Tausende Deutsche tragen Namen wie Deppendorf, Milse oder Jöllenbeck
»Gestatten, ich heiße wie ein Stadtteil«

Bielefeld (WB). In Deppendorf ist Ulrich Deppendorf noch nie gewesen. Dabei besitzt der frühere Leiter des ARD-Hauptstadtstudios sogar ein Ortsschild mit dem Namen. Der Journalist ist einer von Tausenden Menschen, die wie ein Bielefelder Stadtteil heißen.

Mittwoch, 31.01.2018, 11:00 Uhr
Zum Abschied als WDR-Fernsehdirektor erhielt Ulrich Deppendorf 2007 von seinen Mitarbeitern ein besonderes Ortsschild. Er sagt schmunzelnd: »Ich bin einer der ganz wenigen, der seinen eigenen Ortsteil hat.« Foto: Bernd-Michael Maurer/WDR

Der Namensforscher Prof. Jürgen Udolph kann erklären, warum Menschen nach Stadtteilen benannt wurden. »Wenn Menschen damals ihren Heimatort verließen, wurden sie danach benannt«, erklärt der Leiter des Zentrums für Namensforschung in Leipzig. In der Regel sei der Nachname im »Umkreis von bis zu 40 Kilometern« des Stadtteils besonders stark verbreitet.

Da es allerdings auch Stadtteilnamen wie Dornberg oder Brake gebe, die häufiger in Deutschland vorkommen, sei nicht immer klar, aus welchem Ort sich der Nachname ableite. Bei Deppendorf sieht Udolph aber eine »klare Ableitung« des Namens vom Bielefelder Stadtteil Niederdornberg-Deppendorf.

Ulrich Deppendorf: Ortsschild steht heute im Keller

TV-Journalist Ulrich Deppendorf hat zumindest auch Verwandte in Ostwestfalen. »Die Familie meines Vaters stammt aus Löhne.« Er selbst ist aber in Essen und Duisburg aufgewachsen. Bereits die WDR-Kabarettshow »Mitternachtsspitzen« lieferte eine humorvolle Anspielung auf seinen Nachnamen. So trat Wilfried Schmickler in den Sendungen als »Uli aus Deppendorf« auf. »Darauf wurde ich dann auch häufig angesprochen«, berichtet Ulrich Deppendorf schmunzelnd. Bei Anspielungen auf seinen Nachnamen sagt er gerne: »Ich bin einer der ganz wenigen, der seinen eigenen Ortsteil hat.«

Nicht in Deppendorf, aber zumindest in Bielefeld war der 67-Jährige schon. »Ich habe damals über den legendären Grünen-Parteitag berichtet«, erinnert er sich. Es war im Jahr 1999, als der damalige Außenminister Joschka-Fischer beim Kosovo-Sonderparteitag in der Seidenstickerhalle von einem Farbbeutel getroffen wurde. Zu seinem Abschied als WDR-Fernsehdirektor erhielt Deppendorf im Jahr 2007 von seinen Mitarbeitern ein Ortsschild von Niederdornberg-Deppendorf. »Das steht heute noch bei mir im Keller.«

Der Name Milse ist auch in Singapur ein Thema

Anspielungen auf seinen Namen kennt auch der Bielefelder Moderator Thomas Milse (51). Bei einem Aufenthalt in Singapur hatte er ein unvergessliches Erlebnis: »Da begrüßte mich die Hotel-Rezeptionistin auf Deutsch mit den Worten ›Milse? Und dann auch noch aus Bielefeld!‹ Da war ich völlig baff.« Kurze Zeit später erklärte die Rezeptionistin, dass sie zwar gebürtig aus Asien stamme, aber in OWL ihre Hotelfachausbildung abgeschlossen habe.

Besonders gefreut hat sich Milse auch immer darüber, dass die Stadtbahnen der Linie 2 früher den Zielnamen Milse als Aufschrift trugen. Nach dem Ausbau nach Altenhagen hat sich dies aber geändert. »Jetzt fahre ich aus Protest nur noch Auto«, sagt Thomas Milse schmunzelnd.

Auch in Brasilien gibt es Menschen mit dem Namen Sudbrack

Forscher Udolph nimmt aufgrund der Namensstreuung an, dass sich auch der Nachname Milse vom Bielefelder Stadtteil ableitet. Bei Sudbrack ist er sich sogar sicher. Dabei wohnt zum Beispiel Gert Sudbrack gut 200 Kilometer Autofahrt entfernt von dem Stadtteil. Der 67-jährige lebt in Apen – zwischen Oldenburg und Leer. »Die Familie meines Vaters Heinz Sudbrack kommt aus Essen. Er hat mir davon erzählt, dass es einen Stadtteil mit unserem Namen in Bielefeld gibt«, sagt Gert Sudbrack.

In Bielefeld ist er noch nie gewesen. »Aber ich weiß zum Beispiel, dass es den Sudbrackfriedhof gibt.« Anhand der Familienchronik sei für ihn nicht nachzuvollziehen, inwiefern er mit den vielen Bielefeldern verwandt ist, die Sudbrack heißen. Zumindest hat sein Neffe Ralf Sudbrack bei einer Weltreise herausgefunden, dass es sogar in Brasilien Menschen mit dem Nachnamen Sudbrack gibt.

Hans-Rudolf Holtkamp erinnert sich an Sitzung in Holtkamp

Nach Menschen mit dem Nachnamen Holtkamp muss man in Bielefeld nicht lange suchen: Hans-Rudolf Holtkamp (70) ist ehemaliger Geschäftsführer der Bielefeld Marketing GmbH. Als Verwaltungspraktikant beim früheren Amt Brackwede sei er in den 60er Jahren auch für das Kirchspiel Isselhorst mit der Ortschaft Holtkamp zuständig gewesen. Und auch an eine Sitzung in der früheren Schule Holtkamp kann er sich erinnern. »Ich wurde auch schon gefragt: ›Hast Du einen eigenen Ortsteil?‹«, sagt Holtkamp.

Der Nachname Holtkamp geht nach Angaben von Prof. Udolph nicht nur auf den Brackweder Ortsteil zurück. »Hier dürften mehrere Ortsnamen eine Rolle spielen«, sagt der Forscher. So gibt es zum Beispiel auch einen Stadtteil Holtkamp in Wuppertal.

Fußball-Schiri Matthias Jöllenbeck pfiff schon DSC-Spiele

Die Ableitung des Nachnamens Jöllenbeck aus Ostwestfalen sei dagegen »ziemlich sicher«. Allerdings existiert Jöllenbeck nicht nur in Bielefeld, sondern ist auch ein Ortsteil der Stadt Löhne. Einer der bekanntesten Namensträger ist Dr. Matthias Jöllenbeck.

Der Fußball-Schiedsrichter hat schon 14 Spiele der zweiten Liga gepfiffen. Viermal leitete er Heimpartien der Arminia in der Schüco-Arena. »In Bielefeld haben mich Zuschauer schon beim Warmlaufen auf meinen Nachnamen angesprochen«, erinnert er sich. Der 30-jährige Arzt aus Freiburg hat keine Verwandten in Bielefeld – und war auch noch nie in Jöllenbeck. Aber zumindest die Jöllenbecker Straße hat er schon befahren. »Und von der Straße habe ich natürlich auch gleich ein Foto gemacht.«

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