Eckendorfer Straße: Dekra nimmt Messungen vor – Anwalt äußert sich Tödlicher Unfall wird nachgestellt

Bielefeld (WB). Die Eckendorfer Straße ist zum Teil gesperrt, die Feuerwehr bewässert die Straße und der Obi-Baumarkt macht die Außenlichter aus: Mit großem Aufwand wird der tödliche Unfall vom Silvesterabend nachgestellt.

Von Stefan Biestmann
Uwe Hellkamp (Dekra) nimmt vom »Unfallwagen« aus Messungen mit einer Leuchtdichte-Kamera vor.
Uwe Hellkamp (Dekra) nimmt vom »Unfallwagen« aus Messungen mit einer Leuchtdichte-Kamera vor. Foto: Bernhard Pierel

Es ist Punkt 18 Uhr am Mittwochabend, als die Polizei die »Eckendorfer« zwischen Schelpmilser Weg und Am Wellbach dicht macht. Auf der Eckendorfer Straße in Höhe der Einfahrt der Gaststätte »Werning’s Hof« steht eine Menschen-Attrappe. Sie trägt die braune Jacke, den grünen Rucksack und die Schuhe des Mannes, der am Silvesterabend an dieser Stelle sein Leben verlor. Der Fußgänger (52) war um 18.18 Uhr von einem 27-jährigen Golffahrer erfasst worden.

Um den Unfallhergang zu klären, wird ein lichttechnisches Gutachten erstellt. Danach soll dann entschieden werden, ob gegen den Golffahrer wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird. »Es geht um die Frage, ab welcher Entfernung der Fahrer den Fußgänger hätte erkennen müssen«, berichtet Dekra-Unfallanalytiker Uwe Hellkamp.

Witterung passt nicht ganz

Sogar ein mit dem Unfallauto baugleicher grauer Golf wird vor Ort postiert. Die Witterung passt nicht ganz: Es ist trocken, aber zum Unfallzeitpunkt regnete es. Deswegen bewässert ein Tanklöschfahrzeug der Berufsfeuerwehr die Straße, so dass Spiegelungen auf dem Asphalt entstehen. Dies reiche aus, so Uwe Hellkamp, um passende Bedingungen für die Untersuchung zu erhalten. Schließlich würden bei den Berechnungen noch zusätzliche »Korrekturfaktoren« eingebaut, die nicht zum Nachteil des Autofahrers sein dürfen. So steht neben der Attrappe in der Ferne ein weiteres Auto, das Gegenlicht bildet.

Feyzi Evin, Anwalt des Fahrers, verfolgt ebenfalls die Messungen. »Der Unfall geht meinem Mandanten sehr nah«, sagt er. »Er würde es gerne rückgängig machen und wünscht sich, er wäre an dem Abend nicht auf die Eckendorfer Straße gefahren.«

Jetzt erfolgt Auwertung der Messungen

Jetzt sitzt Uwe Hellkamp (Dekra) im »Unfallauto« und nimmt Messungen mit einer Leuchtdichte-Kamera vor. Zunächst geschieht dies aus 55 Metern Entfernung zur Opfer-Attrappe. Denn der Bremsweg bei 70 km/h – passend zur geltenden Tempo-70-Zone – liege bei etwa 50 Metern. Dann werden in Fünf-Meter-Abständen weitere Messungen vorgenommen. In 25 Metern Entfernung zur Attrappe steigt Hellkamp um 19.05 Uhr aus dem »Unfallwagen«. »Aus dieser Entfernung war das Opfer auf jeden Fall zu erkennen«, sagt er. Hellkamp schließt damit den Test ab.

Die Dekra wertet jetzt die Messungen aus. »Das kann Wochen dauern.« Dann soll klar sein, ab welcher Entfernung der Fahrer das Opfer hätte erkennen müssen.

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