Flüchtlinge werden heute in ihr Herkunftsland geflogen – Der Vater ist verschwunden Familie muss zurück nach Ghana

Bielefeld (WB). Aus und vorbei: Eine ghanaische Flüchtlingsfamilie aus Altenhagen soll am frühen Mittwochmorgen abgeschoben werden. Allerdings werden nur die Mutter und ihre vier Mädchen im Kleinbus zum Flughafen Düsseldorf gebracht. Der Vater (38) ist seit ein paar Tagen spurlos verschwunden. Er wird polizeilich gesucht.

Von Volker Zeiger

Das gab der Vorstand des Vereins »Altenhagen weltoffen & hilfsbereit«, der sich seit zwei Jahren um die Familie, die Asyl begehrte, bekannt. Die stellvertretende Vorsitzende Ulrike Bentrup bedauerte die neue Entwicklung.

Anträge abgelehnt

Wie im WESTFALEN-BLATT berichtet, waren Anträge der Familie auf Bleiberecht und auf Ausbildungsduldung abgelehnt worden . Eine zeitnahe Abschiebung war der Familie vor mehreren Wochen schon angekündigt worden. Sie sollte um den 8. Januar 2018 erfolgen. Ein daraufhin mit Hilfe des Vereins gestellter Änderungs- und Petitionsantrag brachte ebenso wenig eine Wende wie juristischer Beistand. Der Verein hatte eine Rechtsanwältin in quasi letzter Minute für die Ghanaer mobilisiert.

»Als wenn die Situation nicht sowieso schon schlimm genug wäre, ist jetzt auch noch der Vater abgehauen, hat die Koffer gepackt und ist weg – ohne gültige Papiere«, sagte Ulrike Bentrup soeben und fügte fassungslos hinzu: »Die Situation ist einfach unmenschlich, Weihnachten steht vor der Tür, und dann so etwas.« Gleichwohl hoffe der Verein »weiter auf ein Wunder«. 

Einen kleinen Hoffnungsschimmer sah der Verein aus Altenhagen, weil sich Entscheidungsträger gestern im Ausländeramt mit dem Fall der ghanaischen Familie noch einmal befasst haben sollen, sagte Ulrike Bentrup. Das Amt bestätigte dies dieser Zeitung gegenüber jedoch nicht.

»Die Rechtslage ist eindeutig«

Uwe Borgstädt, Sprecher der Stadt Bielefeld, ergänzte: »Es gibt keine neue Entscheidung.« Menschlich gesehen könne man das gewiss anders beurteilen, aber »die Rechtslage ist eindeutig«. Die Duldung der Familie laufe zwar am 8. Januar ab, müsse aber nicht bis zu dem Zeitpunkt aufrecht erhalten werden. Die Familie werde wie geplant abgeholt und zum Flughafen gebracht.

Der Verein »Weltoffen und hilfsbereit« kümmerte sich unterdessen weiter um die Mutter Patience Badu (24) und ihre vier Kinder Lois (3), Rosella, Richla und Rhoda (alle vier Jahre alt), die gestern zum letzten Mal die AWO-Kita in Altenhagen besuchten. »Wir haben beim Packen geholfen«, berichtet Ulrike Bentrup. Die Habseligkeiten der Familie werden in mehrere Koffern verstaut, die Kinder bekamen kleine Trollys, die sich hinter sich herziehen können. Was die Familie in Ghana erwartet? »Zunächst wird sie in einem Hostel untergebracht«, sagt Ulrike Bentrup. Alles weitere sei offen.

Kommentare

Unglaublich

Horden von jungen Männern bleiben hier, sogar straffällig gewordene. Familien mit besten Perspektiven, wie diese junge Familie, werden abgeschoben. Das nennt man dann Rechtsstaat.

Vernünftige Entscheidung

Das ist eine vernünftige Entscheidung der Ausländerbehörde. Wir können und wollen nicht jeden aufnehmen!!

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