Forstbranche steckt mit Sturmholz zwischen Preisverfall, Borkenkäfer und Sicherheit Friederike macht im Wald ein Jahr Arbeit

Bielefeld (WB). Landwirt Reinhard Bögeholz (72) wollte 2018 eigentlich kein Holz ernten. »Das hat dann Friederike erledigt«, sagt er mit Galgenhumor. Mindestens 80 Festmeter beste Fichten stapeln sich am Weg. Allein in Bielefelds Privatwäldern ist mehr als eine Jahresernte an einem Tag gefallen. Die Aufarbeitung, schätzt Revierförster Markus Rübsamen, wird das ganze Jahr dauern.

Von Michael Diekmann
Bergeweise Stämme: Allein wie hier am Senner Hellweg lagern tausende Festmeter Nadelholz zum Abtransport.
Bergeweise Stämme: Allein wie hier am Senner Hellweg lagern tausende Festmeter Nadelholz zum Abtransport. Foto: Michael Diekmann

Mindestens drei Lkw-Ladungen liegen bei Reinhard Bögeholz am Hermannsweg bereit für den Abtransport. Das Nadelholz geht ins Sauerland ins Sägewerk oder in den Export. Etwa 16 Hektar gehören zum Familienhof. Der Verlust ist deutlich. Die verbliebenen Stämme ragen bis zu 30 Meter kerzengerade in den Himmel. Dieses Holz, erklärt Rübsamen, fing jetzt gerade an, Geld zu verdienen.

Die Pläne, allenfalls einzelne Stämme gezielt zu entnehmen, weiß Bögeholz, hat in diesem Winter für viele Waldbauern »Friederike« stürmisch durchkreuzt. Bis zu zehn Euro Verlust pro Festmeter muss man einkalkulieren. Etwa 85 Euro rechnet man für den Festmeter Nadelholz, das jetzt entastet als Stamm am Weg liegt. Der große Rest geht vielfach als Energieholz in Heizwerke. Privatleute, die sich Brennholz im Wald selbst aufarbeiten, so Rübsamen, gebe es momentan nicht so viele. Es ist eben nicht Saison.

Ein Bild der Verwüstung

Spaziergängern im Teutoburger Wald bietet sich noch an vielen Stellen ein Bild der Verwüstung rechts und links der Wege. Dass noch immer viele Stämme samt Wurzelteller am Stück auf der Seite liegen, hat aber System, erklärt Markus Rübsamen. Die heimischen Forstdienstleister haben genug zu tun. Anfragen allzu engagierter Besitzer von Großmaschinen aus Süddeutschland hat man eine Absage erteilt. Ziel sei es schließlich, die Holzmengen gesteuert an die Sägewerke zu geben und die Preissituation zu beruhigen. Viel wichtiger: Die Forstleute möchten um jeden Preis verhindern, dass der Borkenkäfer bei einem plötzlichen »Sommer« im Frühjahr ausschwärmt und sich das liegende Holz für seine Nachwuchsplanung vornimmt. Ein solcher Käfer-Effekt könnte enorme Werte vernichten.

Größere Mengen des Holzes, das an Verbindungswegen in so genannten Poltern bis zu vier Meter hoch in Stämmen aufgestapelt ist, sind bereits verkauft. Ist es noch komplett mit Rinde, muss es abgefahren werden. Oder man muss es mühsam entrinden, oder sogar spritzen. Markus Rübsamen setzt lieber auf die natürliche Methode. Bleibt der Baum samt Wurzel liegen, hält er länger durch und hält sich den Käfer vom Stamm.

Kontrolle erledigt der Förster

Während heimische Sägewerke fast ausschließlich für den Boom an Eiche arbeiten, geht der Großteil der Fichten und Kiefern ins Sauerland – oder sogar in den Export. Bis 10,80 Meter werden für die Containerverladung abgemessen, wissen die Förster, wenn Stämme in den Stahlkästen auf Seereise gehen sollen.

»Die Mengen sind nach Friederike nicht das eigentliche Problem«, erklärt Markus Rübsamen. Weil der Wald für viele Bielefelder ein wichtiger Erholungsraum ist, gilt es ein wachsames Auge auf alle Reviere zu haben. Noch kurz vor dem Start des Hermannslaufes am Sonntag wird Rübsamen noch einmal alle Streckenabschnitte in der Stadt kontrollieren.

Durch die für Mittwoch und Donnerstag angekündigten Sturmböen könnten Bäume stürzen, die sich bislang nur angelehnt hatten. Die Kontrolle erledigt der Förster auch bei Reinhard Bögeholz. Der Hermannslauf führt direkt durch seinen Wald bis zum Wandweg zu Deppe. Wichtig sei auch, größere Schäden an den Wegen zu vermeiden. Dann läuft der Hermann.

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