Gerichtsmediziner beschreibt Verletzungen zweier Mordopfer »Exzessivste Gewalt«

Bielefeld/Hille (WB). Die beiden älteren Männer, die in Hille wahrscheinlich wegen ihrer Renten umgebracht wurden, sind auf grausamste Weise ums Leben gekommen .

Von Christian Althoff
Der Angeklagte Jörg W. im Gerichtssaal.
Der Angeklagte Jörg W. im Gerichtssaal. Foto: Schwabe

Vor dem Landgericht Bielefeld, wo sich der Pferdehofbesitzer Jörg W. (51) und sein Ziehsohn Kevin R. (24) wegen dreier Morde verantworten müssen, erstattete Rechtsmediziner Dr. Bernd Karger am Dienstag sein Gutachten. Er hat die Leichen der beiden Opfer obduziert, die Polizisten im März auf dem Hof ausgegraben hatten.

Die Nebenklägerin Renate K. (63), die Schwester eines Mordopfers, blieb im Saal, als der Obduzent die Details vortrug. Die Frau aus dem niedersächsischen Bohnhorst sagte später auf dem Gerichtsflur: »Ich möchte die ganze Wahrheit wissen. Sonst kann ich mit der Sache nicht abschließen.«

Knochen vielfach gebrochen

Unten im Grab, nicht weit vom Wohnhaus des Hofs entfernt, lag der 71-jährige Nachbar Gerhard F. »Der ältere Herr«, wie der Rechtsmediziner ihn nannte, sei Opfer »exzessivster Gewalt« geworden . Der Mann sei nicht nur gewürgt worden. »Alle Knochen seines Gesichts zwischen Stirn und Kinn waren vielfach gebrochen.«

Als ihm diese Verletzungen zugefügt worden seien, habe das Opfer noch gelebt. »Denn der Mann hat noch ein Stück Knochen eingeatmet.« 16 Rippen seien mehrfach gebrochen gewesen. »Den Brustkorb gab es quasi nicht mehr. Deshalb war das Opfer auch nicht mehr fähig zu atmen.« So etwas sehe man auch als Rechtsmediziner sehr selten, sagte Karger. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass der 71-Jährige mit einem Ziegelstein erschlagen wurde – und er war nicht sofort tot: »Nach den ersten Verletzungen hat er noch mindestens zehn bis 20 Minuten gelebt«, sagte Karger.

Stiche in Hals, Schulter und Rücken

Das zweite Opfer, der Betriebshelfer Joachim K. (64), habe oben im Grab gelegen. »Wir haben ähnliche Kopfverletzungen gefunden wie beim ersten Opfer, aber auf der Rückseite des Schädels.« Außerdem seien neun Rippen mehrfach gebrochen gewesen;

K. habe vier Messerstiche in Hals, Schulter und Rücken erlitten.

Das Gericht hält es für wahrscheinlich , dass Joachim K. am 26. August 2017 spätabends auf dem Reiterhof umgebracht wurde. Damals war Doris W., die Ehefrau des Hauptangeklagten, in Duisburg. In Hille saßen nach Angaben eines Nachbarn Jörg W., die Pflegetochter des Ehepaares, Kevin R. und das spätere Opfer Joachim K. abends zusammen vor dem Gartenschuppen. Danach gibt es kein Lebenszeichen mehr von dem 64-Jährigen.

Am Tag darauf gab es einen SMS-Verkehr zwischen Jörg W. und seinem Ziehsohn Kevin R. Jörg W. schrieb:

»Doris weiß Bescheid :-) Alles bestens«

»Worüber?«

»Über die Kaputten :-) :-) :-)«

Der Düsseldorfer Verein »Loop« Kinderhilfe verteidigte gestern seine Entscheidung, 2017 ein 15-jähirges Mädchen als Pflegekind zu Jörg und Doris W. gegeben zu haben. Geschäftsführer Dirk Richter: »Die Führungszeugnisse der beiden waren tadellos, und eine Mitarbeiterin war alle drei Wochen dort. Es gab keine Beanstandungen – auch nicht vom Jugendamt.« Dass das Pflegegeld (3300 Euro im Monat) die wesentliche Einnahmequelle des Ehepaares gewesen sei, habe man nicht gewusst. »Wir lassen uns keine Steuererklärungen zeigen.«

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