Wellbachschule wehrt sich gegen Vorwurf, neue Realschule in Baumheide zu behindern Missverstanden

Bielefeld (WB). Nur knapp reichen die 55 Anmeldungen für die neue Realschule am Schlehenweg. Dass sie so wenig angenommen wird, könnte auch mit ihrem Standort im von vielen als Problemstadtteil angesehnen Baumheide zu tun haben.

Von Michael Schläger
Wehren sich gegen Vorwürfe: Wellbach-Rektor Martin Homann und Stellvertreterin Susanne Joos.
Wehren sich gegen Vorwürfe: Wellbach-Rektor Martin Homann und Stellvertreterin Susanne Joos. Foto: Michael Schläger

Gern werde den Eltern in Baumheide unterstellt, sich nicht ausreichend um ihren Nachwuchs zu kümmern. »Das Gegenteil ist der Fall«, sagt Martin Homann, Rektor der Wellbach-Grundschule am Rande des Quartiers. »Sie legen sehr großen Wert darauf, die beste Schule für ihr Kind zu finden.« 51 Kinder werden seine Grundschule im Sommer verlassen. 19 von ihnen haben eine uneingeschränkte Realschul-Empfehlung. Ihm und seinen Kollegen war vorgeworfen worden, nicht genügend Werbung für die neue Schule gemacht zu haben.

Ihre Kinder sollten es einmal besser haben als sie selbst. Das sei der Wunsch der meisten Eltern im Stadtteil, ganz gleich, ob es sich dabei um Iraker jesidischen Glaubens oder Russen handele. Beide Gruppen seien im Quartier stark vertreten.

Baumheide-Hauptschule als Makel

Manche haben erleben müssen, dass das Abgangszeugnis der Baumheide-Hauptschule, die jetzt ausläuft und in deren Gebäude die neue Realschule einziehen soll, ein Makel war. Nicht wegen der pädagogischen Arbeit der Hauptschullehrer, sondern wegen der Schuladresse. Ausbildungsbetriebe reagierten zurückhaltend.

Viele Eltern hätten ihre Kinder deshalb in den vergangenen Jahren auf die Realschule Heepen oder die Luisen-Realschule in der Innenstadt geschickt, sagt Homanns Stellvertreterin Susanne Joos. Bloß raus aus dem Stadtteil, sei für viele Eltern das Argument gewesen. Homann, Joos und ihre 18 Kolleginnen und Kollegen wehren sich gegen den Vorwurf, die Gründung der Realschule nicht unterstützt zu haben: »Das haben wir im Rahmen der Vorgaben des Schulgesetzes getan«, betont Homann.

Verwaltung und Schulvertretern im Clinch

Da hat sich einiges aufgestaut zwischen Politikern und Verwaltung im Rathaus und den Schulvertretern. Die Wellbachschule habe sich nicht an der Erarbeitung des Schulkonzeptes für die neue Schule beteiligt, lautet einer der Vorwürfe. »Das hat keine der umliegenden Schulen getan«, sagt Homann. Von den 600 eingeladenen Eltern seien nur fünf zu einer ersten Info-Veranstaltung für die neue Schule gekommen. In den umliegenden Grundschulen sollen die Einladungen nicht verteilt worden sein. »Wir haben ordnungsgemäß verteilt«, sagt Konrektorin Joos.

Auf Wunsch des Anmeldeteams der neuen Realschule haben sie beratend auch an einem Elterngespräch zur Anmeldung teilgenommen. Rektor Homann begleitete ebenfalls persönlich eine Mutter zur Anmeldung in der neuen Schule.

Die beiden Pädagogen verweisen auf die Haltung in den Familien vieler ihrer Schüler. »Da wird geschaut: Wohin gehen die Geschwister, wird darauf gehört, was Verwandte und Bekannte sagen«, meint Homann. Und bei denen stehen die Luisenschule in der Innenstadt und die Realschule Heepen hoch im Kurs. Im Gegensatz zu den traditionell frequentierten Schulen habe die neue Realschule aus Sicht der Eltern mit dem Gebäude eben auch das Image der Hauptschule übernommen.

Schulamtsleiter ist skeptisch

Georg Müller, Leiter des städtischen Amtes für Schule, steht den Aussagen skeptisch gegenüber. Als er und Hella Schäfer-Hofmeister, die das Konzept der neuen Schule mitentwickelt hatte, zu einer Info-Veranstaltung der Schule gekommen seien, seien sie dort »eher widerwillig« empfangen worden. »Nicht wir, sondern die Schulpflegschaft hatte eingeladen«, sagt Homann dazu. Eine neue Schule noch ohne Leitung und Kollegium habe es naturgemäß schwer, meint Müller. »Ein bisschen mehr Unterstützung ist da hilfreich.« Schuldezernent Dr. Udo Witthaus lobt die neue Realschule: »In Baumheide werden Eltern und Kinder auch zukünftig eine weiterführende Ganztagsschule vorfinden.« Das stärke neben den Kindern auch den Stadtteil.

Aber vielleicht ging am Ende alles viel zu schnell. 2016 war das endgültige Aus für die Baumheideschule beschlossen worden, musste ruckzuck die neue Schule etabliert werden, gab es zu wenig Gelegenheit zum Dialog.

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