Neonazi-Demo: Bündnis gegen Rechts steht bereit – »Katastrophe für den Einzelhandel« »Wir stehen für eine friedliche Demokultur«

Bielefeld (WB/hz). Bielefeld ist und bleibt bunt und weltoffen, Rechtsradikale haben in der Stadt nichts zu suchen – diese Botschaft wollen alle im Bielefelder Bündnis gegen Rechts zusammengeschlossenen Parteien, Organisationen und Initiativen bei d en neun Gegendemos am Samstag dem Aufmarsch der Rechtsradikalen entgegen setzen.

Bielefeld ist bunt und weltoffen heißt es am Samstag bei den Gegendemos.
Bielefeld ist bunt und weltoffen heißt es am Samstag bei den Gegendemos.

Und zwar gewaltfrei, wie Bündnis-Sprecher Klaus Rees betont. »Wir stehen für eine friedliche Demonstrationskultur.« An von Linksradikalen für Samstag angekündigten gewaltsamen Aktionen wie Blockaden des rechtsradikalen Aufmarsches werde sich das Bündnis nicht beteiligen. Es gebe auch keine Kontakte zwischen dem Bündnis und der so genannten Antifa. Das Motto: Kante zeigen gegen Rechts, das aber ohne jegliche Straftaten.

Das Bündnis steht bereits von heute an zwei Tage vor dem Ausnahme-Samstag in Bielefeld mit Sperrzone für weite Teile der Innenstadt in den Startlöchern. Die hier in Strafhaft sitzende Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck, zu deren Ehren die Partei »Die Rechte NRW« vom Hauptbahnhof zum Landgericht marschieren will, wird an diesem Donnerstag 90 Jahre alt.

Demo vor der JVA angemeldet

Um »Geburtstagständchen« von Rechtsradikalen für ihre in der Justizvollzugsanstalt Brackwede einsitzende »Ikone« Haverbeck zu unterbinden, hat das Bündnis für diesen Donnerstag um 13 Uhr eine Demo vor dem Gefängnis angemeldet. Das gilt auch für Freitag und Samstag.

Die Rechtsradikalen sammeln sich am Samstag um 13 Uhr am Hauptbahnhof und marschieren um 14 Uhr los. Mit folgenden Demos hält das Bündnis gegen Rechts dagegen. Um 12.30 Uhr beginnt am Hauptbahnhof die Kundgebung der Antifa West (die hat nichts mit den Linksautonomen zu tun) und der Friedengruppe der Altstädter Nicolaikirche am Mahnmal für deportierte Juden. Der DGB mobilisiert für 13.30 Uhr zur Gegendemo mit Musik und Reden auf dem Jahnplatz.

Das Bündnis gegen Rechts startet zeitgleich mit der Kundgebung auf dem Rathausplatz am Niederwall. Ebenfalls um 13.30 Uhr beginnt das Konzert mit elektronischer Musik der Initiative »Geflüchtete willkommen in Bielefeld« am Kesselbrink. Wenn die Rechtsradikalen zum Willy-Brandt-Platz kommen, soll verlagert werden. Weitere Kundgebungen beginnen zur selben Zeit vorm Stadtwerke-Hochhaus (Schildescher Straße), am SPD-Büro (Arndtstraße), am Welthaus (Paulusstraße), auf dem »Siggi« und vor der ehemaligen Synagoge an der Turnerstraße.

Theaterpremiere findet statt

● Trotz der angekündigten Demonstrationen und Absperrungen in der Bielefelder Innenstadt findet die Premiere des Familienstücks »Aladin und die Wunderlampe« am Samstag im Stadttheater wie geplant um 17 Uhr statt. »Die Theaterleitung hält es für immanent wichtig, dass der Aufmarsch der rechten Szene nicht dazu führt, dass Kunst- und Kulturveranstaltungen abgesagt werden«, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Theater Bielefeld nehme die Sorgen der Besucher im Vorfeld der Premiere ernst und befinde sich deshalb in enger Abstimmung mit der Bielefelder Polizei. Die Polizei empfiehlt, über die Brunnenstraße zum Stadttheater zu gelangen. Aktuelle Informationen erhalten die Besucher Samstagnachmittag auf der Facebook-Seite des Theaters und auf www.theater-bielefeld.de.

Alter Friedhof wird geschlossen

● Der Alte Friedhof am Jahnplatz wird am kommenden Samstag aufgrund der Groß-Demonstrationen ab 11.45 Uhr geschlossen. Darauf weist die Friedhofs GmbH hin.

Puppenspiele: Absage

● Das Gastspiel »Die Schnecke und der Buckelwal« in den Bielefelder Puppenspielen fällt aufgrund der Sperrungen in der Innenstadt aus.

Kaufleute beklagen Umsatzeinbußen

Dass die Polizei die Innenstadt von der Herforder- bis zur Detmolder Straße wegen des Aufmarsches der Rechtsradikalen zum Sperrgebiet erklärt, stößt beim Bündnis gegen Rechts und den Einzelhändlern auf großes Unverständnis. »Wir möchten nicht, dass in der Stadt alles lahm gelegt wird«, weist Klaus Rees vom Bündnis der Polizei die Verantwortung für die Maßnahme zu.

»Wir rechnen mit Umsatzeinbußen. Dieser Tag ist für den Bielefelder Einzelhandel eine Katastrophe«, sagt Jörg Beyer vom Handelsverband. Der kommende Demonstrations-Samstag am zweiten Novemberwochenende falle mit dem Beginn des Weihnachtsgeschäftes zusammen. Beyer: »Was haben die aus Vlotho stammende Ursula Haverbeck und die erwarteten auswärtigen Rechtsradikalen eigentlich mit Bielefeld zu tun? Es gibt keinen räumlichen Bezug für die Demonstration der Rechten.«

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