge wahrgenommen. Promoviert hat er über humanitäre und wirtschaftliche Aspekte illegaler Migration.

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