Landgericht Bielefeld: Kevin R. (24) will an keiner der Taten in Hille beteiligt gewesen sein Ziehsohn schildert drei Morde

Bielefeld/Hille (WB). Im Prozess um die drei Toten von Hille hat einer der Angeklagten gestern erstmals das Schweigen gebrochen und seine Version der Morde geschildert.

Von Christian Althoff
Kevin R., hier mit seinem Verteidiger Peter Jahn, ließ eine Erklärung durch seinen Anwalt vorlesen.
Kevin R., hier mit seinem Verteidiger Peter Jahn, ließ eine Erklärung durch seinen Anwalt vorlesen. Foto: Oliver Schwabe

Seit September stehen der Pferdehofbesitzer Jörg W. (51) und sein Ziehsohn, der Soldat Kevin R. (24), wegen Mordes vor Gericht. Sie sollen drei Männer (30, 64 und 71 Jahre alt) umgebracht haben, um an deren Geld zu kommen . Während sich der 51-Jährige weiterhin nicht zu dem Vorwurf äußert, erlaubte der jüngere Angeklagte gestern seinem Verteidiger Peter Jahn, eine lange, von ihm unterschriebene Erklärung vorzulesen.

Der erste Mord

»Jörg und ich saßen bei unserem Nachbarn Gerd in der Küche. Dann gingen die beiden raus. Plötzlich hörte ich einen Rumms und ein Stöhnen. Ich sah nach. Am Fuß der Kellertreppe schlug Jörg mit einem Ziegelstein auf Gerd ein. Ich rief: ›Was machst du da?‹, und er bölkte mich an, ich solle ruhig sein. Dann sollte ich mit einem Akkuschrauber die Kellertür zuschrauben. Ich habe so gezittert, dass mir die Schrauben aus der Hand gefallen sind. Jörg sagte, ich solle die Schnauze halten. Ich wüsste ja, was mir sonst passiert. Ich hatte schlaflose Nächte und Angst, zur Polizei zu gehen.«

Der zweite Mord

»Jörgs Frau Doris war nicht da. Ich saß abends mit Jörg, seiner Pflegetochter und dem Betriebshelfer Joachim vor dem Schuppen. Plötzlich klatschte Jörg den Joachim mit einem Ziegelstein um. Er rief ›Pack’ mit an!‹, und wir zogen den Körper zwischen Hütte und Scheune. Dort hat Jörg dem Joachim ein Rambo-Messer in den Rücken gestoßen. Ich habe einen Verbandskasten aus meinem Auto geholt, aber es war zu spät. Jörg befahl mir, den Toten in eine Sickergrube zu schaffen. Irgendwann, als Doris nicht da war, haben wir ein Grab ausgehoben und die beiden Toten reingelegt. Jörg lachte, als mir schlecht wurde. Jörg hat es dann auch Doris erzählt, aber die wollte nicht darüber reden.«

Der dritte Mord

»Es war am 4. März. Jörg, der Maurer Fadi und ich waren in der Scheune. Dort lag Werkzeug in einem alten Kühlschrank. Als Fadi sich bückte, um etwas aus dem Kühlschrank zu holen, schlug Jörg ihm mehrmals mit einem Hammer auf den Kopf. Das Geräusch und das Blut... Jörg war irgendwie voller Gewalt. Wir haben Fadi dann in eine Pferdebox gebracht. Doris wartete schon mit dem Essen, und wir sind ins Haus gegangen.«

Keine Antwort auf Nachfragen

Kevin R. ließ erklären, er sei aus Angst vor Jörg W. und dessen zwielichtigen Kontakten nicht zur Polizei gegangen. »Jörg hat mir öfter vorgeschlagen, eine Lebensversicherung abzuschließen. Ich glaube, wenn ich das getan hätte, wäre ich tot«, heißt es in der vom Anwalt vorgetragenen Erklärung.

Ob die Version von Kevin R. stimmt, ist unklar. Er lehnte es gestern ab, Nachfragen des Gerichts zu beantworten. Der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann sagte, es sei das Recht der Angeklagten, zu schweigen, »aber eben auch ihr Risiko«.

Lachend am Grab fotografiert

Gegen die Darstellung, dass Kevin R. nur ein von Angst getriebener Helfer war, spricht zum Beispiel ein Foto, das es in der Ermittlungsakte gibt. Es zeigt den Soldaten lachend beim Ausheben des Grabes.

Der Prozess wird am 8. November fortgesetzt.

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