VVOWL: 2019 wäre guter Zeitpunkt – Initiative Haller Willem hofft auf 30-Minuten-Takt Warten auf die Bahnhofssanierung

Bielefeld (WB). Reisende und städtische Planer warten Hände ringend auf die Sanierung des Brackweder Bahnhofs; der Zweckverband VVOWL wünscht sich eine Umsetzung möglichst von 2019 an. Andere Baumaßnahmen wirken sich bereits 2018 auf die Nahverkehrszüge in Brackwede und Quelle aus.

Von Peter Bollig
Niedrige Bahnsteige machen es am Brackweder Bahnhof unmöglich, barrierefrei in den Zug zu steigen. Die Sanierung ist geplant, die Umsetzung aber nicht absehbar. Die Bahn spricht vom Zeitraum bis 2023, der VVOWL wünscht sich einen Startschuss 2019.
Niedrige Bahnsteige machen es am Brackweder Bahnhof unmöglich, barrierefrei in den Zug zu steigen. Die Sanierung ist geplant, die Umsetzung aber nicht absehbar. Die Bahn spricht vom Zeitraum bis 2023, der VVOWL wünscht sich einen Startschuss 2019. Foto: Markus Poch

Wie die Initiative Haller Willem nach Gesprächen mit Vertretern des Verkehrsverbundes Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) betont, gibt es »Neue Chancen und Herausforderungen« für den Haller Willem. Zu den Herausforderungen gehören die anstehenden Bauarbeiten auf der Strecke rund um den Bielefelder Hauptbahnhof. So sollen die drei Eisenbahnbrücken über die Von-der-Recke-Straße, Schildescher und Schillerstraße erneuert werden.

Brückenarbeiten behindern den Zugverkehr

Von Mitte Juni 2018 bis mindestens März 2019 werde es daher zwischen dem Bielefelder Hauptbahnhof und Quelle Ersatzverkehr mit Bussen geben, berichtete Kai Schulte, Fachgebietsleiter für In­frastruktur beim VVOWL. Der Haller Willem werde, aus Osnabrück kommend, zwar bis Brackwede fahren. Reisende mit Ziel Bielefeld-Hauptbahnhof müssten jedoch bereits in Quelle in die bereit stehenden Busse umsteigen. Für Studenten soll ein Direktbus bis zur Universität eingerichtet werden. Bereits vorher werde es an einzelnen Wochenenden und Tagesrandlagen Busersatzverkehr geben. Zwischen Brackwede beziehungsweise Quelle und Osnabrück werde der Haller Willem aber weiter verkehren. Ersatzfahrpläne würden noch veröffentlicht.

Kai Schulte wünscht sich, dass die Deutsche Bahn möglichst 2019 mit der lange geplanten Sanierung des Brackweder Bahnhofs beginnt. Weil dann für andere Arbeiten ohnehin zwei Gleise gesperrt seien, könnte die Bahnhofssanierung leichter durchgeführt werden. Wie berichtet, steckt das Land NRW im Zuge der »Modernisierungsoffensive 3« zwölf Millionen Euro in den Brackweder Bahnhof. Aufgrund geringer Planungskapazitäten konnte die Bahn bislang keinen Umsetzungstermin nennen, sprach immer vom Zeitraum »zwischen 2018 und 2023«. Und auch jetzt konnte Bielefelds Bahnhofsmanager Martin Nowosad keinen konkreteren Zeitpunkt mitteilen. »Das Genehmigungsverfahren läuft noch«, sagte er dem WESTFALEN-BLATT. Es gebe zu viele Faktoren, die eine genaue Vorhersage verhinderten.

Die Sanierung soll durch höhere Bahnsteige und den Einbau von Aufzügen den Zugang zu den Zügen barrierefrei ermöglichen. Die Bahnsteige sollen verlängert, Treppen, Beleuchtung und Beschilderung erneuert werden. Die Planer der Stadtverwaltung warten auf die Sanierung, weil sie im Anschluss das Bahnhofsumfeld mit dem Fernbusbahnhof ebenfalls erneuern und attraktiver gestalten möchten.

Haller Willem ist meistens pünktlich

Die Initiative Haller Willem (IHW) freut sich unterdessen über »wachsende Aussichten für den 30-Minuten-Takt« des Haller Willem über die Strecke Bielefeld-Halle hinaus bis Osnabrück. »Die Erweiterungsplanungen der Firma Storck mit der Aussicht auf bis zu 1700 weitere Mitarbeiter verstärken die Notwendigkeit, mit dem Halbstundentakt voranzukommen«, stellte IHW-Mitglied Helga Lange fest.

Der VVOWL wolle das Thema im zukünftigen Nahverkehrsplan des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe angehen, erklärte Kai Schulte. Der Entwurf sei im kommenden Jahr zu erwarten, der Beschluss im Jahr 2019. Entscheidend bleibe weiterhin, wie sich der niedersächsische Partner, die Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover, hinsichtlich einer Taktverdichtung bis nach Osnabrück entscheide. Zwingend notwendig würden zweigleisige Abschnitte für Zugbegegnungen, bestenfalls in Bahnhofsbereichen.

Mitglieder der Initiative Haller Willem am Wartehäuschen (von links): Karl-Heinz Bösemann, Renate Roux, Axel Wiesehahn, Lothar Kosch, Helmut Bunte und Axel Taschka. Foto: Markus Poch

Obwohl etwas gesunken, liege die Pünktlichkeit des Haller Willem mit knapp 90 Prozent NRW-weit konstant im oberen Drittel, erklärte Schulte. Verbessert werden muss nach Ansicht der IHW noch die Kommunikation mit den Anschlussbussen. »An zentralen Bahnhöfen wie in Halle müssen die Busfahrer die Echtzeiten des Haller Willem auf dem Schirm haben«, betonte Helga Lange.

Um die Zahl der weiterhin täglich mehr als 5000 Ein- und Aussteiger zu steigern, will die IHW die Tarife auch mit den Mitteln der Digitalisierung günstiger gestaltet wissen.

Breiterer Zugang zum Gleis 8

Am Hauptbahnhof in Bielefeld steht für Gleis 8 laut VVOWL bereits 2018 eine Maßnahme an, die vielen Fahrgästen den Zugang und den Aufenthalt verbessern soll: Gefördert durch den Verkehrsverbund OWL, soll der Zaundurchlass deutlich aufgeweitet und der Bahnsteig verbreitet werden. Außerdem soll ein weiteres Wetterschutzhaus errichtet werden.

Die Initiative Haller Willem wünscht sich, dass nach 20 Jahren eine Erneuerung auch an vielen anderen Bahnhalten zwischen Bielefeld und Dissen erfolgt. Außerdem seien dort Anpassungen notwendig, um dem technischen Standard vieler Reisender gerecht zu werden. Als Beispiele wurden sichere Fahrradabstellmöglichkeiten inklusive Ladestation für E-Bikes sowie moderne Fahrplanauskunftssysteme genannt.

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