Joachim Berens bleibt BBVG-Geschäftsführer
Der Herr der Zahlen geht in Pension

Bielefeld(WB). Seine erste Stelle im Rathaus bekam er durchs Streichhölzer-Ziehen. Jetzt geht Joachim Berens, Leiter des städtischen Amtes für Finanzen und Beteiligungen, in den Ruhestand.

Mittwoch, 14.11.2018, 15:00 Uhr aktualisiert: 14.11.2018, 19:30 Uhr
Joachim Berens wird im Dezember 65 und geht in Pension – nach 45 Jahren Dienstjahren im Rathaus. Foto: Mike-Dennis Müller

Nach der Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst bei der Stadt Bielefeld standen Berens und zwei Kolleginnen zur Auswahl für einen Sachbearbeiter-Posten im damaligen Stadtreinigungsamt. So richtig wollte keiner den Job. Der Persoanalamtsleiter ließ das Los entscheiden. Berens zog den Kürzeren. Vermeintlich. Denn aus dieser Stelle heraus entwickelte sich eine spannende Rathaus-Karriere.

Wer kann schon von sich behaupten, erst daran beteiligt gewesen zu sein, die Hälfte der Stadtwerke zu verkaufen, um dann alles daran zu setzen, die Anteile wieder zurück zu erwerben? Berens kann. Immer ging es dabei um gewaltige Millionen-Summen. Heute ist er als (nebenamtlicher) Geschäftsführer der städtischen Beteiligungsgesellschaft BBVG sogar so etwas wie der oberste Konzernlenker der Stadt. Denn die Stadtwerke sind inzwischen eine 100-Prozent-Beteiligung der BBVG.

Aber der Reihe nach. Erst Kostenrechner im Stadtreinigungsamt, wurde Berens später zuständig für Amtsvormundschaften für Erwachsene – damals angesiedelt im Jugendamt. »Ich war Hausverwalter, habe Aktionärsversammlungen besucht«, erinnert sich Berens. Immer als Interessenwalter für Menschen unter Vormundschaft. Vom Jugendamt ging es ins Wasserschutzamt, von dort zur Volkshochschule, noch einmal zurück ins Wasserschutzamt und dann als Referent zum damaligen Umweltdezernenten Martin Enderle. »In der Kommunalverwaltung kann man immer etwas Neues ausprobieren, ohne seinen Arbeitgeber wechseln zu müssen«, sagt Berens.

Der Richtige für die schwierigen Fälle

Damals, als Referent bei Enderle, kristallisierte sich auch heraus, dass der Zwei-Meter-Mann Berens, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann, auch der Richtige für die schwierigen Fälle ist. Berens wurde Projektleiter für das Bahnfrachtzentrum, das in den 90er Jahren in Bielefeld entstehen sollte. Er wechselte später in den Stab von Oberbürgermeisterein Angelika Dopheide (SPD) und blieb auch, als nach der Kommunalwahl 1999 Eberhard David (CDU) in das OB-Dienstzimmer einzog. Strategisches Controlling und Beteiligungen waren dort seine Schwerpunkte.

2004 dann übernahm Berens die Leitung des Amtes für Finanzen und ist seitdem der Vorgesetzte von 160 Mitarbeitern. Sein Büro im Rathaus wird Berens bald räumen. Zum 31. Dezember scheidet er offiziell aus dem Dienst. »Ich habe dann hoffentlich mehr Zeit zum Radfahren«, sagt der Beamte, der verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder ist.

Ob es wirklich so viel mehr Zeit sein wird? Der Stadt bleibt Berens nämlich verbunden. Noch für zwei Jahre wird er die BBVG-Geschäfte führen. Dort steht wieder eine spannende Phase bevor, denn die Gesellschaft muss neu aufgestellt werden, wenn, wie zu erwarten, die Stadtwerke-Gewinne nicht mehr so reichlich fließen.

Als glückliche Fügung empfindet er, dass nun zum Ende seiner Dienstzeit bei der Stadt über den Abbau von Schulden gesprochen wird. Den guten Steuereinnahmen sei Dank. »Hätten Sie mich vor drei Jahren nach solch einer Entwicklung gefragt, ich hätte sie verneint.« Schließlich musste Berens immer wieder neue Sparrunden im Rathaus begleiten. So ist die Zahl der aktuellen Kassenkredite, die er, eine Marotte pflegend, täglich in eine alte Rechnemaschine eingibt, derzeit im Sinkflug.

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