Dachdecker im Stress – immer noch Haushalte ohne Strom Das große Aufräumen

Bielefeld (WB). Orkantief »Friederike« ist weitergezogen und abgeflaut, das große Aufräumen in Bielefeld dauert aber noch an. Auch am Wochenende werden zahlreiche Haushalte noch ohne Strom sein, die Osningstraße muss gesperrt bleiben.

Von Sabine Schulze
Bernd Schneevoigt (links) und Slawa Matwejew decken das Dach eines Sportstudios an der Stadtheider Straße neu.
Bernd Schneevoigt (links) und Slawa Matwejew decken das Dach eines Sportstudios an der Stadtheider Straße neu. Foto: Bernhard Pierel

»Die Aufräumarbeiten dort dauern an, weil in Höhe Eiserner Anton sehr viele Bäume umgestürzt sind oder drohen umzustürzen«, sagt Sven Johanning vom Landesbetrieb Straßen NRW. Die Stadtwerke waren und sind »mit Mann und Maus« im Einsatz, so Sprecher Marcus Lufen. Mehrere hundert Haushalte um Peter auf’m Berge, in Lämershagen, Steinhagen, Werther, Senne und Quelle waren von den Stromausfällen betroffen.

»Wir werden vor dem Wochenende nicht alle wieder an das Netz bekommen«, sagte Stadtwerke-Sprecherin Lisa Schöniger, auch wenn unter Hochdruck gearbeitet werde. »Es gilt weiter, dass beschädigte Leitungen nicht angefasst werden sollten, es kann noch Strom darauf sein.« Dann droht Lebensgefahr. Die Stadtwerke bitten ihre Kunden, nur neue Schäden zu melden und nicht telefonisch nachzufragen, wann sie wieder am Netz sein würden.

Bei der Stadtwerke-Tochter Mobiel lief der Verkehr am Freitagwieder (fast) normal, lediglich die Buslinie 30 in Lämershagen war bis zum Nachmittag noch unterbrochen. Auch dort waren viele Bäume umgestürzt.

Gartenhütte im Dach

Alle Hände voll zu tun hatten auch die Dachdecker. »Die Telefone standen nicht still«, sagt Martin Lang, Obermeister der Innung. Er geht davon aus, dass die Dachdecker auch am Wochenende im Einsatz sein werden. »Es ist einfach die Masse.«

Am Donnerstag, während des Sturms, konnte eigentlich kein Mitarbeiter auf ein Dach geschickt werden. Nur in einem Fall hat Lang eine Ausnahme gemacht: »In Deppendorf war eine Gartenhütte 400 Meter weit auf ein Dach geflogen, da haben wir gesichert.« Ansonsten heißt es auch hier: Eins nach dem anderen abarbeiten. »Wenn man das stadtteil- oder straßenweise organisiert, schafft ein Team fünf bis acht Schäden am Tag.« Ausdrücklich warnt er davor, selbst auf das Dach zu steigen. Grundsätzlich, sagt Lang, müssten fehlende Dachziegel ersetzt werden: »Sonst hat der nächste Sturm eine um so bessere Angriffsfläche.« Neue Dächer würden ohnehin verklammert, da passiere nur in sehr exponierten Lagen etwas.

450 Feuerwehreinsätze

Deutlich über 450 Einsätze hatte die Feuerwehr wegen »Friederike« zu absolvieren, sagte Branddirektor Bernd Heißenberg. »Und wir sind noch nicht am Ende.« Mancher Schaden konnte am Donnerstag nicht mehr abgearbeitet werden, weil es dunkel und damit gefährlich wurde, manches wurde nachgemeldet. »Die Böden sind noch weich, da sackt noch etwas nach.« Erfreuliche Nachricht für die Feuerwehr: Keiner der Kameraden wurde verletzt. »An der Schloßhofstraße mussten allerdings Kameraden zur Seite springen, als ein Baum kippte.« Heißenberg warnt: Bei Windböen verursachen schon kleine Äste, die herumfliegen, böse Schnittwunden.

Polizeileitstelle überlastet

228 Meldungen gingen bei der Polizei ein, aus allen Stadtteilen wurden umgestürzte Bäume, abgelöste Plakatwände, umgewehte Schilder, herabgefallene Dachziegel gemeldet. Die Polizei war im Dauereinsatz, die Telefonleitungen der Einsatzleitstelle zeitweise überlastet. »Das führte zu Wartezeiten am Telefon, aber auch an den Einsatzorten«, sagen Polizeisprecher Hella Christoph und Michael Kötter in ihrer Bilanz.

Im Übergang vom Ostwestfalendamm zur A33 waren Absperrbaken umgestürzt, die eigentlich den Verkehr leiten sollten. Am Kesselbrink stürzte ein Baugerüst um, an der Kreuzung Viktoria- und Teutoburger Straße war ein Bauzaun umgeweht. In Brake landete ein Lkw an der Engerschen Straße im Vorgarten eines Wohnhauses, in Theesen hatte sich ein Trampolin selbstständig gemacht. In der Schwagerstraße in Jöllenbeck war ein Verkehrszeichen umgekippt und hatte dadurch Gehwegplatten aus ihrem Bett gedrückt; die standen als Stolperfalle hoch. In Sennestadt stürzten am Senner Hellweg während einer Trauerfeier Bäume um und behinderten auf dem Parkplatz die dort abgestellten Autos der Trauergemeinde.

Nach wie vor in Lebensgefahr schwebt der Autofahrer, auf dessen Honda Civic auf der Buschkampstraße ein 20 Meter langer Baum gestürzt war. Der 25-Jährige aus Rüthen wurde eingeklemmt. Die Feuerwehr befreite ihn und brachte ihn in das Traumazentrum des Evangelischen Klinikums Bethel. Eine gute Nachricht gibt es für Freunde des Tierparks Olderdissen: Der ist seit gestern Nachmittag wieder geöffnet, die Sturmschäden weitgehend beseitigt. Geschlossen bleiben lediglich noch die begehbaren Tiergehege.

Geschlossen bleiben bis auf Weiteres der Sennefriedhof und der Waldfriedhof Sennestadt. Die Friedhöfe Sieker, Schildesche, Quelle, Lämershagen und Johannisfriedhof werden voraussichtlich im Laufe der kommenden Woche wieder geöffnet. Bestatttungen sollen gleichwohl durchgeführt werden können: Mitarbeiter werden die Trauergemeinde auf sicheren Wegen zur Grabstätte geleiten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.