Der RTL-II-Trödeltrupp feilscht mit 600 potenziellen Käufern Lahme Unterhaltung

Bielefeld (WB). Seit zehn Jahren und in mehr als 700 Sendungen durchforstet auf RTL II schon der Trödeltrupp Keller, Dachböden und Messie-Häuser auf der Suche nach wertvollen Schätzen. Weil die mediale Vermarktung weit über die Fernseher hinausgehen soll, veröffentlicht der Trödeltrupp um Mauro Corradino, Sükrü Pehlivan und Otto Schulte in diesem Monat sein erstes Buch und geht auf eine kleine Live-Tournee.

Von Kerstin Panhorst
Otto Schulte, Sükrü Pehlivan und Mauro Corradino (von links) haben auf RTL II in mehr als 700 Sendungen Trödel aufgespürt und verkauft. Jetzt ist das Trio auch live auf der Bühne unterwegs. Eine Station war am Dienstag die Stadthalle.
Otto Schulte, Sükrü Pehlivan und Mauro Corradino (von links) haben auf RTL II in mehr als 700 Sendungen Trödel aufgespürt und verkauft. Jetzt ist das Trio auch live auf der Bühne unterwegs. Eine Station war am Dienstag die Stadthalle. Foto: Thomas F. Starke

In der Bielefelder Stadthalle feierte »Der Trödeltrupp Live Tour 2018 – Aus alten Sachen Kohle machen!« nun seine Premiere und enttäuschte nicht nur mit einem halb leeren Haus, sondern vor allem mit einer schlecht gemachten und unterhaltungsarmen Show.

Ein wenig Expertenwissen über die richtige Vermarktung von Trödel über Internet, Flohmarkt und Fachhandel, Einschätzungen zu wertvollen Schätzen (Ming-Vasen, komplette Lego-Bausätze und Nintendo-Konsolen) und Plunder (Nähmaschinen, Standuhren und Geschirr), viele Video-Einspieler aus den eigenen alten Sendungen sowie einige Geschichten hatten die Verhandlungsprofis aneinander gereiht.

Sükrü Pehlivan erzählt von Erlebnissen aus seinem Goldhandel, von einem vermeintlich spektakulären Geschäft über zwölf Kilogramm Edelmetalle, die sich am Ende als Waschmaschine entpuppten, weil der Kunde den Unterschied zwischen Edelstahl und Edelmetall nicht kannte.

Gags bewegen sich auf niedrigem Niveau

Otto Schulte berichtet von einer Kellerentrümplung, bei der er den falschen Keller eines Mehrfamilienhauses ausräumte, und Mauro Corradino hat eine Anekdote über einen hässlichen Papagei aus Meissner Porzellan parat, den er für 1500 Euro kaufte und in derselben Minute mit dem Arm touchierte und auf den Boden beförderte. »Ich hab aus der Manufaktur eine Manufraktur gemacht«, witzelt Mauro über sein Ungeschick und trifft damit genau die Messlatte für die Witzqualität.

Denn die Gags des Trödeltrupps bewegen sich auf ähnlich niedrigem Niveau wie seine darstellerischen Künste. Nicht nur der pennälerartige Humor, sondern auch das zeitweise an ein sehr steifes und schlecht aufeinander eingespieltes Schultheaterensemble erinnernde Trio laden eher zum Fremdschämen ein als zum Genuss der Show. Richtig Stimmung kommt deshalb auch nur in den Momenten auf, in denen sich die drei Trödler von ihrem schlecht verinnerlichten Skript lösen und die Interaktion mit dem Publikum suchen.

Ungeschickte Parodie von »Bares für Rares«

In einem kleinen Quiz über den Wert von Teppichen, Gemälden oder Vasen raten die Besucher mit, und einige von ihnen haben sogar kleine Schätze mitgebracht. Gabriele aus der ersten Reihe hat ein Badezimmerschränkchen in Türkis dabei, André zwei Porzellanschalen, die er schätzen lassen möchte.

Doch anstatt einfach mit ihren Gästen auf der Bühne natürlich und ungezwungen zu feilschen, setzt das Trio eine andere Idee um und verkleidet Otto mit angeklebtem Zwirbelbart als Horst Lichter.

Die ZDF-Konkurrenz direkt zu zitieren und ungeschickt zu parodieren, erweist sich dann auch als ungeschickter Schachzug: Im Vergleich zur Live-Version des Trödeltrupps erscheint das betulich-charmante »Bares für Rares« als wahres Kleinod deutschen Unterhaltungsfernsehens, und man wünscht sich nur, der echte Lichter würde aus der Kulisse springen, den drei Trödlern die Händlerkarte entziehen und sie auf ihre Plätze verweisen. Im Fernsehen mag dieser Trödeltrupp funktionieren, auf der Bühne wird er leider selbst zu wertlosem Plunder.

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