Pläne werden am Dienstag offiziell vorgestellt – 13,3 Millionen Euro Förderung
So sieht der neue Jahnplatz aus

Bielefeld (WB). Der Fahrradverkehr soll sich fast verdoppeln, der Autoverkehr auf dem Jahnplatz halbieren. Vor allem aber soll der Platz ein freundlicheres Antlitz erhalten. Am Dienstag werden die ersten Pläne dafür im Stadtentwicklungsausschuss des Rates vorgestellt.

Samstag, 23.06.2018, 11:00 Uhr aktualisiert: 23.06.2018, 11:14 Uhr
Grüner, großzügiger, weniger Verkehr: der Jahnplatz im nächsten Jahrzehnt. Foto: Visualisierung Jahnplatz-Vorentwurfsplanung

Zurzeit dominiert auf Bielefelds zentralem Platz das Auto. Die Busse müssen Richtung Norden ohne eigene Fahrspur auskommen, die Radwegeführung ist unübersichtlich. »Ein Durchgangsraum mit geringer Aufenthaltsqualität«, lautet die Ist-Analyse der mit der Vorentwurfsplanung für den neuen Jahnplatz beauftragten Ingenieure Klaus Bockermann, Nils Kortemeier und Andreas Wannenmacher. Die Grundlage ihrer Neuplanung ist die Mobilitätswende, bei der sich der motorisierte Individualverkehr auf dem Rückzug befindet, der öffentliche Nahverkehr mehr Bedeutung erhält, genauso wie Luft- und Aufenthaltsqualität. Deshalb soll der neue Jahnplatz auch ein grüner Platz werden.

Kopenhagen ist Vorbild

Bei der Steigerung des Radverkehrs ist Kopenhagen ihr großes Vorbild. Dort hat das Rad einen Anteil von 62 Prozent an den öffentlichen Wegen, in der Fahrradstadt Münster sind es 37, in Bielefeld aktuell 18 Prozent.

30 Prozent Radverkehr sollen es künftig rund um den Jahnplatz werden. Damit das angepeilte Ziel erreicht werden kann, müssten Radwege ausreichend breit sein (bis zu 2,50 Meter), an Knotenpunkten konsequent weitergeführt werden, es eigene Fahrradampeln geben, die Radwege glatt und ohne Kanten sein. Kurz: »Der Radfahrer muss sich als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer auf Augenhöhe mit dem Individualverkehr fühlen.« Auch der Einrichtung eines Fahrradparkhauses im Jahnplatztunnel widmen sich die Planer mit konkreten Vorschlägen.

Etwa ein Viertel des Verkehrsaufkommens soll künftig auf Busse entfallen. Zurzeit sind es 14 Prozent. Auch dafür müssen Verbesserungen her. Helle, freundliche, einladende Stationen mit transparenten Dächern – keine düsteren Konstruktionen wie aktuell. Eine eigene Busspur soll die Fahrt beschleunigen, die gute Vernetzung mit der Stadtbahn sichergestellt sein. Die ersten Planungen sehen eine Art Busbahnsteig zwischen Radweg und Busspur vor, damit sich Fahrgäste und Radler nicht länger ins Gehege kommen.

Ausweichrouten

Bleibt der Individualverkehr, der aktuell einen Anteil von mehr als 50 Prozent auf dem Jahnplatz hat und möglichst auf 25 Prozent reduziert werden soll. Eine komplette Verkehrsberuhigung lehnen die Planer ab. Individueller Verkehr soll weiter möglich sein. Allerdings: Dafür muss der Durchgangsverkehr auf andere Routen abgeleitet werden. Aus Richtung Süden könnten zwei Linksabbieger-Spuren in die Stapenhorststraße eingerichtet werden. Die dortige Auffahrt auf den Ostwestfalendamm in Richtung Norden müsse »leistungsstärker« gestaltet werden.

In Richtung Süden soll die Ableitung über die Walter-Rathenau-Straße und Eckendorfer Straße zum Ostwestfalendamm erfolgen. Eine zweite Ausweichroute könnte über Herforder Straße und August-Bebel-Straße in Richtung Detmolder Straße eingerichtet werden. Auf dem Jahnplatz selbst würde es künftig nur noch je eine Richtungsfahrspur geben. Die Anbindung des Niederwalls erfolgte nur für den Radverkehr und die Fußgänger.

Und dann gibt es noch die Überlegung, die historische Straßenbahnachse Herforder Straße/ Friedrich-Verleger-Straße neu zu beleben – so wie es mit der Stadtbahnlinie 5 in Richtung Heepen schon einmal angedacht war.

Dass hier nicht länger ins Blaue geplant werden kann, ist schon der Tatsache geschuldet, dass die zur Verfügung stehenden 13,3 Millionen Euro Fördermittel der Europäischen Union bis 2023 genutzt werden müssen. Jetzt sollten zügig Entscheidungen fallen, heißt es deshalb aus dem Rathaus.

Kommentare

Gertraud Breuers  wrote: 23.06.2018 13:07
Weg mit den Autoverkäufern!
Wenn jetzt noch der Autoverkauf auf dem Platz verboten wird, und damit auch die visuelle Verschmutzung ein Ende hat, könnte was Tolles dabei rauskommen.
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