Ferientage im Dorf Sentana vermitteln wertvolle Erfahrungen Ausmisten, füttern und streicheln

Bielefeld (WB). Ganya Mira streckt ihre Hand aus: »Iiih, ich will das weghaben«, sagt sie. Dabei ist ihre Hand nur nass – wie das Fell des Esels, den sie gerade gestreichelt hat. Aber das ist eben eine neue Erfahrung.

Von Sabine Schulze
Nasir kuschelt gerne mit den weichen Schafen. Kein Wunder: Er hatte in seiner Heimat ein eigenes Schaf..
Nasir kuschelt gerne mit den weichen Schafen. Kein Wunder: Er hatte in seiner Heimat ein eigenes Schaf.. Foto: Mike-Dennis Müller

Die Sechsjährige gehört zu einer kleinen Kinderschar, die die erste Woche der Osterferien im Dorf Sentana verbracht hat, dem Begegnungs- und Gnadenhof am Betheler Quellenhofweg. Einem Esel ist Ganya Mira bislang noch nie so nahe gekommen wie hier. Trotzdem hat sie »Hermine« ohne Scheu gestreichelt. »Aber nur, wenn sie mich nicht anguckt.«

Möglich gemacht hat das besondere Ferienerlebnis für Ganya, Ramez, Nasir und acht andere Kinder eine Kooperation zwischen der Sentana-Stiftung und dem Verein »Tabula«, der sich für Bildungsgerechtigkeit einsetzt und sozial benachteiligte Kinder unterstützt.

Kinder ohne Naturerfahrung

»Die Tage im Dorf Sentana sind für diese Kinder etwas Besonderes«, sagt Tabula-Geschäftsführerin Sigrid Zinser. Wer kann schon nach den Ferien in der Schule erzählen, dass er einen Stall ausgemistet hat, kleine Schafe gefüttert und mit einem Esel gekuschelt hat? Nasir und seine Schwester Xalfa haben da keinerlei Berührungsängste: Ihre Familie hatte in ihrer Heimat, dem Irak, selbst Schafe. »Viele Schafe. Ich hatte sogar ein eigenes«, erzählt Nasir.

Wenn es darum geht, einen Stall auszumisten und dabei vielleicht auch einmal so ein Schaf oder einen Esel beiseite zu schieben, zögert er daher gar nicht. Josie ist da schon etwas zurückhaltender: Anschauen: ja. Streicheln: nur, wenn es sich um ein Lämmchen handelt und sonst kein größeres Tier in der Nähe ist.

»Einige der Kinder haben keinerlei Naturerfahrungen«, sagt Sigrid Zinser. Die machen sie hier im Dorf Sentana zum ersten Mal – inklusive Spielen im Matsch und Erkundungen (natürlich begleitet) des nahegelegenen Waldes. Mit Tieren zu kuscheln, ihnen Stroh aus dem Fell zu zupfen, zu lernen, wie man sie pflegt und füttert – das ist eine wertvolle Erfahrung mit allen Sinnen. »Spielerisch lernen sie außerdem Regeln, Empathie, Fürsorge und Verantwortung«, sagt Tina Pahl, Pädagogin bei Sentana und Fachfrau für »tiergestützte Intervention«.

Auch viel zu lernen

Gerne lassen sie sich auch Geschichten von den Tieren auf dem Gnadenhof erzählen: von dem, das noch vom Schlachthof hierher kam oder von dem Lamm, das vom Mutterschaf nicht angenommen wurde. Und manchmal beziehen sie solche Geschichten auch auf sich, erzählt Tina Pahl.

Aber auch wenn Osterferien sind: Ein bisschen »Schule« gibt es für die Tabula-Kinder auch: Zu Esel, Schaf, Ziege oder Schwein gibt es »Steckbriefe«, in denen man mehr erfährt – zum Beispiel über »Hansi« und seine Artgenossen. Hansi ist ein veritabler Eber, der die Kinder schon durch seine Größe beeindruckt hat. Da tritt man schon einmal respektvoll etwas zurück. Allemal haben die Kinder diese Ferientage genossen: »Sie haben erzählt, dass sie sich auf jeden Tag gefreut haben«, sagt Sigrid Zinser.

Die Kooperation mit Sentana soll fortgesetzt werden. Auch in den nächsten Ferien sollen Kinder die Chance haben, Tieren nahezukommen und etwas über sie zu lernen. Dazu werden wieder Grundschulen angeschrieben, die den Kontakt zu Familien vermitteln. Außerdem gibt es reguläre Besuchszeiten: freitags und samstags von 14 bis 17 Uhr.

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