Drogenabhängiger und schizophrener Täter (19): Streit in Mehrfamilienhaus eskaliert Großmutter mit dem Tod bedroht

Bielefeld (WB/uko). Weil ein psychisch kranker Junkie in einem Mehrfamilienhaus seine eigene Großmutter bedrohte, eskalierte die Situation gewalttätig. Seit Donnerstag steht der 19-Jährige nun wegen des versuchten Totschlags vor dem Landgericht.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Die Lebenssituation des jungen Mannes geriet so sehr außer Kon­trolle, dass zum Prozessauftakt sogar der Vater des Beschuldigten als Zeuge vor der 4. Strafkammer des Landgerichts aussagte. Dabei hätte der 56-jährigte Mann selbstverständlich ein Aussageverweigerungsrecht gehabt.

In dem Mehrfamilienhaus am Niedermühlenkamp soll es schon häufiger zu Bedrohungen oder verbalen Beleidigungen durch den 19-Jährigen gekommen sein. Das berichtete eine 75-jährige Mieterin, die am 17. Juni 2016 hörte, dass der 19-Jährige seine im Erdgeschoss wohnende Großmutter mit den Worten »Alte, mach’ die Tür auf, sonst steche ich dich ab« bedrohte. Die 75-Jährige intervenierte zu Gunsten ihrer 83-jährigen Mitbewohnerin und erhielt vom 19-Jährigen einen Faustschlag auf die Nase, der ihr Nasenbein brach. Noch ärger erwischte es einen 63-jährigen Mann, den der Junkie sogar mit einem Messer am Hals verletzte. Dann erschienen dessen Vater und ein Arbeitskollege, die den jungen Mann entwaffneten und der Polizei übergaben.

Täter ist cannabisabhängig

Der cannabisabhängige Täter wird seither in einer psychiatrischen Einrichtung in Gilead betreut. Nach den Worten seines Vaters sei das »so abgesprochen, dass er vorerst nicht nach Hause zurückkehrt«. Er solle »nicht in seine alten Strukturen zurückkehren«. Er selbst habe die Veränderungen an seinem Sohn nicht bemerkt, sagte der 56-Jährige auf Fragen eines psychiatrischen Sachverständigen. Der 19-Jährige soll nach bisherigen Untersuchungen unter einer »floriden drogeninduzierten Psychose« zur Tatzeit gelitten haben und daher schuldunfähig gewesen sein. Zudem hat ein Gutachter bei ihm eine Schizophrenie im Anfangsstadium festgestellt.

Sein Sohn sei erstmals im Alter von 15 Jahren »mit Drogen erwischt worden«, sagte der Vater am Donnerstag. Er selbst habe die Veränderungen zwar bemerkt, doch sei er alleinerziehend und berufstätig, daher »waren mir die Hände gebunden«. Nach Angaben der Mieter des Hauses, in dem der junge Mann auch wohnte, sollen häufig »Schulschwänzer« auch nachts zu Besuch gewesen sein. Die 75-jährige Frau, die seit dem Vorfall noch unter Schlafstörungen leidet und in psychologischer Behandlung ist, will den Vater schon vor Jahren auf das Drogenproblem seines Sohnes aufmerksam gemacht haben.

Der Prozess soll nun im Januar 2018 fortgesetzt werden. Die Staatsanwaltschaft will dann die Unterbringung des Beschuldigten in einer Entziehungsanstalt erwirken.

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