Interview zum 50-jährigen Bestehen der Kunsthalle Meschede: »Ich verspreche, keine Nervensäge zu sein«

Bielefeld (WB). Die Kunsthalle Bielefeld feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum . Das Museum wurde am 27. September 1968 eröffnet – nach jahrzehntelanger Planung und unter Protest. Was die Kunsthalle plant und hofft, darüber sprach WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Burgit Hörttrich mit dem Direktor des Hauses, Dr. Friedrich Meschede.

Auftakt des Jubiläumsjahres: Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede steht Rede und Antwort.
Auftakt des Jubiläumsjahres: Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede steht Rede und Antwort. Foto: Bernhard Pierel

Welche Erwartungen haben Sie an das Jubiläumsjahr der Kunsthalle?

Friedrich Meschede: Hohe Erwartungen. Das Jubiläum ist Dauerbrenner in diesem Jahr. Wenn wir anschließend Bilanz ziehen, erhoffe ich mir eine höhere Identifikation der Bielefelder mit ihrer Kunsthalle, die sie entweder neu oder für sich wiederentdeckt haben. Vorbild sind dabei die Frankfurter Museen, denen es gelungen ist, das Bürgertum zu gewinnen, das sich auf ideale Weise mit den Museen identifiziert. Wenn wir Ähnliches zumindest ansatzweise erreichen, dann bin ich zufrieden.

Ist die Jubiläumsausstellung mit Werken aus dem Eigenbesitz eine Möglichkeit für das Publikum zu sehen, über welche Arbeiten die Kunsthalle verfügt oder ist diese Ausstellung eher dem knappen finanziellen Etat geschuldet?

Meschede: Der künstlerische Anspruch und die Finanzierbarkeit sind immer ein Balanceakt, der in der Vorbereitung einer Ausstellung austariert werden muss. Die Jubiläumsausstellung mit dem Titel »50« soll aber auch einen gewissen Stolz darauf erzeugen, welche bedeutenden Werke sich in der Sammlung der Kunsthalle befinden. Viele davon vermutet man vielleicht in London, Berlin oder New York, nicht aber in Bielefeld. Der Schwerpunkt der Ausstellung soll die deutsche und die europäische Malerei werden – im Gegensatz zu der erfolgreichen Schau »Unsere Amerikaner«. Die Kunsthalle kann sich nicht dauernd Ausstellungen etwa wie die aktuelle – »Der böse Expressionismus« – erlauben. Sie ist ein großer Besuchererfolg, aber noch nicht finanziert. Dafür muss das Besucherinteresse weiter anhalten. Ich will aber nicht immer klagen. Schließlich gelingt es dem Team der Kunsthalle, mit hoher Effizienz das Optimum aus dem heraus zu holen, über das wir verfügen können.

Zeigen Sie die Werke aus dem Eigenbesitz auch, um den Besuchern noch einmal vor Augen zu führen, wie wichtig eine Erweiterung ist – auch, um einer Dauerausstellung Raum zu geben?

Meschede: Ja, sicher. Aber ich will mit der Erweiterung nicht weiter drängen, verspreche, in diesem Jubiläumsjahr keine Nervensäge zu sein. Aber es ist unbestreitbar, dass eine Dauerausstellung unbedingt Teil eines Kunstmuseums sein müsste. Die Kunsthalle Bielefeld ist auf dauernden Wechsel angewiesen. Mit mehr Ausstellungsfläche könnten wir auch Sammlungsschwerpunkte aus dem Eigenbesitz setzen.

Was erhoffen Sie sich in diesem Jubiläumsjahr von der Stadt? Etwa im baulichen Bereich. Gehen Sie davon aus, dass die Sanierungsarbeiten weiter gehen? Schließlich gibt es dafür einen Etat im städtischen Haushalt.

Meschede: Ich erhoffe mir vertrauensvolles Engagement von Verwaltung und Politik. Die Kunsthalle ist kein Orchideenthema am Rande, sondern hat eine zivilgesellschaftliche Aufgabe. Ich wünsche mir, dass die Politik vorsichtig ist in dem, was sie redet und in Äußerungen nicht dem Populismus anheimfällt. In diesem Jubiläumsjahr gibt es keine Sanierungsarbeiten, unter Umständen aber 2020 und 2021 bei dann eingeschränkten Öffnungszeiten.

Was ist die Ihrer Meinung nach dringendste Sanierung?

Meschede: Dach und Depot. Das Dach ist zwar in den 1990er Jahren saniert worden, aber da muss man ran. Und die Depot-Frage muss gelöst werden, denn unsere Magazine sind rappelvoll. Die Kunsthalle ist offen für ein Zentraldepot, erste Gespräche sind geführt worden. Die Ausstellungsetagen sind noch in Ordnung. Von der Fassade geht keine Gefahr aus und die Klimaanlage funktioniert einwandfrei, ist aber ein enormer Energiefresser und deshalb ein Kostenfaktor.

Verbinden Sie mit dem Jubiläum auch überregionale Werbung für die Kunsthalle und erhoffen Sie sich dadurch einen deutlichen Besucheranstieg?

Meschede: Ich sehe unseren Einzugsbereich in einem Radius von 100 Kilometern. Wir haben eine recht hohe Besucherfrequenz aus Niedersachsen. Vorgesehen ist eine gezielte, regionale Werbung, um die Kunsthalle als kunsthistorisches Zentrum in Ostwestfalen-Lippe neu ins Bewusstsein zu rücken.

Planen Sie auch begleitend zu den Ausstellungen zum Beispiel (Vortrags-)Reihen zur Geschichte der Kunsthalle?

Meschede : Es ist schwierig geworden, selbst für prominente Redner Publikum zu finden. Deshalb verzichten wir auf Jubiläums-Vorträge, stärken dafür aber die Kunsthallen-Präsenz in den sozialen Medien. Dank finanzieller Unterstützung des Förderkreises ist es möglich, im Jubiläumsmonat September einen Architekturführer zur Kunsthalle in kundenfreundlichem Format herauszugeben. Es gibt eine Gebäudebeschreibung, ein Essay über das Verhältnis zwischen Philip Johnson und Cäsar Pinnau, dem Hausarchitekten des Oetker-Konzerns und eine Chronologie der Kunsthallen-Geschichte, die ich schreibe. Sie beruht auch aus Briefen aus den 50er und 60er Jahren, die ich dafür ausgewertet habe. Außerdem gibt es ein Relaunch der Kunsthallen-Website mit einem neuen Konzept im iPhone-Stil. Die neue Website soll voraussichtlich im April frei geschaltet werden.

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