Wissenschaftler in Sorge: Gefährlicher Hautpilz bedroht die Populationen Biologen wollen Salamander retten

Bielefeld (WB). Der Feuersalamander ist durch einen für die Tiere tödlichen Hautpilz bedroht. Wissenschaftler sorgen sich nun auch um den hiesigen Bestand. Mit einer »Arche« für diese Amphibienart in der Uni Bielefeld wollen Prof. Dr. Claas Wegner und Kollegen den Salamander retten.

Von Sabine Schulze
Max Albrecht (links) und Max Langelahn lassen sich von den Biologinne Vanessa Schulz (2. von links) und Kathleen Preißler erklären, wie man mit Wattestäbchen vorsichtig Proben von der Haut der Tiere nimmt.
Max Albrecht (links) und Max Langelahn lassen sich von den Biologinne Vanessa Schulz (2. von links) und Kathleen Preißler erklären, wie man mit Wattestäbchen vorsichtig Proben von der Haut der Tiere nimmt. Foto: Thomas F. Starke

Zu Wegners Team gehören Wissenschaftler der Universität Bielefeld, der TU Braunschweig und Schüler des Gymnasiums am Waldhof.

Der Teutoburger Wald ist ein wichtiges Verbreitungsgebiet des Feuersalamanders. Das könnte sich ändern: Denn in den Niederlanden und in Belgien habe »Batrachochytrium salamandrivorans«, kurz »Bsal«, bereits nachweislich zum Aussterben ganzer Feuersalamander-Populationen in Freiheit geführt, erklärt Wegner, Biologiedidaktiker an der Universität Bielefeld.

Hautpilz aus Asien eingeschleppt

Der Hautpilz – vermutlich über Molche, die aus Asien importiert wurden, eingeschleppt – beeinträchtig die biologischen Funktionen der Haut und frisst buchstäblich Löcher hinein. »Die Tiere ersticken, weil die Haut nicht mehr atmen kann.« Die Ausbreitungswege von »Bsal« sind noch unklar, sicher ist aber, dass der Pilz hochgradig krankheitserregend ist und deshalb auch »Salamanderfresser« genannt wird.

Mittlerweile sind bereits Salamanderpopulationen in der Eifel und in Essen betroffen, die Wissenschaftler fürchten eine Ausbreitung über ganz Deutschland, und die beiden Forscherinnen Kathleen Preißler und Vanessa Schulz von der TU Braunschweig gehen daher allen Verdachtsfällen nach. In Bielefeld erhalten sie Unterstützung durch die beiden Achtklässler Max Albrecht und Max Langelahn vom Gymnasium am Waldhof.

Ehemalige »Kolumbus Kids« sind dabei

Die Jugendlichen wurden von ihrem Biologielehrer Dr. Philip-Sebastian Gehring »angeworben« – nicht von ungefähr, denn beide waren schon am Uni-Projekt »Kolumbus Kids« für begabte Schüler beteiligt. Und auch dieses Projekt, so Gehring, sei ein Teil der Begabtenförderung der Schule und verlangt von den Jugendlichen Einsatz in ihrer Freizeit. Bislang haben sie an einem Bach in Dornberg die Larven von Salamandern gezählt. »Das werden wir im kommenden Jahr wiederholen, um vergleichen zu können, ob es womöglich weniger geworden sind und die Bestände zurückgehen«, sagt Max Langelahn.

Bei einem Besuch der Braunschweiger Biologinnen in der Universität Bielefeld haben sie jetzt auch gelernt, wie sie künftig Proben von Salamandern nehmen können: Dafür werden sie Wattestäbchen in kleinen Röhren bei sich haben und den Tieren – die nicht sehr flott unterwegs sind und sich gut fangen lassen – damit mehrfach vorsichtig über die Bauchhaut reiben. Die so gewonnen Proben werden an die TU Braunschweig und zur Kontrolle nach Trier geschickt und dort jeweils analysiert.

»Uns werden Proben tot aufgefundener Tiere geschickt, manchmal reicht uns aber auch schon ein Foto dieser Salamander zur Ferndiagnose, denn der Pilz zerfrisst die Haut«, sagt Vanessa Schulz. Wenn sich in einer Region die Fälle häufen, rücken die Wissenschaftlerinnen selbst aus, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Um das Tier ranken sich Mythen

In Bielefeld können sie auf die Uni-Biologen, die beiden Schüler und deren Lehrer Gehring, der das hiesige Feuersalamander-Monitoring organisiert, setzen. Zum Monitoring gehört auch das Fotografieren der Amphibien. Denn ihre Rückenmuster sind individuell wie Fingerabdrücke, und so können die Bestände nachgehalten werden. »Eine Art ist nie allein, sie ist immer in ein System eingebunden und deshalb wichtig«, erklärt der Biologe. Außerdem, schwärmt er, sei der Feuersalamander ein sehr schönes Amphibium – und nebenbei durchaus ein Tier, um das sich Mythen ranken.

Claas Wegner verfolgt zudem zwei weitere Anliegen: Er möchte ein Unterrichtskonzept entwickeln, das bundesweit Schülern die Überwachung und den Schutz von Feuersalamandern ermöglichen soll. Zudem möchte er, dass die Uni Bielefeld eine »Arche« für die Feuersalamander ist. Hier arbeitet bereits Verhaltensforscherin Dr. Barbara Caspers mit den Amphibien. Ein gutes Dutzend garantiert gesunde erwachsene Salamander hält sie bereits, dazu kommen sieben Tiere im Zustand der Metamorphose und 70 Larven.

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