Wechsel im Tierpark Olderdissen – Raben sollen für Nachwuchs sorgen – mit Video Luchskatze Frieda geht, Kolkrabe Adele kommt

Bielefeld (WB). Es scheint, dass Luchskatze Lea und ihre Söhne Fritz und Ole es nicht fassen können: Sie streichen durch das Gehege und rufen. Denn eine fehlt: Frieda. Sie ist gerade in eine Transportkiste verfrachtet worden. Ihr Ziel: der Wildpark Schwarze Berge.

Von Sabine Schulze
Frieda im Luchs-Haus. Noch ahnt sie nicht, dass sie bald eine Reise antreten wird.
Frieda im Luchs-Haus. Noch ahnt sie nicht, dass sie bald eine Reise antreten wird. Foto: Bernhard Pierel

Ein Kommen und Gehen war gestern im Tierpark Olderdissen: Einen weiblichen Kolkraben hat der Tierpark von »Schwarze Berge« im Süden Hamburgs bekommen, dafür quasi im Tausch eine Luchskatze dorthin abgegeben.
Zuerst hat Maik Elbers, Leiter der Tierpflege in Schwarze Berge, gestern eine Kolkraben-Henne in ihrer neuen Voliere aus ihrer Transportkiste befreit, sofort schwang sie sich auf einen Ast. Tierpfleger Robert Schlak wird in den kommenden Tagen ein Auge auf sie haben. Acht Jahre alt ist die Henne, die künftig dem »alteingesessenen« Kolkraben Konrad Gesellschaft leisten soll.

Gesellschaft für Konrad

Der ist nämlich seit Dezember, als seine langjährige Partnerin Karin starb, alleine. Zwar zählt Konrad schon 31 Jahre – und ist damit deutlich älter als Kolkraben sonst selbst in Tierparks werden –, hat aber in den vergangenen Jahren zuverlässig für Nachwuchs gesorgt. Darauf hofft Tierparkleiter Herbert Linnemann auch künftig dank der neuen Partnerin. Die war bislang namenlos, wurde gestern aber spontan auf Adele getauft. Wenn Konrad und Adele tatsächlich Junge ausbrüten – im Schnitt sind es drei bis sechs Eier pro Gelege –, soll ein Jungtier zurück nach »Schwarze Berge« gehen. Maik Elbers hat jedenfalls schon einmal den Wunsch geäußert.

Maik Elbers (links) holt vorsichtig Kolkraben-Henne Adele aus der Transportkiste, Robert Schlak ist künftig für ihre Pflege zuständig.

Das erste Kennenlernen des Kolkraben-Pärchens gestern scheint jedenfalls gelungen: Konrad kreiste aufgeregt in seiner Voliere, in der sich plötzlich auch menschliche Besucher tummelten, flog von Ast zu Ast und suchte sofort den Kontakt zu Adele. Die nahm erst einmal Reißaus, duldete nach und nach aber mehr Nähe. Hebert Linnemann beobachtete die beiden gespannt: »Das ist auch für mich das erste Mal, dass ich eine Verpaarung von Kolkraben erlebe.«
Abschied nehmen hieß es dagegen im Luchsgehege: Frieda, im vergangenen Jahr geboren, wurde nach Schwarze Berge »entführt«. Zunächst lockte Raubtierpflegerin Andrea Günnemann alle Luchse in ihr Haus. Dort können Schieber in einzelne Abteilungen abtrennen. Frieda wurde zunächst in einer Abteilung isoliert. Dann wurde der Schieber geöffnet, der eigentlich ins Freie führt. In ihrem Fall aber führte der Weg in eine Transportbox, in der die Katze gen Norden gebracht wurde. Dort, in dem weitläufigen Wildpark Schwarze Berge, soll sie helfen, eine Luchszucht zu begründen. Ihren künftigen Partner hat Maik Elbers gestern gleich auf einem Wege im Heimattierpark Köthen abgeholt.

Die Pille für Lea

In Olderdissen sind jetzt noch fünf Luchse daheim. »Unser Bestand umfasst jetzt den alten Kater Hannes, die 15-jährige Lea, den Kater Mats, der 2016 geboren wurde und Fritz und Ole, die aus demselben Wurf wie Frieda stammen«, listet Chef-Tierpfleger Markus Hinker auf. An ihr hatte der Wildpark Schwarze Berge auf der offenen Tauschliste der Tierparks Interesse bekundet, einen jungen Luchskater würde Olderdissen gerne auch noch abgeben. Mit »Schwarze Berge« hat man schon mehrfach Tiere ausgetauscht, etwa jüngst ein Wisent dorthin abgegeben und einen Weißstorch bekommen.
Linnemann hofft, dass es trotz der nun vier Kater im Gehege friedlich zugehen wird. Damit Lea nicht rollig wird – was für Imponiergehabe unter den Männchen sorgen würde – und womöglich Nachwuchs von den eigenen Söhnen bekommt, wird sie künftig die Anti-Baby-Pille bekommen. Ihrem Nachwuchs Frieda jammerte sie hinterher. Umgekehrt war von Frieda kein Ton zu hören: zu viel Aufregung, sie war offenbar eingeschüchtert. 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.