Dressurreiterin Madeleine Vogel ist im Alpecin-Jedermann-Radteam aktiv Doppelt sattelfest

Bielefeld (WB). Wenn Madeleine Vogel (31) den Sattel wechselt, hat das nicht nur mit Reitsport zu tun. Der Youngster bei den Alpecin-Jedermännern führt vielmehr gerade ein höchst spannendes Doppelleben: Früh um sieben trainiert sie mit Dressurstute Duffy, in der Mittagspause sattelt sie das Profi-Rennrad.

Von Michael Diekmann
Madeleine Vogel (31) nimmt mit ihrer zehnjährigen Hannoveraner-Stute an Dressurprüfungen teil, mit dem Profi-Rennrad erklimmt die Hobby-Radlerin als Teil des Alpecin-Jedermann-Teams Alpenpässe.
Madeleine Vogel (31) nimmt mit ihrer zehnjährigen Hannoveraner-Stute an Dressurprüfungen teil, mit dem Profi-Rennrad erklimmt die Hobby-Radlerin als Teil des Alpecin-Jedermann-Teams Alpenpässe. Foto: Michael Diekmann

»Das Leben ist kein Pony-Hof« bekennt Madeleine Vogel bei einem Kaffee in der Frühlingssonne und ergänzt: »Aber ein ausgewachsener Reiterhof.« Der elterliche Pferdehof Vogel bedeutet für die junge Frau eine Vollzeit-Belastung. Das Augenmerk der Pferdewirtin, die obendrein gerade in der Meisterprüfung steckt, gehört zuerst den 57 Pferden auf dem Hof mit den idyllischen Weiden. Da, wo der Blick bis zum Eisernen Anton und dem Rütli reicht.

Madeleine Vogel und Markus Vohwinkel auf dem Gipfel. Foto:

Mittags, erzählt Vogel, macht sie häufig hier die Höhenmeter mit dem Rennrad, die der Trainingsplan der Profis ihr verordnet hat. Vogel: »Eigentlich lebe ich im Moment ja meinen Traum.« Tatsächlich rückte die Hobby-Rennradfahrerin auf den letzten Drücker in das 2018er-Jedermann-Team von Alpecin. Nach der kurzfristigen Absage einer Kollegin war sie bei dem Anruf von Jörg Ludewig prompt zur Stelle gewesen. Aus mehr als 3000 Bewerbungen ausgewählt worden zu sein, findet sie, sei ohnehin schon etwas Besonderes. Ein ganzes Jahr in Profiausrüstung Rennen fahren zu können, bleibt für die meisten Radler ein großer Traum.

Eine Tour-Etappe zu fahren, ist das Ziel

Seit März gehört Madeleine Vogel zu den Männern und Frauen aus ganz Europa, die ihre persönlich gesteckten Ziele erreichen wollen, eine Tour-Etappe fahren. Im März, erzählt Vogel, war ihr erstes Trainingslager in Südtirol. Kalt war es. Ziemlich bergig. Wichtigste Erfahrung für die Hobby-Radlerin, die zuvor allenfalls am Wochenende mit Freund Thomas oder im Urlaub auf Mallorca geradelt war.

In Kaltern, erzählt sie, habe sie bei der kraftraubenden Fahrt über den Mendelpass erfahren, wie wichtig der Teamgedanke ist. Sie traf auf ihren Teamkollegen Markus Vohwinkel. Die zwei Ausgepowerten, bekennt sie, fuhren nicht mehr gegeneinander, sondern füreinander. Es sei, gesteht sie, ein Erfolgserlebnis gewesen im Ziel, aber auch nicht ohne Emotionen abgegangen.

Jetzt, am 1. Mai, startet die Bielefelderin in ihr erstes Rennen mit dem Team Alpecin. In Frankfurt fahren die Jedermänner in die Taunus-Höhen. Wie hart das wird, weiß Vogel spätestens, seit sie zur Vorbereitung vor Wochenfrist bei einem Rennen in Marlow bei Rostock das rasende Feld hautnah erlebt hatte, Respekt bekam.

Respekt vor großen Pferden

Die meisten ihrer Rennradfreunde würden eher Respekt haben vor den großen Pferden auf dem Hof. So wie ihrer eigenen Hannoveraner-Stute Duffy. Für Außenstehende ein »Riesenpferd.« Duffy bestimmt ihren Tagesablauf, erzählt Vogel. Um fünf Uhr klingelt der Wecker, von sechs bis sieben Uhr bewegt sie ihr Pferd. Vogel: »Danach wird bis 12 Uhr gearbeitet auf dem Hof.«

Die insgesamt 57 Pferde, sieben eigene und 50 Pensionspferde, verlangen komplette Betreuung. Futter, Wasser, Misten, Organisieren, Gäste betreuen. Gemeinsam mit der Auszubildenden Annika, Mutter Annegret und Vater Wilhelm Vogel sind sie ein eingespieltes Team. Alles ist getaktet. Um so toller findet Madeleine Vogel, dass ihr Vater ihr sofort frei gegeben habe für das große Rennradabenteuer.

Radabenteuer in der Mittagspause

Dieses Radabenteuer ist immer in der Mittagspause angesagt, auf Flachetappen in den Kreis Gütersloh, Bergetappen ins Lipperland. Nachmittags gibt es wieder Reiterhof. Und am Abend wird für die Prüfung zur Pferdewirtschaftsmeisterin gepaukt. Mindestens ebenso eine Ausdauerleistung wie das Erklimmen eines Passes mit dem Rad, findet Vogel. Die Kaffeepause beim WESTFALEN-BLATT-Hausbesuch genießt die Bielefelderin. Ihr Profirad lehnt am Gatter, der Reitsattel hängt drüber. Madeleine Vogel ruht in sich. Stress würden die Pferde spüren, weiß sie. Die sind aber ganz ruhig, alles klar also.

Arbeit auf dem elterlichen Pferdehof in Senne. Mit der Auszubildenden Annika Elfering (links) füttert Madeleine Vogel täglich die 57 Pferde im Stall und auf Koppeln. Foto: Michael Diekmann

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