Fabian Hauser: Der komponierende Philharmoniker Das Spielen soll Spaß bereiten

Bielefeld (WB). Konzertbesucher kennen Fabian Hauser als einen von vier Klarinettisten der Bielefelder Philharmoniker. In letzter Zeit ist der 49-Jährige überraschend auch als Komponist in Erscheinung getreten.

Von Uta Jostwerner
Aus freiem Improvisieren am Klavier schöpft Fabian Hauser Inspiration für seine Kompositionen.
Aus freiem Improvisieren am Klavier schöpft Fabian Hauser Inspiration für seine Kompositionen. Foto: Mike-Dennis Müller

Wann hat das angefangen? Fabian Hauser kann den Zeitpunkt nicht genau benennen. Fest steht: »Wenn ich früher gestresst von der Schule nach Hause kam, habe ich mich immer erst eine halbe Stunde ans Klavier gesetzt und improvisiert«, sagt Fabian Hauser, der damals begann, besonders gelungene Passagen in Notenschrift festzuhalten.

Im Alter von 20 Jahren, an der Schnittstelle von Schulzeit und Musikstudium, entstand auf diese Weise der Entwurf einer Klaviersonate, die 27 Jahre später in überarbeiteter Form zum Grundstock eines Trios für Klavier, Klarinette und Bassflöte wurde. Das Werk »Three Scenes for three« wurde im Rahmen der philharmonischen Kammerkonzerte vom Trio Tastenwind (Elena Kaßmann, Klavier; Katja Schulte-Bunert, Flöte; Fabian Hauser, Klarinette) im kleinen Saal der Oetkerhalle uraufgeführt.

»Durch diese Musik kann ich mich zurückerinnern, was für ein rastloser Mensch ich damals war. Immer unter Strom, hibbelig, hypernervös, voller Selbstzweifel. Nur im Laufschritt unterwegs«, erinnert sich Hauser. Auch die Überarbeitung der als unspielbar geltenden Klaviersonate spiegelt diese Rastlosigkeit zumindest noch in den Ecksätzen wider. Der Vorwärtsdrive und Agitato-Charakter des ersten Satzes »Changes« und der verspielte Gestus des dritten Satzes »Playground« sprechen eine klare Sprache. Im langsamen Mittelsatz »Soaring« erweist der ehemalige Drachenflieger dem Gleitflug im Aufwind von Berghängen seine Referenz. »Ich habe versucht, das euphorische Gefühl des Spielens mit dem Wind und des schwerelosen Gleitens durch die Lüfte einzufangen«, erzählt Hauser, der während seines Studiums aktiver Drachenflieger war.

Der Prozess des Komponierens basiert bei ihm häufig auf dem Baukastenprinzip: Schon vorhandene Fragmente werden kombiniert. Oftmals gehen Stilbrüche damit einher. »Früher wanderten diese Fragmente in die Schublade. Jetzt freue ich mich, dass meine Kolleginnen vom Trio Tastenwind immer wieder Wünsche äußern und nach Kompositionen fragen«, sagt Fabian Hauser, der stets auf der »Suche nach neuen Klängen, die nicht wehtun« ist. Eine starke Antriebsfeder für sein kompositorisches Schaffen resultiert auch aus der Beschäftigung mit dem Komponisten Max Reger.

An Material mangelt es ihm nicht. Seine vorliegenden Klavierkompositionen gäben Stoff für ein ganzes Album her. Vieles wurde noch nie aufgeführt. Da Hauser anwendungs- und praxisorientiert denkt, beschränkt sich sein bisheriges Oeuvre überwiegend auf Kammermusik. Wichtig ist ihm, dass die Musiker Spaß beim Spielen haben. Hauser: »Wir Orchestermusiker spielen oft Avantgarde-Musik. Manchmal entsteht jedoch der Eindruck, dass die Komponisten nicht wirklich wussten, was zu welchem Instrument passt.« Er selbst komponiere daher am liebsten für Instrumente, die er selbst spiele oder gut kenne.

Das sind vornehmlich seine beiden Studieninstrumente Klavier und Klarinette. Aber auch die Geige ist ihm vertraut, ist er doch mit einer Geigerin verheiratet, die im Orchester in Enschede angestellt ist. Das Paar, das drei Kinder hat, führt somit eine Fernbeziehung. Wann immer es Fabian Hauser möglich ist, macht er sich auf den Weg nach Gronau, wo die Familie lebt. Ist das Pendeln aufgrund häufiger Orchesterdienste nicht möglich, übernachtet der Bielefelder Philharmoniker in seinem Wohnwagen auf dem Campingplatz in Quelle.

Fabian Hauser wurde 1969 in Wilhelmshaven geboren und wuchs im Allgäu auf. Mit 17 Jahren zog er nach Ostwestfalen, weil sein Vater, Professor Fritz Hauser, bei dem der Sohn auch seinen ersten Klarinettenunterricht erhielt, einem Ruf an die Musikhochschule Detmold folgte. Dort studierte Fabian Hauser bei Hans-Dietrich Klaus Klarinette und bei Matthias Peters Klavier und beendete sein Studium mit der künstlerischen Reifeprüfung, die er mit Auszeichnung ablegte. Sein erstes Engagement führte ihn zur Philharmonia Hungarica, der ungarischen Philharmonie im Exil, in Marl. Seit 2001 ist er als stellvertretender Soloklarinettist bei den Bielefelder Philharmonikern beschäftigt.

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