Werner Zillig erinnert in Romanbiografie an Schauspiel-Star Helga Anders – ein Brackweder Kind

Bielefeld (WB). Helga Anders – dieser Name steht für eine ganz besondere Schauspielerin. Und sie verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Bielefeld Brackwede. In den 1960er Jahren bekannt geworden durch Fernsehproduktionen wie »Der Forellenhof« und »Die Unverbesserlichen« (mit Inge Meysel und Joseph Offenbach), starb sie 1986 nur 38-jährig an Herzversagen.

Von Gerhard Hülsegge
Helga Anders spielte unter anderem in vielen Krimis mit – wie hier 1984 in einer Derrick-Episode.
Helga Anders spielte unter anderem in vielen Krimis mit – wie hier 1984 in einer Derrick-Episode. Foto: imago

Werner Zillig erinnert in seiner Romanbiografie »Das Mädchen« an die Künstlerin. Helga Scherz, so hieß die in Innsbruck geborene Künstlerin mit bürgerlichem Namen, war eine begeisterte Schwimmerin und sprang immer gerne vom Fünf-Meter-Brett. Gewohnt hat sie Ende der 1950er Jahre mit ihrer Mutter Berta, die abends im Ratskeller als Bedienung arbeitete, im »Brock«, in einem Kotten des Bauern Mergelkuhl an der ehemaligen Friedrichstraße 28b, die 1973 in Ferdinandstraße umbenannt wurde.

Das hatten Recherchen des WESTFALEN-BLATTES 2005 ergeben, deren Ergebnisse jetzt auch in den biografischen Roman mit eingeflossen sind. Helgi, wie die spätere Schauspielerin als Kind genannt wurde, nahm in Bielefeld Ballett-Unterricht. Grete Gehrmann, damals Lehrerin an der Brocker Volksschule, erkannte das Talent der jungen Österreicherin mit dem Schmollmund. Ihr Ehemann Hans Gehrmann war Schauspieler an den Städtischen Bühnen Bielefeld und vermittelte der kleinen, erst zehnjährigen Helga 1958 ihre erste Rolle als »Heinerle«.

Alkohol- und Tablettenkonsum hatten ihr zugesetzt

Es war der Beginn einer großen Karriere. 1962 war Helga Anders in dem Fernsehfilm »Peter Pan« zu sehen und im selben Jahr auch im Kino an der Seite des berühmten Heinz Rühmann in »Max, der Taschendieb«. In den 1970er Jahren wirkte sie unter anderem mehrmals in den TV-Krimiserien »Derrick«, »Der Alte« oder »Der Kommissar« mit. 1967 heiratete sie den Regisseur Roger Fritz, der sie in dem Film »Mädchen Mädchen« für die Rolle der Angela besetzte.

Die Ehe wurde 1974 geschieden, 1980 verlobte sich Helga Anders mit dem Schauspieler und Maler Jürgen Draeger. Kurz vor der geplanten Hochzeit starb die Schauspielerin mit der stets etwas kindlichen Stimme, mit der sie auch als Synchronsprecherin gefragt war, am Ostermontag, 31. März, 1986. Alkohol- und Tablettenkonsum hatten ihr zugesetzt, nachdem sie sich in Bayern auch als Gastwirtin versucht hatte.

»Liebe Leslie! Du warst mein ganz großes Glück auf der Welt«

Aus der Beziehung mit Roger Fritz ist Helga Anders’ Tochter Tatjana Leslie Fritz geboren. Buchautor Werner Zillig, der mit vielen Weggefährten wie Heiner Lauterbach und Hans-Jürgen Bäumler gesprochen hat, zitiert aus einem Abschiedsbrief: »Liebe Leslie! Du warst mein ganz großes Glück auf der Welt. Alles andere war Pipifax. Ich werde weiterhin auf dich aufpassen von den Sternen aus. Pass auf dich auf und hab ein Auge auf den Papa. Er braucht dich. Ich liebe dich. Deine Mami. P.S. Sei bloß nicht traurig. Es geht mir jetzt besser als je zuvor!«

Zillig, Autor auch diverser Science-Fiction-Geschichten, lässt Helga Anders sogar noch einmal aufleben – bei einem fiktiven Oktoberfest am 30. September 2012. Und stellt fest: „Heute ist sie eine schöne Frau. Kein Mädchen mehr, sondern einfach eine schöne Frau. Sie ist heute Bildhauerin, nicht Schauspielerin. So war ihr Leben angelegt. Dazu war sie bestimmt, und so ist es gekommen.“

Der Roman »Das Mädchen« (ISBN 978-3-930472-05-5) ist im Altan-Verlag, Unterhaching, erschienen. 281 Seiten.

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