Prozessauftakt um brutale Tat: Opfer den Schädel zertrümmert Gewalttäter soll in Sicherungsverwahrung

Bielefeld (WB/swa). Während eines Streits in der Sennestädter Alkoholikerszene soll ein 40-jähriger Bielefelder seinen Kontrahenten (51) derart niedergeschlagen haben, dass dieser nach starken Hirnblutungen lebenslang ein Schwerstpflegefall bleiben wird. Für den potenziellen Schläger geht es seit Donnerstag vor dem Landgericht um die Frage, ob er auf Dauer inhaftiert wird.

Landgericht BIelefeld.
Landgericht BIelefeld. Foto: Thomas F. Starke

Dieses Bestreben verfolgt Staatsanwalt Christopher York mit seiner Anklage. Er wirft dem Bielefelder schwere gefährliche Körperverletzung vor und attestiert dem gebürtigen Hessen »einen Hang, weitere erhebliche Straftaten zu begehen.« Daher strebt die Staatsanwaltschaft neben der eigentlichen Verurteilung wegen der Gewalttat die Anordnung einer Sicherheitsverwahrung an. Der 40-Jährige würde auf unbestimmte Zeit einsitzen.

Beim Prozess am Landgericht geht es um eine Tat vom 27. Juli 2017. Abends trafen sich vor der Filiale eines Textil-Discounters am Sennestadtring um die zehn Personen zum Zechgelage und wohl auch zum Konsum von anderen Drogen. Der Angeklagte soll neu in der Szene gewesen sein.

Gegen 20.45 Uhr an jenem Sommerabend soll auch das spätere Opfer zur Gruppe gestoßen sein. Der bereits stark alkoholisierte 51-Jährige sei schnell durch Provokationen, Beleidigungen und auch tätlichen Angriffen aufgefallen, so Zeugenaussagen. Der Aufforderung des Angeklagten sich zu entfernen folgte der unerwünschte Besucher nicht. Nach einer anfänglichen Schubserei soll der 40-Jährige nach Ansicht von Staatsanwalt York schließlich mindestens fünf Mal gezielt gegen den Kopf des Mannes geschlagen haben, woraufhin das dieser zu Boden ging. Anschließend flüchtete der Täter.

Trinkkumpane leistete vor Ort Erste Hilfe

Ein Trinkkumpane leistete vor Ort Erste Hilfe. »Er hat aus allen Öffnungen so viel Blut verloren, daher habe ich ihn sofort in die stabile Seitenlage gebracht«, sagte der 39-Jährige vor Gericht aus. Mit dem Notarzt sei der 51-Jährige schließlich in ein Krankenhaus gebracht worden. Aufgrund einer Hirnblutung bestand akute Lebensgefahr. Es entstanden Brüche an Nase, Augenhöhe, am Kieferknochen und an der Schädeldecke. Auch Tritte konnte der Rechtsmediziner nicht ausschließen. Für das Opfer sind die Folgen gravierend: die Anklage spricht von »irreversiblen Hirnschädigungen«, aufgrund derer eine Kommunikation unmöglich ist und der 51-Jährige ein Schwerstpflegefall bleiben wird.

Verteidiger Dr. Carsten Ernst beantragte erfolgreich die Vernehmung des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Lebensgeschichte sei gekennzeichnet von Straftaten, die nicht alle bekannt werden müssten.

Klar ist bisher nur, dass der Bielefelder seit seinem 15. Lebensjahr straffällig geworden ist. 13 Vorstrafen, unter anderem wegen Körperverletzung und Vergewaltigung, schlagen zu Buche, weshalb die Staatsanwaltschaft nun die dauerhafte Sicherungshaft für den Gewalttäter anstrebt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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