Ausschuss diskutiert über Gedenken an getöteten Soldaten – Bezirksbürgermeisterin begrüßt Antrag
Plädoyer für Martin-Augustyniak-Straße

Bielefeld (WB). Die Brackweder Bezirksbürgermeisterin Regina Kopp-Herr begrüßt den Vorschlag, eine Straße oder einen Platz nach dem in Afghanistan getöteten Bielefelder Soldaten Martin Augustyniak zu benennen . Wünschenswert ist nach ihrer Ansicht ein Gedenken in Quelle oder zumindest im Stadtbezirk Brackwede. Denn Augustyniak lebte als Jugendlicher und junger Erwachsener in Quelle. Dort wohnen seine Mutter und sein Stiefvater bis heute.

Donnerstag, 16.08.2018, 08:00 Uhr
Martin Augustyniak wurde im Jahr 2010 auf dem Friedhof in Bielefeld-Quelle beerdigt. Foto: Thomas F. Starke/Archiv

Wie berichtet, hatte der Gütersloher Volker Lehmann einen Bürgerantrag gestellt und darin vorgeschlagen, eine Straße, einen Platz, ein Gebäude oder eine Halle nach Augustyniak zu benennen. Der Bürgerausschuss soll voraussichtlich in seiner Sitzung am 25. September über den Antrag beraten.

»Ich finde es gut, dass es solche Anregungen gibt«, sagt Regina Kopp-Herr. Sie verweist darauf, dass der Hauptgefreite vor seinem Tod noch einem Kameraden das Leben rettete. »Es war ausgesprochen vorbildlich, wie Martin Augustyniak sich verhalten hat«, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete. Die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach ihm wäre ein »besonderes Zeichen der Verbundenheit – auch zu seiner Familie«.

Militärhistoriker befasst sich mit Karfreitagsanschlag

Unterdessen hat sich auch ein Militärhistoriker mit dem Anschlag am Karfreitag 2010 befasst. Der Wissenschaftler Chris Helmecke geht in einem Beitrag für die Zeitschrift »Militärgeschichte« ausführlich auf den Karfreitagsanschlag ein, bei dem der 28 Jahre alte Augustyniak ums Leben kam. Helmecke arbeitet am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam.

Am 2. April hatte Augustyniaks Infanteriekompanie den Auftrag, entlang einer Straße zum Ort Isa Khel improvisierte Sprengfallen aufzuklären und zu räumen. Augustyniak war Teil eines vierköpfigen Spähtrupps, der nach einer abgestürzten Drohne suchen sollte. Gegen 13 Uhr Ortszeit griffen plötzlich »etwa 80 Aufständische« aus dem Hinterhalt mit Handfeuer- und Panzerabwehrraketen an. Dabei fielen Schüsse. Ein deutscher Soldat erlitt drei Beintreffer. »Augustyniak und ein weiterer Soldat verblieben bei ihm, versorgten ihn und gaben Feuerschutz«, schreibt Helmecke. Für den Wissenschaftler steht fest: »Augustyniak war entscheidend an der Rettung des Verwundeten beteiligt.« Dabei erlitt der Bielefelder später selbst einen Treffer am Helm.

Als der Spähtrupp dann wieder die anderen Soldaten erreichte, ging der Beschuss weiter. Ein Kamerad Augustyniaks wurde dabei getötet. Dann kam der Befehl zum Ausweichen. Um 14.50 Uhr wurde ein Militärfahrzeug angesprengt. Um das Auto herum befanden sich fünf Soldaten – darunter auch Augustyniak. Der Bielefelder sei durch eine Detonationsdruckwelle über eine Mauer geschleudert worden und erlag später seinen Verletzungen. Die traurige Bilanz des Karfreitags waren drei deutsche Gefallene: Neben Augustyniak verloren zwei weitere Soldaten ihr Leben.

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