Auftraggeber prüft bereits Übernahme durch anderen Betreiber Zugausfälle: Eurobahn droht Vertragskündigung

Bielefeld (WB). Ausfälle, Verspätungen, Platzmangel aufgrund verkürzter Züge – dem Auftraggeber reicht’s: Der Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe prüft jetzt konkret eine Vertragskündigung mit der Eurobahn.

Von Bernd Bexte
Die Eurobahn befördert täglich 70.000 Fahrgäste.
Die Eurobahn befördert täglich 70.000 Fahrgäste.

Bislang war dies immer nur ein Drohszenario, da es schwierig sein wird, übergangslos ein Ersatzunternehmen für den Betrieb der 15 Linien in NRW sowie in Teilen Niedersachsens und bis in die Niederlande zu finden. Davor schreckt der Verkehrsverband aber nicht mehr zurück.

Der NWL werde »sämtliche rechtlichen und vertraglichen Schritte dahingehend prüfen, ob diese letztlich zu einer Stabilisierung des Betriebes in den Netzen der Eurobahn geeignet sind«, heißt es etwas vage in einer am Freitag verbreiteten Mitteilung. Konkret bedeutet dies, dass nicht nur eine erneute Abmahnung – dann mit Bezug auf alle Linien – wahrscheinlich ist, sondern auch eine Vertragskündigung in Erwägung gezogen wird.

Fachjuristen prüfen derzeit alle Möglichkeiten. Bei einer NWL-Verbandsversammlung am 6. Dezember wird über die Sanktionen entschieden.

»Dimensionen erreicht, die Handeln erforderlich machen«

Wie berichtet, hatte der NWL dem größten privaten Bahnunternehmen in NRW bereits im Februar eine Abmahnung zugestellt. Diese bezog sich aber nur auf das neu von der Eurobahn übernommene Teutoburger-Wald-Netz (u.a. Bielefeld-Hengelo).

Danach hatte sich die Situation gebessert. Zuletzt hatten die Mängel aber deutlich zugenommen – auch in den anderen drei von der Eurobahn betriebenen Regionalbahnnetzen: Hellweg-, Maas-Rhein-Lippe- und OWL-Netz. »Die betrieblichen Pro­bleme haben inzwischen Dimensionen erreicht, die ein Handeln erforderlich machen«, empört sich der NWL.

»Den Unmut verstehen wir«

Verfahrensbeteiligte kritisieren vor allem, dass die Eurobahn Defizite beim Betrieb des Teutoburger-Wald-Netzes nur dadurch habe abstellen können, indem in den anderen Netzen Mängel entstanden seien. Deshalb erhöht der Verkehrsverband jetzt den Druck: Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES wird bereits das Szenario einer Vertragskündigung, auch für Teilbereiche, durchgespielt.

Da die 91 Triebwagen der Eurobahn geleast sind, könnte ein neuer Betreiber diese unkompliziert übernehmen. Probleme würde – bei anhaltendem Personalmangel – die Mitarbeiterrekrutierung bereiten. Die Eurobahn hat etwa 400 Fahrzeugführer und Zugbegleiter. Die Belegschaft könnte von einer neu installierten Betriebsführung eines anderen Anbieters übernommen werden, ist von Beteiligten zu hören.

Die Eurobahn zeigt sich reuig: »Den Unmut verstehen wir«, sagt Sprecherin Nicole Pizzuti. Man habe Züge von Mitbewerbern ausgeliehen und weiteres Werkstattpersonal angeheuert. »Wir wollen unsere Verlässlichkeit beweisen.« Die Eurobahn befördert nach eigenen Angaben täglich mehr als 70.000 Fahrgäste. Wegen der Mängel muss sie bereits Vertragsstrafen in sechsstelliger Höhe zahlen.

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