Marode Schulbusse: Fahrerin und Unternehmer sollen zahlen Bußgelder in dreistelliger Höhe

Bielefeld (WB). Nach der Stilllegung von zwei maroden Schulbussen innerhalb von nur zwei Tagen soll die 57 Jahre alte Fahrerin ein Bußgeld in geringer dreistelliger Höhe und der Busunternehmer Mietrach ein Bußgeld in hoher dreistelliger Höhe zahlen. Zusätzlich gibt es Punkte in Flensburg.

Von Stefan Biestmann
Erhebliche Mängel an Bremsen und Lenkung sowie Rostschäden stellte die Polizei im März an zwei Schulbussen fest.
Erhebliche Mängel an Bremsen und Lenkung sowie Rostschäden stellte die Polizei im März an zwei Schulbussen fest. Foto: Polizei Bielefeld

Das sehen nach WESTFALEN-BLATT-Informationen die Pläne der Bußgeldstelle des Ordnungsamtes vor. Die Fahrerin dürfe aber ihren Führerschein der Klasse D behalten, berichtet Norman Rosenland, Bereichsleiter Verkehrsordnungswidrigkeiten im Ordnungsamt. Denn ein grob fahrlässiges Verhalten liege nicht vor. »Einige Mängel waren auf den ersten Blick nicht erkennbar«, sagt Rosenland.

Dagegen treffe den Busunternehmer nach der Analyse des jetzt auch schriftlich vorliegenden Gutachtens der Dekra eine größere Schuld als die Fahrerin. Er hätte einige Mängel erkennen müssen, heißt es. Rosenland betont auch, dass die Zulassungsstelle unabhängig von den Bußgeldern noch Sanktionen verhängen könne.

Ein maroder Bus wird derzeit repariert

Das Gutachten der Dekra bestätige die Mängel, die die Polizei entdeckte und die zur Stilllegung der Busse geführt hätten, sagt Polizeisprecher Michael Kötter. Wie berichtet, waren Mitte März an den Bussen, die Schüler zur Georg-Müller-Schule transportierten, unter anderem Mängel an der Lenkung, Rostschäden und defekte Bremsen entdeckt worden. Der eine Bus, ein 34-Sitzer, soll nie mehr auf die Straße zurückkehren. Der zweite Bus, ein 49-Sitzer, wird nach Angaben von Busunternehmer Carsten Mie­trach derzeit repariert – und könnte dann nach erfolgreicher Prüfung durch die Ordnungsbehörde wieder eingesetzt werden.

Mie­trach weist darauf hin, dass die letzte Sicherheitsüberprüfung der beiden Schulbusse durch die Überwachungsorganisation GTÜ erst im Januar über die Bühne ging – und »keine erkennbaren Mängel« ergeben habe. »Ich habe mich darauf verlassen«, sagt Mie­trach. Zudem gebe es regelmäßige Inspektionen der Busse. Darüber hinaus glaubt Mietrach, dass auch Schnee, Eis und Streusalz zu Beschädigungen am Bus beigetragen haben.

Sicherheitsüberprüfung der GTÜ erst im Januar

Er wolle den Vorfall nicht herunterspielen, betont Mietrach. Aber er sagt auch, dass die alle drei Monate stattfindende Sicherheitsüberprüfung der GTÜ in Bielefeld leider nicht sehr lange dauere und nur von einer Person erledigt werde. Dagegen sei eine Verkehrskontrolle durch die Polizei sehr zeit- und personalintensiv – und es werde in jeden Winkel geschaut. »Da kommt man gleich mit dem großen Hammer.« Die GTÜ wollte sich gestern auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage nicht äußern.

Unterdessen gibt es in der kommenden Woche ein Gespräch zwischen der Georg-Müller-Schule und Mietrach. Der Trägerverein der Schule wolle nach einer Prüfung darüber entscheiden, ob die Zusammenarbeit mit dem Busunternehmen fortgesetzt werde, berichtet J. Michael Pieper, Geschäftsführer des Trägervereins. Das Unternehmen Mietrach habe bereits alle Busse in externen Werkstätten untersuchen lassen. Die Prüfberichte liegen dem Verein vor.

Pieper hofft weiterhin, auch eine Stellungnahme der GTÜ zum Sachverhalt zu bekommen. Unterdessen seien die Lehrer angewiesen worden, auf das Ablaufdatum der Prüfplaketten zu achten, die auf den Schulbussen angebracht sind.

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