Beim Einsatz auf dem Kirchplatz sollen nicht nur Fäuste geflogen sein Mit Handschellen geschlagen

Bielefeld (WB). Die CDU vermutet eine »bewusste Verheimlichung«, Ordnungsdezernentin Anja Ritschel sprach mit Blick auf den Angriff auf einen Ordnungsamtsmitarbeiter von einem Vorfall, der keine große Rolle gespielt habe. Aus Sicht einer Zeugin soll das Geschehen auf dem Brackweder Kirchplatz aber mehr gewesen sein als ein Faustschlag.

Von Peter Bollig
Weil auf dem Brackweder Kirchplatz (links) und dem Treppenplatz (oben) regelmäßig eine Trinkerszene unangenehm auffällt, sind vermehrt Ordnungskräfte unterwegs. Im September ist es dabei zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen.
Weil auf dem Brackweder Kirchplatz (links) und dem Treppenplatz (oben) regelmäßig eine Trinkerszene unangenehm auffällt, sind vermehrt Ordnungskräfte unterwegs. Im September ist es dabei zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen. Foto: Thomas F. Starke

Die Frau, die diesen Vorfall nach eigenem Bekunden aus nächster Nähe beobachtet hat, beklagt eine auch für Passanten bedrohliche Situation – die auch durch das Verhalten der Ordnungskräfte verursacht worden sei.

Rangelei vor Café-Terrasse

Hintergrund ist eine Kontrolle von einer Gruppe junger Leute auf dem Spielplatz oberhalb des Kirchplatzes ( das WESTFALEN-BLATT berichtete ). Drei Mitarbeiter des neu aufgestellten Teams des Ordnungsamtes , das die Trinkerszene rund um Kirch- und Treppenplatz unter Kontrolle bringen soll, hatten mehrere Jugendliche auf das Rauchverbot dort hingewiesen, wie Anja Ritschel erläuterte. Weil die Ordnungskräfte den Eindruck hatten, dass auch Drogen im Spiel gewesen sein könnten, wollten sie die Personalien feststellen. Dabei soll es zum Widerstand gekommen sein. Ein städtischer Mitarbeiter soll einen Faustschlag ins Gesicht kassiert haben.

Wie am Samstag berichtet, beklagte die CDU, dass dieser Vorfall, der sich bereits im September ereignete, vom Ordnungsdezernat der Öffentlichkeit bewusst nicht mitgeteilt worden sei – trotz Nachfrage. Anja Ritschel widersprach, der Vorfall habe in der Gesamtschau keine größere Rolle gespielt, sei aber in einem Bericht angedeutet worden.

Die Zeugin dieses Vorfalls, die namentlich nicht genannt werden möchte, und ihre drei Begleiterinnen, die sich auf der Terrasse des Cafés am Kirchplatz aufhielten, haben das Geschehen durchaus als dramatisch wahrgenommen. Sie beklagt, dass die Ordnungskräfte die Gruppe junger Leute erst an das Café herangeführt hätten, vor dem es zur Auseinandersetzung gekommen sei. Dabei soll einer der Jugendlichen einem Ordnungsamtsmitarbeiter Handschellen entrissen und ihn damit ins Gesicht geschlagen haben. »Das war kein einfacher Faustschlag«, sagt sie dem WESTFALEN-BLATT. Danach seien die Handschellen nah an ihrem Kopf vorbeigeflogen. Die Ordnungskräfte hätten außerdem Pfefferspray eingesetzt, einer der Mitarbeiter soll davon selbst getroffen worden sein.

Pfefferspray eingesetzt

Die Zeugin kritisiert ein inkonsequentes Vorgehen der städtischen Mitarbeiter. Das Geschehen habe sich etwa eine halbe Stunde lang hingezogen. Rangeleien, Gewalttätigkeiten und Diskussionen zwischen den Kontrahenten hätten sich abgelöst – immer in der Nähe der Café-Gäste oder später anderer Passanten an der Haltestelle. »Wir fühlten uns bedroht«, sagt die Frau, die schließlich hinter Tonis Imbiss am Treppenplatz geflüchtet sei. Sie wundert sich, dass die Ordnungskräfte die Gruppe junger Leute nicht auf Distanz zu den Passanten gehalten und nicht die Polizei hinzugezogen habe.

Anja Ritschel erklärte auf Anfrage, die Polizei sei später noch eingeschritten. Ordnungsamtsleiter Friedhelm Feldmann bestätigte den Einsatz von Pfefferspray nach einer Tätlichkeit durch einen Angreifer. Dass ein Mitarbeiter davon selbst getroffen wurde, könne er ebenso wenig bestätigen wie das Herumfliegen von Handschellen, wolle es angesichts der Dynamik in einer solchen Situation auch nicht ausschließen.

Dass sich das Geschehen hingezogen habe, hänge möglicherweise mit dem Versuch der Mitarbeiter zusammen, deeskalierend zu wirken, sagte Ritschel. Und: »Die jungen Leute hatten offenbar Verstärkung erhalten. Die Ordnungskräfte wurden angegangen und versuchten sich zurückzuziehen.« Friedhelm Feldmann betonte zudem die positive Entwicklung infolge der Einsätze rund um den Treppenplatz.

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